Er hat den Blick fürs Satirische
Cartoon oder Comic?
Bei einem Comic wird eine Geschichte mit einer Abfolge von Bildern erzählt. In der Regel ergänzen Sprechblasen die gezeichneten Bilder. Im Gegensatz zum Comic wird beim Cartoon eine Geschichte mit nur einem Bild erzählt. Ein Cartoon enthält eine Pointe oder ein komisches oder satirisches Element. Der Begriff Cartoon kommt vom französischen «carton» (Pappe).
Ein Cartoon für die Journalistin: Sie fragt und fragt und schreibt und schreibt – der Cartoonist erzählt
und erzählt. Zeichnerisch festgehalten von Jürg Kühni. (Jürg Kühni)
«Ich habe schon immer gerne gezeichnet», sagt Jürg Kühni. «In der Schule war Zeichnen mein Lieblingsfach.» Pinsel, Bleistift, Tusche und Skizzenbuch gehören seit seiner Kindheit zu seinem Leben. Erst nur in der Freizeit – seit der Burgdorfer als 30-Jähriger mit dem Zeichnen von Cartoons begann, wurde sein Hobby mehr und mehr zu seinem Beruf. Bevor Jürg Kühni Cartoonist wurde, arbeitete er im Marketingbereich eines Grossverteilers. Anfang der 90er-Jahre übernahm der 58-Jährige die Geschäftsleitung einer traditionsreichen Berner Schreibwarenhandlung und eröffnete danach seine eigene Papeterie in Burgdorf. Vor drei Jahren verkaufte er das Geschäft. Er gründete eine Einzelfirma und schreibt und fotografiert seither für Fach- und Firmenzeitschriften.
Cartoon Festival gegründet
Zum Cartoonzeichnen kam er vor knapp 20 Jahren. Anlässlich der Feiern zum 700-Jahr-Jubiläum der Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft fand im Berner Kornhaus eine Cartoonausstellung statt – unter anderem mit Cartoons von Jürg Kühni. Durch diese Ausstellung sei er in die schweizerische Cartoonszene hineingerutscht, erzählt er. 1997 rief er mit dem Berner Cartoonisten Heinz «Pfuschi» Pfister und dem Langnauer Daniel Wenger das Internationale Cartoon Festival Langnau ins Leben. Beim Cartoon wird eine Geschichte mit nur einem Bild dargestellt (siehe Box). «Meine Aufgabe ist es, auf dem Cartoon basierend beim Betrachter zusätzliche Bilder im Kopf entstehen zu lassen.» Die Herausforderung dabei sei die Reduktion auf das Wesentliche. Zur Illustration skizziert Jürg Kühni mit wenigen Bleistiftstrichen einen Arzt. Damit dieser als solcher erkennbar ist, wird auf dem Papier nur ein Kittel und ein Stethoskop angedeutet. Genauso sollte ein Cartoon funktionieren, bemerkt er. Beim Arzt würden bereits die Gegenstände Kittel und Stethoskop genügen, um beim Betrachter das Bild eines Arztes hervorzurufen. In der Technik legt sich Jürg Kühni nicht fest. Je nach Thema verwendet er einen Pinsel, Bleistift oder Filzstift. Nebst dem Zeichnen von Cartoons skizziert er in seiner Freizeit Landschaftsbilder. «Um das Handwerk zu trainieren», erklärt er. Stets auf Reisen mit dabei ist sein Skizzenbuch. Im Gegensatz zu anderen hält er seine Ferienerinnerungen nicht (nur) auf Fotos fest, sondern auch in Bildern. «Sehe ich ein schönes Bauwerk, setze ich mich hin und zeichne es.»
Erst denken, dann zeichnen
Pro Woche zeichnet Jürg Kühni zwischen fünf und zehn Cartoons. Dazu braucht er ein paar Stunden oder mehrere Tage. Manchmal falle ihm sofort eine Pointe ein, manchmal dauere es Stunden. «Bin ich unter Druck, kann ich innerhalb von drei Stunden einen Cartoon entwickeln und zeichnen», sagt er mit einem Lachen im Gesicht. Wenn er einen Auftrag erhält, beginnt vor dem eigentlichen Handwerk der Denkprozess. Als erstes muss er eine Geschichte zu einem bestimmten Thema entwickeln, die mit einer Pointe endet. Danach überlegen, wie er die Geschichte mit nur einer Zeichnung auf den Punkt bringen kann. Erst danach beginnt die handwerkliche Umsetzung, das Zeichnen – für Jürg Kühni der schönste Teil der Arbeit.
Vom 28. August bis 12.September 2010 findet die fünfte Ausgabe des Internationalen Cartoon Festival Langnau statt. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.cartoonlangnau.ch
(Berner Zeitung)
Erstellt: 26.04.2010, 18:51 Uhr




