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«Ein Ross braucht keine Peitsche»

Von Christian Werder. Aktualisiert am 15.10.2010

Er gilt als bekanntester «Pferdeflüsterer» der Region: BZ-Leser Hans Schmutz aus Rubigen. Er lernt von und mit den Tieren, geht auf ihre Psyche ein, ihre Gestik, ihre Sprache. Und er hat ein Buch darüber geschrieben.

Was sich liebt, das neckt sich: «Pferdeflüsterer» Hans Schmutz mit Princess. Zwischen den beiden herrscht eine grosse Vertrautheit.

Was sich liebt, das neckt sich: «Pferdeflüsterer» Hans Schmutz mit Princess. Zwischen den beiden herrscht eine grosse Vertrautheit.
Bild: Urs Baumann

Nein, er flüstert Princess nichts Geheimnisvolles ins Ohr. Hans Schmutz steht erhöht auf einem Geländerbalken im Pferdegehege – und sofort bewegt sich Princess ganz nahe zu ihm heran. So nahe, dass er bequem auf den Rücken seines Pferdes gleiten kann. Kein Sattel, keine Zügel. Und schon setzt sich die achtjährige Quarter-Horse-Stute in Bewegung – rückwärts! Schmutz lächelt verschmitzt, der Laie staunt. Nach einigen Metern macht Schmutz ein Geräusch mit den Lippen, das wie ein «Müntschi» tönt – und das Ross marschiert nun vorwärts. «Man kann grundsätzlich jedes Pferd so weit bringen. Aber die weitaus meisten Leute haben zu wenig Geduld. Sie gehen nicht wirklich auf die Tiere ein», sagt Hans Schmutz. Zwischen ihm und Princess herrscht ganz offensichtlich eine fast blinde Vertrautheit. Die beiden necken sich, das Pferd zieht an seinem Hut, trottet ihm hinterher oder apportiert auch ein Holzstückchen, das Schmutz im Gehege nach hinten wirft.

«Pferdisch» lernen

Doch sofort relativiert der 58-jährige Pferdekenner die vermeintliche Idylle. Das heisst: Er ordnet sie ein. «Wissen Sie, es ist nicht so, dass die Pferde uns Menschen lieben oder unsere Sprache verstehen. Obwohl wir das vielleicht gerne hätten.» Möglich sei bloss eine «pferdische» Freundschaft – nicht etwa eine «menschliche». Man müsse also die «pferdische Sprache» lernen, sich mit der Psyche und den angeborenen Verhaltensweisen des Pferdes auseinandersetzen. «Pferde leben ihre eigene Art, nicht unsere.» Deshalb sei eine intensive Kommunikation mit diesem Flucht- und Herdentier ungemein wichtig. Und in diesem Zusammenhang betont Schmutz: «Ein Ross braucht keine Peitsche. Man soll ihm nicht mit Zwang den Willen brechen.»

Pferde seit der Kindheit

Das Reiten und die Liebe zu Huftieren hat der 58-Jährige quasi im Blut. Sein Vater war ursprünglich Karrer in Ortschwaben, und Klein Hans kaufte sich mit dem zusammengesparten Taschengeld bereits als Zehnjähriger einen Esel. Er lernte das Reiten von der Pike auf und besitzt heute zusammen mit seiner Lebenspartnerin vier Rösser, mit denen er auf sanfte Weise trainiert und arbeitet. Vor einigen Jahren erwarb der ehemalige Aussendienstler in der Autobranche in Rubigen ein Haus mit grossem Grundstück und taufte das Anwesen «The Magic Vision Ranch». Seither gibt er interessierten Leuten Tipps und Tricks weiter, wie man artgerecht mit Pferden umgehen sollte. «Meine Philosophie dabei ist: Solange wir mit Tieren zusammen sind, sollten es diese auch wirklich schön haben», sinniert Hans Schmutz. Seine Art, wie er mit Pferden umgeht, machten ihn bald weitherum als «Pferdeflüsterer» bekannt.

Pferde als Autorenthema

Damit möglichst viele Menschen den sanften Umgang mit den Tieren lernen können, begann Schmutz vor Jahren seine Erfahrungen aufzuschreiben. Anfänglich auf lose A4-Blätter geschrieben, entwickelte sich das Ganze zu einem Buchprojekt. Eben erst erschien die vierte überarbeitete und ergänzte Auflage von «Wissenswertem im Umgang mit Pferden». Eine Anleitung, wie jeder Pferdefreund ein «Pferdeflüsterer» werden kann. Unterteilt in verschiedene Themenblöcke, reich bebildert und mit zahlreichen Übungsbeispielen versehen. Rund 2000 Stück hat er von dem Werk bereits verkauft. «Mich freut es einfach, wenn Tiere und Menschen davon profitieren können», sagt Hans Schmutz. Eine Aussage, die durchaus korrespondiert mit dem Sinnspruch, den er auf einen Holzbalken geschnitzt vor seinem Haus verewigt hat: «Von den Pferden lernen wir, den Menschen zu lehren, wie wir es den Pferden beibringen müssen.» Eben. Es gilt halt «pferdisch» zu lernen!

Das Buch: «Wissenswertes im Umgang mit Pferden», 170 Seiten, Fr.27.–. Zu beziehen direkt bei Hans Schmutz, Belpstrasse 1, 3113 Rubigen; 079 3019148; Firevision@bluewin.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.10.2010, 16:15 Uhr

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