Der Freiheit auf der Spur
Bruno Glauser baut und renoviert Häuser – doch neben seinem Beruf interessieren den vielseitigen Geschäftsinhaber mit einer Schwäche für Deux-Chevaux noch ganz viele Dinge, die weniger bodenständig sind (Bild: Christian Pfander)
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Von nahem sieht er mit seinem weissen Bart fast aus wie der gutmütige und weise Zauberprofessor Dumbledore aus den «Harry Potter»-Filmen. Nur die Kleider passen nicht so recht dazu: Statt eines wallenden Mantels und Spitzhut trägt er Gilet und Béret. Wenn er aber aus seinem Leben zu erzählen beginnt, könnte man sich schon fast in den fantasievollen Büchern von J.K.Rowling wähnen. Grenzen, die für andere gelten, scheint Bruno Glauser nicht zu kennen – vor allem nicht die im Kopf. Der Steffisburger ist ein mitreissender Erzähler, und schon bald wird klar, dass er mit den Anekdoten aus seiner Vita eine ganze Woche lang Skilagerabende füllen könnte.
Als «Student» in die USA
Bruno Glauser wuchs in der Länggasse in Bern auf und machte eine Lehre als Buchdrucker. «Immer die Bibel zu drucken wurde mir aber langweilig», erzählt er, und so meldete er sich für einen Studentenaustausch an. Dass er als «Master in Printing» ein Student sei, stellte in den USA niemand in Frage. Zurück in der Schweiz, beschloss er, besser Englisch zu lernen. Also ging er nach London und fand eine Stelle als Maler. Ein Jahr lang strich er Häuser in Greater London und bekam dann, weil er oft mit Leuten aus Arbeitseinsätzen zu tun hatte, das Angebot, sich zum Sozialarbeiter ausbilden zu lassen. «Damals wurden gerade LSD und Heroin gross», erinnert sich der bald 64-Jährige. «Es ‹stank› mir, all die Leute wegsterben zu sehen, die gleich alt oder sogar jünger waren als ich.» Also kehrte er wieder in die Schweiz zurück. Nach der Handelsschule fand er eine Stelle als Buchhalter in einem Bauunternehmen. Weil es aber im Büro zu wenig Arbeit gab, machte er eine «kurze Lehre» als Maurer und arbeitete fortan auch auf dem Bau. Damit war der Grundstein zu seinem späteren Übernamen gelegt: «Hüsli-Brünu.» «Es war immer ein Lebensziel von mir, ein eigenes Geschäft zu haben», sagt Glauser. «Ich bin ein grosser Alleingänger: Ich lasse mir nicht gerne befehlen und hasse es, im Team zu arbeiten.» Das heisst nicht, dass er die Geselligkeit nicht schätzt. Aber wenns ums Arbeiten geht, will er sein eigener Chef sein. Also kaufte er sich in Enggistein bei Worb ein Stück Land, begann mit dem Aushub – mit nichts als einer Schaufel und einer Schubkarre, die er mit seinem Deux-Chevaux an den Arbeitsort transportierte. Nach vierzehn Tagen schaufeln konnte er mit dem Fundament beginnen. Bis auf einige Berechnungen machte Glauser fast alles selber.
Die Liebe zum 2CV
Dass er die Utensilien mit einem Deux-Chevaux transportierte, ist kein Zufall. Für Bruno Glauser kam nie ein anderes Auto in Frage. «Als ich jung war, war ich sozialistisch eingestellt», sagt er, der heute der SVP zugetan ist. «Da waren protzige Autos verpönt.» Die politische Einstellung hat sich geändert, die Liebe zum Auto blieb. Gemeinsame Erlebnisse verbinden: So ist Glauser mit einem 2CV durch Indien getrampt und hat jeweils auch darin geschlafen. «Wenn ich zwei Häuser gebaut hatte, war die Ente meist geschlissen.» Momentan fährt er seine elfte. Die hat er auseinandernehmen, sandstrahlen, verzinken und wieder zusammenbauen lassen. «Dieses Auto werde mich überleben, meinte der Kontrolleur bei der letzten Prüfung», erinnert sich Glauser. Grössere Sachen transportiert er mit dem Anhänger oder indem er das Verdeck öffnet. Sogar einen Bootsanhänger hat er für den 2CV. «Ich habe ein kleines 420er-Segelboot – das ist vom Gewicht her kein Problem.»
Paddeln in der Einsamkeit
Per Schiff hat Glauser einige ausgedehnte Reisen unternommen – mit einem Faltboot-Kanu, um genau zu sein. Seine Methode, selber zu bauen, ermöglicht ihm, von Dezember bis März jeweils auf Reisen zu gehen, meist nach Asien. Sechs Mal war er in Nepal. Einmal hat er auf dem Yukon die unendlichen Weiten Kanadas und Alaskas erkundet, in der es im Faltboot von einer Siedlung zur nächsten bis zu zehn Tagesreisen dauert. Ein anderes Mal ist er in drei Monaten um ganz Griechenland gepaddelt. Eine Stelle gab es, die als unbezwingbar galt. Doch Bruno Glauser traf in einer Bar einen ehemaligen Tankerkapitän, der ihm den Tipp gab, um zwei Uhr morgens aus einer nicht verzeichneten Bucht zu starten. Er befolgte den Rat – und fand die See spiegelglatt vor. Obwohl Glauser es sich hätte leisten können, in feinen Hotels zu schlafen, zog er es vor, die Nächte unter freiem Himmel zu verbringen. «Sonst hätte ich mich ja geschniegelt anziehen müssen.»
Ein anderes Hobby, Bogenschiessen, passt zu seinen Instinkten als «Waldläufer und Jäger». Glauser besitzt zehn traditionelle Bogen und schiesst damit in einem Klub in Wichtrach. Diese Faszination teil er mit seiner Partnerin, der Korbflechterin Therese Leutwyler. «Wir schiessen nicht mit diesen Hightech-Geräten – das ist ja keine Herausforderung.» Dass er auch gut zielen kann, bewies Glauser, als er auf der Jagd in Österreich eine Wildsau mit der Armbrust erlegte. Bei dieser Vielseitigkeit erstaunt es wenig, dass sich Bruno Glauser auch für die grossen Fragen des Lebens interessiert. Er beschäftigt sich mit Spiritualität, Parapsychologie und hat selber gependelt. Er hat sich in Astrologie und Numerologie ausbilden, mittels Hypnose rückführen lassen und studiert die Thesen des Physikers Stephen Hawkins. «Wir könnten jetzt stundenlang darüber philosophieren, ob Holz eine intelligente Potenz hat», sagt Glauser, der in seinen Häusern möglichst viel Holz einsetzt und sie immer nach Bäumen benennt. Auf seinen Reisen hat er seine Fragen Schamanen oder einem buddhistischen Abt gestellt. Abschliessende Antworten hat er nicht gefunden. «Irgendwann rennt man halt immer gegen die Wand, die man nicht sprengen kann», sagt Bruno Glauser, und man könnte sich denken: Wenn es einem gelingen sollte – warum nicht diesem Professor Dumbledore? (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.03.2010, 09:22 Uhr
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