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«Dieser Bach ist eine Therapie»

Von Christian Werder. Aktualisiert am 07.04.2010

Vor vier Jahren wurde Alfred Wüthrich aus Ostermundigen am Rücken operiert. Um sich danach genügend zu bewegen, begann der Rentner, den Lötschenbach auszukundschaften. Das Gewässer wurde sein Freund.

Mit der Kamera an «seinem» Bach, dem Lötschenbach: Alfred Wüthrich, pensionierter Sigrist, an seinem Lieblingsplatz.

Urs Baumann

Stichworte

Ein stattliches Feld, eine Wiese, einige Sträucher, ein Baumstrunk. Und dann kommt der Bach. Eher ein Bächlein. Ein liebliches, unscheinbares Gewässer.

Alfred Wüthrich (80) nimmt seine kleine Digitalkamera hervor. Wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Fotografisch fängt er an diesem sonnigen Frühlingstag einen weiteren Moment ein am Lötschenbach, der von Gümligen her durch seine Wohngemeinde plätschert. Ganz in der Nähe seiner Wohnung an der Unterdorfstrasse in Ostermundigen sitzt er im Gras. Weisse Haare, ein weinroter Pullover, Bluejeans. Locker und zufrieden. «Es ist doch einfach wunderschön hier», sagt er leise. Und strahlt dabei.

Kraftquelle

2006 wars, als der pensionierte Sigrist der Berner Pauluskirche für sich den Lötschenbach quasi als Kraftquelle entdeckte. Er musste sich in jenem Jahr am Rücken operieren lassen. Seine Tochter und sein Schwiegersohn ermunterten ihn nach der Operation, sich möglichst viel zu bewegen.

Gesagt, getan. Alfred Wüthrich kaufte sich einen Fotoapparat und begann, den sechseinhalb Kilometer langen Lauf des Gewässers in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu erkunden.

Zwiegespräch

Immer und immer wieder spazierte er entlang des Lötschenbachs. Fotografierte, notierte Begebenheiten («man sieht Tiere und verschiedenste Pflanzen und lernt unterwegs interessante Leute kennen») und recherchierte bei den zuständigen Behörden die Geschichte der unterdessen weitgehend renaturierten Bachlandschaft. «Wissen Sie, dieser Bach ist bis heute eine Art Therapie für mich. Meinem Rücken geht es wieder wirklich gut, und ich fühle mich einfach wohl hier», erzählt Alfred Wüthrich.

Seine Exkursionen, Bilder und Recherchen bewahrt er in einem stattlichen Ringordner auf. Und auch eine CD-ROM mit vielen Fotos seiner Wanderungen entlang des Lötschenbachs liess er brennen. Alfred Wüthrich und der Lötschenbach. Eine enge Beziehung. Redet er manchmal mit dem Gewässer?

«Jaja,», meint der rüstige Rentner lachend. «Manchmal sag ich zu ihm: Genug marschiert. Jetzt gehe ich heim. Bis bald!»

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.04.2010, 09:28 Uhr

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