Die genauen Pässe des Roger Schnegg
Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 23.02.2011
Und so telefoniere er jeweils Sandra Kessler vom Coiffeursalon Verwandelbar an der Berner Effingerstrasse und vereinbare den nächstbesten Termin, um sich seine Haare «geng wie geng» kürzer schneiden zu lassen. So wie heute.
Roger Schnegg ist 43 Jahre alt, Vater von zwei Kindern im Schulalter und ein alteingesessener Münchenbuchser. Bereits dort aufgewachsen, wohnt er auch heute mit seiner eigenen Familie dort. «Das hört sich langweilig an, ist es aber nicht», meint er unumwunden. Roger Schnegg sieht keinen Grund, hier wegzuziehen. Münchenbuchsee ist für ihn ein Synonym für Lebensqualität: «Die Gemeinde hat für unsere Bedürfnisse die ideale Grösse. Ich bin in sieben Minuten im Bahnhof Bern. Um die Ecke liegt die nötige Einkaufs- und Sportinfrastruktur. Und ausserdem ist der Ort nach wie vor ein Dorf.» Für den gelernten Betriebsökonomen ist die Ruhe und Idylle in der Agglomeration ein toller Ausgleich zu seinem bisweilen hektischen Arbeitsalltag. Roger Schnegg leitet das Sportamt der Stadt Bern. Hier betreut er so heikle Dossiers wie die Schliessung der Ka-We-De.
Doch Politik beiseite. Roger Schnegg liebt das direkte Spiel: Er ist seit Jahren angefressener Volleyballspieler. Als ehemaliger Passeur in der Nationalliga A hat er «im Alter» mit Gleichgesinnten eine Mannschaft gebildet. Das Team heisst «U60». Der Jüngste ist 37 Jahre alt, und das Durchschnittsalter liegt bei 43. Das «Altherrenteam», wie der Ballkünstler es selber nennt, hat vor sechs Jahren in der 4.Liga gestartet und spielt heute nach siegreichen Saisons in der 1.Liga. Der Spass steht im Vordergrund. Trainiert wird nicht mehr. Die Volleyballer spielen nur noch Matches. «Volleyball ist ein technischer Sport. Wenn man ihn einmal gelernt hat, kann man immer noch auf einem angemessenen Niveau spielen, solange man körperlich fit ist», so der Coiffeurgast. Er selber gibt mit seinen 1,88 Metern seinen grösseren Mannschaftskollegen oft möglichst genaue Pässe, sodass diese mit einem Smash übers Netz dem Gegner einen Punkt abluchsen können.
Und wenn die 15 Mannen neben Finte und Smash mal mit den Familien etwas unternehmen, bringen sie zusammen 34 Kinder mit. «Das isch vei e chli e Raglete», entfährt es dem bereits sportlich frisierten Familienmensch. Und: Ist er zufrieden mit dem Haarschnitt? «Ja sicher. Geng wie geng. Wie es gefällt, höre ich am Abend in Münchenbuchsee.»
Herzlichen Dank an Sandra Kessler & Sarah Locher von «Verwandelbar». Info: www.verwandelbar.ch (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.02.2011, 16:46 Uhr
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