«Das Festival ist unser Lohn»
Sieben Kilometer Kabel haben Kaspar Langenegger und sein Team verlegt. (Bild: Stefan Anderegg)
Die meisten Festivalbesucher fragen sich nicht, wer wohl hinter all dieser Arbeit steckt, wenn sie am Postomaten Geld beziehen oder nachts den Weg in ihr Zelt finden. Was für die meisten Festivalbesucher selbstverständlich ist, ist für die vielen freiwilligen Helfer wochenlange Schwerstarbeit. Rund sieben Kilometer Grobverkabelung wird auf dem Gurten von Kaspar Langenegger und seinem Team verlegt. Während zehn Tagen vollbringt die Mannschaft Höchstleistungen.
Kaspar Langenegger wohnt seit vergangener Woche auf dem Gurten. Da die Arbeitszeiten oft bis zum Einbruch der Dunkelheit dauern, rentiert es nicht, in seine Wohnung in der Lorraine zurückzukehren. Gleich tun es ihm seine elf Kollegen. Ihr Bürocontainer, der zugleich ihr Hauptquartier ist, befindet sich in unmittelbarer Nähe der Zeltbühne. Im Büro hängen Strompläne sämtlicher Installationen, und eine Fotowand zeigt dem Gast Impressionen der Aufbauarbeiten. Tagsüber ist der Container ein Bienennest, und abends schlafen hier Kaspar Langenegger, der das Ressort Elektrik leitet, und sein Stellvertreter. Permanent erreichbar muss der 28-Jährige sein – und daher braucht er auch Ruhezeiten. Die Verantwortung, die er trägt, ist gross. Jederzeit vor und während des Festivals könnte ihn ein Kurzschluss oder ein anderes elektrisches Problem ins Dribbeln bringen. Im Normalfall melden sich die Standbesitzer, wenn sie noch mehr Licht benötigen, bei Stromausfällen oder wenn Generatoren ihren Geist aufgeben.
Teamwork – aber richtig
Für den gelernten Elektriker ist es das dritte Jahr, das er am Gurtenfestival mithilft. Zuerst war er als Elektriker tätig, seit diesem Jahr leitet er das Team. Seine Hauptbeschäftigung ist das Koordinieren und weniger das Selber-Hand-Anlegen. «An der frischen Luft zu sein und draussen zu arbeiten, ist für mich ein guter Ausgleich zu meiner herkömmlichen Anstellung, die sich hauptsächlich im Büro abspielt», erzählt der gebürtige Langnauer. Es sei ein schönes Gefühl, Teil eines grossen Projekts zu sein. Die anderen Teammitglieder kommen aus diversen Bereichen – vom Reisevogel bis zum Schauspieler findet man so einige Berufsgattungen, doch zwei Dinge haben sie gemeinsam: eine Ausbildung als Elektriker und die Liebe zum Gurtenfestival. «Was die Mitarbeit am Gurten speziell macht, ist, dass wir ein ganz starkes Team sind. Bei einem Notfall packen alle mit an, auch wenn es spät am Abend ist», strahlt Kaspar.
Ein ganz normaler Tag beginnt für den 28-Jährigen mit dem Erwachen im Schlafsack, danach streckt er seinen Kopf zum Container raus und hofft, dass die Sonne scheint. Regen mache alles komplizierter. Danach frühstückt er mit dem Team im Essenszelt, welches für die Verköstigung aller Helfer am Gurtenfestival aufgebaut wird. In der anschliessenden Sitzung werden Aufgaben verteilt, und der Tag vergeht rasch, nur noch unterbrochen vom Mittagessen, für das sich wiederum alle im Cateringzelt treffen.
Während seine Teamkameraden die ihnen zugeteilten Aufgaben erledigen, düst Kaspar mit einem Motorroller über die grosse, noch fast leere Matte und kontrolliert die Arbeiten. Überall entdeckt er angefangene Arbeiten oder neue Aufgaben. Dabei stellt er sich immer das aufgestellte Festival vor und fragt sich, wo mehr Licht nötig ist oder wo die Kabel geschützt werden müssen, damit es nicht zu Schwierigkeiten führt.
Am Abend todmüde
In der Woche des Festivals steigert sich die Geschäftigkeit der Elektriker noch einmal: Nach dem Abendessen führen sie die Aktion «Rock the Field» durch, zwei Fahrzeuge fahren vom Bürocontainer in entgegengesetzte Richtungen los, beladen mit je sechs Elektrikern. So fahren sie das Gelände ab und erledigen jede kleine Aufgabe, die sie beim Vorbeifahren entdecken.
Den wohlverdienten Feierabend geniessen sie auf ihrer mit Brettern gezimmerten Terrasse oder auf dem Aussichtsturm, der sich neben dem Restaurant befindet. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf das Gelände, das sich im Vorfeld des Festivals jeden Tag ein wenig verändert hat. Gemeinsam setzen sie sich hin, reden und gönnen sich ein Bier. Doch meist fallen sie todmüde ins Bett, denn sie wissen, dass sie am nächsten Tag wiederum harte Knochenarbeit erwartet. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.07.2010, 17:47 Uhr
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