Coiffeurtalk 6: Wer ist Léa Staub?
Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 28.06.2010
Video 1: Von Alufolie, Frühdienst und Menüs (Video: Andreas Seiler)
Video 2: Von Fisch, Lebenslauf und Freizeit
Video 3: Von Bruder-WG, Beziehung und Beweisen (Video: Andreas Seiler)
Video 4: Von Fotografieren, Tauchen und Rauchen (Video: Andreas Seiler)
Auf dem Weg in die Matte versuche ich, mir das unbekannte Gesicht des heutigen Coiffeurgesprächs vorzustellen: Ist sie jung mit einem Krauskopf? Wird ein alter, kurzgeschorener Banker dort sitzen? Oder gar eine Person mit einer Perücke? «Geng-wie-geng» lasse ich mich einfach überraschen, bereits das sechste Mal.
Blinzelnd trete ich durch die Glastür. Die Sonne funkelt durch die Fensterfront des Coiffeursalons am Mühleplatz. Sie sitzt auf dem gleichen, schön restaurierten Stuhl wie letztes Mal Manuela Schmid (siehe Berner Zeitung vom 18. Mai). Im Gegenlicht sind die Gesichtszüge kaum auszumachen, aber sie ist blond und bereits auftoupiert. Sie will sich Mèches machen und die Haare zu einer Sommerfrisur schneiden lassen. Zusätzlich soll eine Glanztönung das Blond neutralisieren, wie Coiffeuse Karin Flükiger ausführt, während sie beginnt, mit raschelnden Alu-Schnipseln silbrige Haarpäckchen zu kreieren. Dies alles kommt zur Sprache, bevor ich fragen kann, mit wem ich es zu tun habe: Sie heisst Léa Staub, ist 29 Jahre alt und seit kurzem Beizerin in der Berner Altstadt. Sie führt, zusammen mit einem Kollegen, das Restaurant «Mundart» an der Postgasse. Die beiden wechseln sich gegenseitig ab, eine Woche Früh-, die andere Spätdienst. So kommt es, dass die Bernerin heute bereits gearbeitet hat und einen freien Abend geniessen darf. Sie will sich zu Hause, zusammen mit ihrem Freund, etwas Einfaches kochen. Aufwändig koche sie höchstens, wenn sie Besuch habe, führt die Wirtin aus. Seit ein paar Monaten lebt sie mit ihrem Freund in einer Wohnung im Breitenrainquartier. Vorher wohnte die gelernte Rezeptionistin und Hotelfachfrau fünf Jahre mit ihrem vier Jahre älteren Bruder in einer WG, was schon sehr speziell gewesen sei. Sie habe sich mit ihrem Bruder immer sehr gut verstanden. «Es hat sich zufällig ergeben, dass wir beide gleichzeitig bei den Eltern auszogen. Für die Mutter und den Vater ist das damals wohl hart gewesen», überlegt sie, «beide Kinder auf ein Mal weg aus der Wohnung im Muristalden.»
Ich frage, welche Eigenschaften sie vom Mädchenalter ins Erwachsenenleben gerettet habe. «Mein fröhliches Wesen», antwortet sie lachend, «ich bin meistens guter Laune. Wenn mir mal etwas über die Leber kriecht, stellt mich ein gut gemeintes Wort oder ein Witz sofort wieder auf die Beine.» Wie sie so mit ihren grossen grau-blauen Augen vor mir sitzt, kann ich mir das bestens vorstellen. «Beneidenswert,» bemerke ich und sehe – mit der Videokamera einen Meter vor ihr sitzend – dass sie Kontaktlinsen trägt. Ist sie eitel, dass sie eine Brille trägt? Sie dementiert: «Ich habe eine Brille, trage sie allerdings nicht so gerne auf der Nase. Es ist viel bequemer mit Linsen.»
Eine Neuentdeckung für die Linsenträgerin ist das Tauchen. Sie leistete sich im letzten Jahr einen Tauchkurs in Aegypten. In bis zu 30 Metern Tiefe erforschte sie die Meereswelt und möchte nun noch besser fotografieren lernen: «Ich könnte endlich meine eigenen Unterwasseraufnahmen von den bunten Fischen machen.» Ob für diese Tätigkeit der Ausdruck «angefressen» angemessen sei, will ich von ihr wissen? «Ja, ich werde auf jeden Fall in meinen nächsten Ferien im November einen Ort aussuchen, an dem ich tauchen kann», meint sie, «wohin genau, das werden wir sehen.»
Und was sagt die Raucherin und Wirtin zum neuen Rauchverbot in den Restaurants? Sie selber würde nach dem Essen manchmal gerne eine Zigarette rauchen. Zudem entstehe seit der Einführung des Gesetzes mehr Unruhe an Tischen mit Rauchern. Hier würden Leute aufstehen und draussen rauchen gehen und dann wieder jemand vom Rauchen zurückkommen. Einen Vorteil gibt es jedoch: «Man schmeckt die verschiedenen Gerichte besser, weil der Gaumen sensibler ist.»
Mit bestem Dank an: Karin Flükiger, Claudia Tannhäuser und Corinne Williner von «Coiffure Hauptsache». Mehr Infos auf: www.hauptsache.be.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.05.2010, 16:55 Uhr
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