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Der Schmuck der armen Leute

Von Franziska Zaugg. Aktualisiert am 12.03.2012

Erich Mosimann sammelt alten Schmuck aus Plexiglas. Und sucht Leute, die mehr über diesen «Arme-Leute-Schmuck» wissen.

Erich Mosimann: «Die Sachen sind nicht kostbar, aber speziell und originell.»

Erich Mosimann: «Die Sachen sind nicht kostbar, aber speziell und originell.»

«Es mag vor gut 35 Jahren gewesen sein; ich stand vor der Auslage eines Lädeli in der Berner Altstadt. Vor mir lag ein kurliger Armreif. Er war aus Plexiglas, schön geschliffen und poliert. Das Wunderliche aber waren die eingearbeiteten Blumen», schreibt Erich Mosimann in einem Brief an das «BZ-Forum». «Ich betrat den Laden und kaufte den Reif. Man sagte mir, er komme aus England und sei sogenannter ‹Arme-Leute-Schmuck›.»

Mosimann schreibt weiter: «Nach dem Krieg hatten die Leute wenig Geld für echte Preziosen. Plexiglas liess sich gut verarbeiten, Facettenschliffe waren möglich. Mit einer ausgeklügelten Bohrtechnik von der Rückseite her wurden wunderbare dreidimensionale Sujets erzielt, die eingefärbt wurden, indem man Farbe injizierte.» Der besagte Armreif hat den 70-Jährigen so sehr fasziniert, dass er sich von da an intensiv auf die Suche nach weiteren Schmuckstücken machte. Einen Armreif hat er keinen mehr gefunden, dafür Broschen, Anhänger, Gürtelschnallen und Fingerringe, mittlerweile ist die Sammlung auf hundert Stück angewachsen.

Schachtel voller Trouvaillen

Erich Mosimann sitzt in seiner Wohnung in Niederwangen vor einer Holzkiste – einer alten Zigarrenschachtel aus Brasilien, die er auf dem Flohmarkt entdeckt hat. Die vielen Fächer, teils ausziehbar, sind gefüllt mit «Arme-Leute-Schmuck». Behutsam hält der Sammler ein Fundstück nach dem anderen in die Höhe, weist auf Details hin, schwärmt von der exakten Verarbeitung. Trotz sich wiederholenden Motiven – es sind Blumen, Vögel, Tiere, Damen und Schiffe – sind die Stücke Unikate. «Die Sachen sind nicht kostbar, aber speziell und originell», sagt Erich Mosimann. «Und sie sind es wert, gesammelt zu werden.» Aber das Geld sei für einen Sammler wie ihn auch nicht der Antrieb. Wenn er über Flohmärkte streift und Brocantes besucht, will er vielmehr Entdecker sein: «Von Schmuckstücken, die mich berühren, es muss klick machen.» Darum gehe es beim Sammeln, denn «ich brauche den Schmuck ja nicht, ich kann gut ohne ihn leben». Suche nach Kennern

In der Wohnung des Ehepaars Mosimann stehen einige Flohmarkttrouvaillen, alle haben ihre Geschichte. «Nur mit dem ‹Arme-Leute-Schmuck› hapert es.» Erich Mosimann sucht Leute, die sich mit der Geschichte dieses Kunsthandwerks auskennen. Bis jetzt hat er noch niemanden getroffen, der etwas über die Machart dieses Schmucks weiss. «Es würde mich freuen, wenn auch meine kurligen Schmuckstücke endliche ihre wahre Geschichte bekämen.»

Kontaktaufnahme mit Erich Mosimann ist möglich via Berner Zeitung, Dammweg 9, Postfach, 3001 Bern, oder redaktion@ bernerzeitung.ch, Vermerk «Arme-Leute-Schmuck». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2010, 08:35 Uhr

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