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Der Secondhand-Händler mit politischem Bewusstsein

Von This Fetzer. Aktualisiert am 20.12.2010

Johannes Spycher führt im Liebefeld ein Brockenhaus. Nicht einzig aus Liebe zu alten Gegenständen, sondern weil er sich an der Wegwerfmentalität stört.

Ein  Macher: Johannes Spycher legt Wert auf Nachhaltigkeit. Das ist sein Antrieb zur Verwendung und zum Handel mit  alten Sachen.

Ein Macher: Johannes Spycher legt Wert auf Nachhaltigkeit. Das ist sein Antrieb zur Verwendung und zum Handel mit alten Sachen.
Bild: Urs Baumann

Die Kälte kriecht einem die Beine hoch, wenn man mit dem Ittiger Johannes Spycher (52) im Brock&Art im Liebefeld sitzt und zuhört, was er schon alles erlebt hat. Nach einer Ausbildung als Industrie- und Flugzeugspengler war er Bühnenbild- und Regieassistent an Theatern. Das wichtigste Erlebnis war dann eine Töffreise durch Afrika. Die gemeinsam ausgestandenen Gefahren schweissten ihn und seine heutige Ehefrau zusammen. Vor allem aber beeindruckte Spycher die Armut in Dörfern, wo die Kühe sich nicht auf Weiden, sondern auf Abfallhaufen aufhielten.

In der alten Kaffeerösterei

Die Wegwerfmentalität der westlichen Welt ist es, was ihn im Leben umtreibt. Das erklärt auch die Temperatur im Brockenhaus in der ehemaligen Kaffeerösterei Graber: wieso mehr heizen, wenn die Besucher doch beim Herumgehen warm haben? Die meisten kommen ja nicht zum Plaudern, sondern um antiquarische Spielsachen, Bücherraritäten oder auch ein historisches Ladenmöbel zu kaufen.

Kein Frustrierter

Zum Handel mit gebrauchten Gegenständen kam er nicht aus Interesse an Designermöbeln. «Der Stil ist sekundär. Aber ohne Recycling geht die Welt zugrunde», sagt er. Der Gedanke der Nachhaltigkeit sei ihm das Allerwichtigste. «Schau dir heutige Schüler an, wenn sie ihr Mittagessen im Supermarkt kaufen: Jeder nimmt ein eingeschweisstes Fertigprodukt und einen Plastiksack, den er nach wenigen Metern wegwirft.» Er sei ein sehr politischer Mensch und einer der übrig gebliebenen Unzufriedenen aus den 80er-Jahren. Spycher ist aber nicht frustriert, er tut etwas. Das nötige Fachwissen hat er sich als Mitarbeiter eines Aktionshauses angeeignet, und dann ergab sich die Möglichkeit, die Galerie Granero in der Berner Altstadt zu übernehmen. Hier verkauft er heute noch Tuareg-Ethnografika. «Ein Teppich, an dem ein Weber mehr als einen Monat gearbeitet hat, ist so nachhaltig wie eine Schweizer Uhr», sagt Spycher. Wenn er aber Möbel aus der Massenproduktion anschaue, verstehe er, dass die Leute sie schon nach kurzer Zeit wegwerfen würden.

Tafeln im Brockenhaus

Die Galerie wurde um das Brockenhaus ergänzt, und nicht ohne Stolz berichtet Spycher, dass sich mittlerweile auch sein 15-jähriger Sohn dafür interessiere. Immer nur «wurmstichiges Holz» zu verkaufen, reicht Spycher aber auch nicht. In den Sommermonaten betreibt er darum zusammen mit Frank Demenga und Karin Wirthner das Restaurant Chez Graber: Die beiden Schauspieler kochen, die Gäste tafeln mitten im Brockenhaus oder im Garten, und auf der kleinen Bühne organisiert Spycher kulturelle Anlässe. Auch sonst mangelt es Spycher nicht an Ideen: Gegenwärtig sind seine Möbel als Ausstattung der Fonduehütte beim Restaurant Schwellenmätteli zu sehen. Man darf zudem gespannt sein auf seine Umsetzung einer Idee, wie die Aare mehr in den Stadtalltag integriert werden könnte. Dass er nicht für immer in der Rösterei bleiben kann, weiss Spycher. Er empfände es aber als Hohn, wenn auch dieses hundertjährige Denkmal der Industrialisierung dem schnellen Profit geopfert würde. «In Köniz gibt es ja fast nur noch Neubauten, die schon nach zwanzig Jahren sanierungsbedürftig sind!» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2010, 10:52 Uhr

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