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Ein Kampfsportler weiss, was er kann

Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 20.04.2010

Was mit einem Karate-Anfängertraining begann, endete mit dem Schweizer-Meister-Titel in Karate und einer Thaibox-Schule. Roger Rubi, technischer Verkaufsberater, ist ein begeisterter Kampfsportler und Thaibox-Trainer.

Volle Konzentration: Roger Rubi in seiner Thaibox-Schule Muay Thai Shadow Boxing in Nidau.

Volle Konzentration: Roger Rubi in seiner Thaibox-Schule Muay Thai Shadow Boxing in Nidau.

Roger Rubi sitzt da und spricht mit einer grossen Seelenruhe. Sein T-Shirt spannt sich über den Oberarmen, seine Haltung ist kerzengerade, sein Blick hellwach. Allein seine Erscheinung lässt seine Sportlichkeit vermuten. Und so kann es nicht überraschen, dass sein Terminkalender mit sportlichen Aktivitäten vollgepackt ist. Nicht irgendeinen Sport übt er aus, seine Leidenschaft gilt dem Thaiboxen, auch Muay Thai genannt. Neben einer Vollzeitstelle als technischer Verkaufsberater in der Baubranche hat der 31-Jährige auch nach Feierabend allerhand zu tun. Viermal die Woche führt er als Thaibox-Trainer gemeinsam mit seinen Partnern Trainings in seinem Verein durch, die bis 22 Uhr dauern. Einmal wöchentlich trainiert er für seine eigenen Wettkämpfe. Wie wohl fast jeder Bube, war auch Roger Rubi als 12-Jähriger von Filmen wie «Karate Kid» oder «Karate Tiger» begeistert. Er verkündete seinen Eltern, dass er Kampfsport machen möchte. So traf man den Jungen bald im Anfängerkurs einer Karateschule in Lyss, wo er die Prüfungen bis zum dritten braunen Gürtel erfolgreich absolvierte.

Talent und Ausdauer

Am Wunsch, Kampfsport zu lernen, waren nicht nur Vorbilder wie Jean-Claude Van Damme und Andy Hug beteiligt. Roger Rubi war auch wichtig, sich selber verteidigen zu können. Wie sich herausstellte, hatte der Junge nebst viel Ausdauer auch Talent. 1995 wurde er Schweizer Karatemeister und wurde in die Nationalmannschaft der Schweiz aufgenommen. Ein Jahr später nahm er an der Europameisterschaft in Istanbul teil, wo er jedoch unter seinen Erwartungen blieb. Roger Rubis Kommentar: «Ich war einfach noch zu jung.» Heute könnte er mehr erreichen als damals, und er kennt die internationale Ebene besser, sodass er weiss, was es für einen Erfolg brauchen würde. Die japanische Kampfsportart Karate basiert auf Halbkontakt. Seit jeher faszinierte Roger aber auch der Vollkontaktsport. Er wollte wissen, wie es sich im Ernstfall anfühlt. Ohne Handschuhe. Zufällig ergab sich durch einen Bekannten ein Besuch in einem Thaibox-Gym. Der Gym ist der Trainingsraum der Muay-Thai-Boxer. Genau da, im Gym, begann die Leidenschaft für das Thaiboxen. Wenig später fing Roger Rubi im Keller an, mit seinem Bruder und einem gemeinsamen Freund am Boxsack zu trainieren. Immer mehr Kollegen kamen vorbei und trainierten mit. Die Gruppe wurde grösser, und bald waren sie zu zehnt. Der Keller wurde eng, und sie mieteten einen spartanisch eingerichteten Trainingsraum. Sie hängten erneut den Boxsack auf, kauften sich Hanteln und Schlagpolster, doch viel mehr gab es nicht, nicht einmal eine Garderobe.

Muay Thai Shadow Boxing

Roger Rubi gründete vor fünf Jahren zusammen mit seinem Bruder und einem Freund den Verein mit dem Namen Muay Thai Shadow Boxing. «Wir wollen schneller werden als unser Schatten», erzählt Roger, der den Namen aus einem Liedtext hat. Drei Jahre nach der Vereinsgründung war es Zeit, etwas zu erneuern. Viele Fitnessstudios boten Fitbox-Trainings an, die nicht viel mit Boxen im Sinne des Kampfsports zu tun haben und genau deshalb vor allem beim weiblichen Geschlecht beliebt sind. Diese Entwicklung war Roger Rubi nicht entgangen, und er entschloss sich, auch ein Fitboxing anzubieten, das aber echte und wirkungsvolle Techniken aus dem Thaiboxen beinhaltet. «Dieses mehr auf Fitness und weniger auf Kampfsport, somit weniger auf direkte Körpertreffer ausgerichtete Training ist ein voller Erfolg», erzählt Roger Rubi. In den Medien ist immer wieder die Rede von aggressiven und gefährlichen Kampfsportlern. Eine Debatte, die in den Augen von Rubi oft falsch dargestellt wird und Kampfsportler wie ihn in ein schlechtes Licht stellt. «Ein Kampfsportler ist sich bewusst, was er kann und was er tut. Wenn man angegriffen wird, ist es eine natürliche Reaktion, dass man sich verteidigt», erklärt er. Bei ihm in der Schule trainieren zum Teil auch Jugendliche mit eher schwieriger Vergangenheit. Der Umgang mit ihnen setze ein gewisses Fingerspitzengefühl voraus, meint der in Studen aufgewachsene Roger Rubi. Zwei seiner Schüler sagen, dass sie sich nach den Trainings weniger aggressiv und aufgeladen fühlen. Bei einem Angriff in einer realen Situation hilft auch das mentale Training, bei dem man auf Schmerz vorbereitet wird. Der Angreifer zögert oder lässt gar von einem Kampfsportler ab, wenn er merkt, dass er keinen Schmerz zufügen kann. Rubi empfiehlt, souverän aufzutreten und den Dialog mit dem Angreifer zu suchen. «Mein selbstbewusstes Auftreten heute trägt dazu bei, Probleme von mir fernzuhalten», meint Rubi zum Schluss. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.04.2010, 09:04 Uhr

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