Der Kampf um den «Zwillingsbaum»
Von Christian Werder. Aktualisiert am 23.11.2010
Der Baum des Anstosses: Diese «Zwillingsbuche» in Gurzelen
gibt viel zu reden. (Bild: zvg)
Launen der Natur
Der «Zwillingsbaum» in Gurzelen ist ein Naturereignis der seltenen Art. Kennen auch Sie eine solche Laune der Natur? Schicken Sie ein Bild und schreiben Sie einige Zeilen dazu (redaktion@bernerzeitung.ch, Vermerk: Laune). Vielleicht ergibt sich daraus eine Geschichte im «BZ-Forum».
Am Anfang war ein Leserbild. Walter von Niederhäusern aus Gurzelen schickte dem «BZ-Forum» die Fotografie einer Buche mit zwei Stämmen. Das heisst: Eigentlich sind es zwei Buchen, die im Lauf der Jahre zusammengewachsen sind. «Zwillingsbuche» nannte er das ungewöhnliche Baumgewächs in der Bildlegende. Und fügte hinzu: «Ich hoffe, dass dieses Wunderwerk der Natur weiterbestehen könnte.»
Aber warum denn «weiterbestehen könnte»? Ist die Buche gefährdet? «Ja. Die Burgergemeinde als Eigentümerin des Waldstücks will sie fällen», erklärt von Niederhäusern gegenüber dem «BZ-Forum». Grund: Die «Zwillingsbuche» gefährdet offenbar die Sicherheit auf der Gemeindestrasse in unmittelbarer Nähe. Man befürchtet, Äste könnten auf die Fahrbahn fallen. «Wir müssen dort die Sicherheit gewährleisten», betont denn auch Ernst Hänni, Burgergemeindepräsident von Gurzelen.
«Seltenheitswert» Dass die Sicherheit Vorrang hat, steht auch für Hobbyfotograf Walter von Niederhäusern ausser Frage. Doch möchte er diese Laune der Natur nicht sang- und klanglos sterben lassen. Er liess von Fabian Dietrich, einem bekannten Baumpflegespezialisten, einen Situationsbericht erstellen. In diesem heisst es unter anderem: «Die beiden Rotbuchen, die zusammengewachsen sind, sind absolut einzigartig und haben Seltenheitswert. Sie sollten unbedingt erhalten bleiben.» Dietrich ist überzeugt, dass man die über 20 Meter hohen Hölzer mit gezielten Baumschnitten zurückstutzen und damit die Sicherheit entlang der Strasse gewährleisten könnte. Kostenpunkt: rund 3000 Franken. Spätere Pflegemassnahmen sind dabei noch nicht inbegriffen.
Wer aber soll das bezahlen? Die Burgergemeinde wohl kaum. «Wir wollen kein Geld investieren», stellt Burgergemeindepräsident Hänni klar. Der Baumschlag sei die preisgünstigste Lösung. Also hat Walter von Niederhäusern mit weiteren Sympathisanten der «Zwillingsbuche» eine Interessengemeinschaft (IG) ins Leben gerufen. «Bis jetzt haben wir 500 Franken beisammen», verrät der Möbelschreiner. Auch eine regionale Bank habe ihr Interesse bekundet. Doch bereits legt sich auch Revierförster Markus Dummermuth quer. Er verlangt in einer Stellungnahme, dass die vermeintlichen Baumretter die ganze «Verantwortung betreffs Gefahrenpotenzial» übernehmen müssten. Ebenfalls müsste eine «schriftliche Zusage der Finanzierung inklusive aller Folgekosten» abgeliefert werden. Die Latte ist hoch gesetzt für die IG.
Entscheid bis 15. Dezember Und die Zeit drängt. «Bis am 15.Dezember muss ein Entscheid gefällt werden. Bis dann müssten wir im Besitz der Zusicherungen sein», erklärt Ernst Hänni von der Burgergemeinde. Doch ob es dazu kommt, ist mehr als fraglich. Denn die Sponsoren der IG wollen ausdrücklich nur einen «einmaligen Gesundheitsschnitt» finanzieren. Und der «Zwillingsbaum» solle auch im Besitz der Burgergemeinde bleiben. Ergo wäre diese für die Sicherheit zuständig.
Wie weiter nun? «Natürlich sprechen wir auch im Burgerrat nochmals über das Thema», sagt Ernst Hänni. Doch er denkt schon laut darüber nach, dass der «Zwillingsbaum» wohl «eher gefällt» als geschont werde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.11.2010, 18:02 Uhr
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