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Ein Herz für türkische Katzen

Von Raphael Hadorn. Aktualisiert am 29.04.2010

Die 59-jährige Annemarie Özdemir aus Rüfenacht engagiert sich für türkische Strassenkatzen. Im Taurus-Gebirge hat sie ein «Katzenhaus» eröffnet, in welches sie seit 20 Jahren viel Geld und Herzblut investiert.

Ein Leben für – und selbstverständlich auch mit – Katzen: Annemarie Özdemir in ihrem  Zuhause 
in Rüfenacht.

Ein Leben für – und selbstverständlich auch mit – Katzen: Annemarie Özdemir in ihrem Zuhause in Rüfenacht.

«Ausgehungerte Katzen kurz vor dem Verdursten; Lastwagen voll mit vergifteten Tierkadavern; ein lebendiges Katzenjunges mit ausgestochenen Augen, entsorgt im Abfalleimer – wer dies einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wird mir nie mehr die Frage stellen, weshalb ich mich so intensiv für die Strassenkatzen in der Türkei einsetze», sagt Annemarie Özdemir aus Rüfenacht. «Solche Bilder brechen dir fast das Herz.»

Viel Geld und Herzblut
Angefangen hat alles vor ziemlich genau 20 Jahren in Isparta, einer Provinz im türkischen Taurus-Gebirge. Abseits der Touristenpfade besuchte Annemarie Özdemir die Familie ihres türkischen Ehemanns, von welchem sie heute geschieden ist. Und sie traute ihren Augen nicht, als sie erstmals mit den Grausamkeiten konfrontiert wurde, unter denen die Strassenkatzen in dieser Region leiden. Özdemir wusste: Dagegen muss ich etwas tun. Die gebürtige Emmentalerin lernt eine Türkin kennen, die sich ebenfalls für ein besseres Leben der Katzen einsetzt. Ein Glücksfall für Annemarie Özdemir. Mit ihr eröffnet sie im Taurus-Gebirge eine Katzenstation, ein «Katzenhaus». Für die Vierbeiner ein kleines Paradies in einem Land, in dem das Wort Tierschutz kaum Bedeutung hat.

Kleine Spende genügt
«Sparen, sparen, sparen, ich brauche nicht viel zum Leben und verzichte bewusst auf vieles», sagt Özdemir. Für das Personal, die tierärztliche Versorgung, Kastrationen oder medizinische Geräte an der Tieruniversität in Burdur überweist sie monatlich 1000 Franken in die Türkei – dank gütigen Spenden von fünf Frauen, aber mehrheitlich mit Geld aus dem eigenen Portemonnaie. «Gerade in der Wirtschaftskrise steht der eigene Egoismus bei vielen Leuten an erster Stelle», weiss Özdemir. Doch mit mehr Geld könne man nun einmal mehr helfen. «Bereits mit einer Spende von 10 Franken kann sehr viel Gutes getan werden.» Annemarie Özdemir opfert aber nicht nur ihr Geld, sondern auch viel Zeit. Ein Mal pro Jahr reist sie im Herbst für zweieinhalb Wochen in die Türkei. Im Gepäck mehrere Tausend Franken und rund 170 Kilogramm Tierhilfsgüter, unter anderem Trockenfutter, Wurm- und Flohtabletten, Vitaminpräparate und Antibiotika. Bestimmt sind diese für die rund hundert Katzen im «Katzenhaus» sowie für weitere dreissig Katzen und drei Hunde in Burdur, wo sich ein türkisches Paar ebenfalls intensiv für das Wohl der Vierbeiner einsetzt. Özdemir engagiert sich zudem für den Berner Tierschutz. «Auch in der Schweiz gibt es Katzenelend», sagt sie, aber in der Türkei könne sie den ärmsten der armen Katzen helfen. Von den Schweizerinnen und Schweizern wünscht sich Özdemir, dass sie ihre Katzen unbedingt kastrieren lassen, alles andere sei verantwortungslos, und: «Bitte den Katzen die Würde nicht nehmen, sondern sie mit Würde behandeln.»

Ein Jahr, drei Jubiläen
Wenn man die Wohnung von Annemarie Özdemir in Rüfenacht betritt, wird ihre Liebe zu den Katzen sofort ersichtlich. Überall Bilder, Statuen und Zeitungsartikel über die Vierbeiner. Und natürlich Katzen, vier an der Zahl. Drei Findelbüsis aus der Schweiz sowie eine türkische Strassenkatze. Seit 20 Jahren engagiert sie sich nun schon für die Katzen in der Türkei – ein kleines Jubiläum. Ebenfalls ein solches kann sie in diesem Jahr an ihrem Arbeitsplatz feiern. Annemarie Özdemir arbeitet 50 Prozent am Empfang und an der Telefonzentrale der Allianz Suisse in Bern – seit 40 Jahren. Dem nicht genug: Am 23.September feiert sie ihren 60.Geburtstag – wie jedes Jahr in der Türkei. Auch wenn sie oft entkräftet nach Hause komme, mache sie sich damit jeweils das grösste Geschenk gleich selbst.

Den Glauben verloren
«Früher hatte ich eine Vision: Ich träumte von einer Welt ohne Tierleid», sagt Annemarie Özdemir. Den Glauben daran habe sie mittlerweile verloren. «Ich habe mir schon oft Gedanken gemacht, ob ich überhaupt weitermachen soll», verrät sie. Und in ihrem Jahresbericht, den sie als Bettelbrief an 67 Adressen verschickt, sagt sie: Ich bin wieder an meine Grenzen gestossen, und ja, es flossen wieder Tränen. Aber sie sagt auch: «Immer, wenn du in die Augen eines ausgehungerten Büsis schaust, welches nur dank dir überlebt hat, weisst du wieder, dass sich die ganze Mühe lohnt. Selbst als sie sich vor 4 Jahren zwischen ihrem Mann und den Katzen entscheiden musste, hielt sie den Vierbeinern die Treue. Ein Leben für die Katzen – Annemarie Özdemir lebt es.
Bereits mit einer Spende von 10 Franken kann man Gutes tun: Valiant-Bank Bern, Postkonto 30-38112-0, Konto 16 6.094.619.09, Clearing-Nr. 6300. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.04.2010, 08:46 Uhr

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