Die zwei vom Russian Shop
Russinnen kaufen für ein heimatliches Essen Essiggemüse, Studenten spüren vor, was es bei ihrem Austausch zu essen geben wird, Touristen wollen ihre Reise in der transsibirischen Eisenbahn mit Wodka und Kaviar aufleben lassen. Sie alle treffen sich vor den Regalen der leidenschaftlichen Jungunternehmer Von Känel und König. Alexander von Känel, 35, Sohn einer Italienerin und eines Russen, wuchs in Weissrussland auf. Nach einer Kochausbildung jobbte er für Schweizer Unternehmen in Osteuropa, bevor er beschloss, der schwierigen Lage in seinem Heimatland zu entfliehen. Zusammen mit seiner Schweizer Verlobten (von der ihm heute nur noch sein Schweizer Name geblieben ist) wanderte er in die Schweiz aus. Seine Mutter lachte ihn aus, als er mit kaum 50 Dollar in der Tasche den Bus nach Bern bestieg. Er aber liess sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen. Sein erster Erfolg war eine Abteilung für russische Bücher in einer Buchhandlung – zuerst auf eigene Rechnung. Bei einem Projekt als Webdesigner lernte er dann Daniel König kennen.
USA, Japan, China, Bern?
Daniel König, 29, aus Schwarzenburg, wollte eigentlich Schauspieler werden. Bei einem Aufenthalt in Miami Beach fand er Gefallen an der weiten Welt und beschloss auszuwandern. Er lernte Japanisch und bekam tatsächlich eine Stelle in einem Restaurant in Japan. Das Verhältnis zu den Gästen war sehr gut, aber kochen durfte er als Ausländer dort nicht – das hätten die Japaner in ihrem Perfektionismus nicht goutiert. Wieder in der Schweiz, als Koch in einem japanischen Restaurant, blieb das Fernweh. Nur der Zufall hielt ihn davon ab, nach China zu reisen, um dort Shaolin Kung Fu zu lernen: Am Tag, als er sein Visum abholen wollte, war das Konsulat geschlossen. König stieg spontan als Geschäftsführer in ein Projekt von Freunden ein und lernte dort Alexander von Känel kennen.
Ein logischer Schritt
Der Russian Shop reifte schon lange in Von Känels Kopf, weil er sich wie alle Mitglieder der russischen Gemeinschaft von Bern nur online mit Heimwehprodukten eindecken konnte. Die Zusammenarbeit mit König war dann ein logischer Schritt: Beide wollten etwas Eigenes aufbauen. Und beide wussten aus Erfahrung, dass sie eine solche Herausforderung mit der nötigen Leidenschaft und Abenteuerlust anpacken würden. Daniel König: «Vom Russian Shop waren wir von Anfang an überzeugt. Wir haben uns auch genug Zeit dafür gegeben. Die meisten Schweizer aber wollen mehr Sicherheit, als ihnen ein solcher Laden bieten kann.»
Pelmeni schmecken allen
Heute sind die beiden enge Freunde. Im Frühling sind sie per Auto nach Weissrussland gereist. Am 2. August haben sie an der Thunstrasse 107 in Bern einen grösseren Laden bezogen, um mehr Platz für ihre Ware zu haben. Mittlerweile wissen die beiden Unternehmer gut, welche Produkte Schweizern schmecken. Der absolute Renner sind Pelmeni, gefüllte Teigtaschen. Auch Zukunftspläne haben Alexander von Känel und Daniel König: Gerne möchten sie Filialen im Berner Oberland eröffnen, Bars mit Wodka beliefern und ihr Onlineangebot ausbauen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.08.2010, 18:01 Uhr
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