Coiffeurtalk 5: Wer ist Manuela Schmid?
Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 31.05.2010
Video 1: Von YB, SCB-Bar und grauen Haaren (Video: Andreas Seiler)
Video 2: Von Wohnen, Jäten, Katzen und Traumjob (Video: Andreas Seiler)
Video 3: Von Kinderwunsch und Elternhaus (Video: Andreas Seiler)
Video 4: Von Ausgang, Matte-Pesche und Facebook (Video: Andreas Seiler)
Serie
Gespräche beim Coiffeur
Alle zwei Wochen porträtiert
die Forum-Redaktion Menschen wie dich und mich bei einem spontanen Gespräch auf dem Coiffeurstuhl. Nicht nur das Leben der Porträtierten in seiner Fülle ist von Bedeutung, sondern auch Momentaufnahmen, die Gefühle beim Coiffeur, die Frisur, der Stil, die tägliche Form oder auch Freude und Probleme im Alltag – alles, was der befragten Person während des Talks so «über die Leber kriecht». Der ausführlichere Talk kann jeweils als Video angeschaut werden auf: www.coiffeur.bernerzeitung.ch. ase
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Ich dachte, ich könnte mich – da mit dem Velo unterwegs – vor dem Schwatz mit dem oder der Unbekannten kurz aufwärmen und trocknen. Im Laden von Karin Flükiger, Claudia Tannhäuser und Corinne Williner sitzen bereits drei Kundinnen. Wer von den Anwesenden wird wohl heute mit mir «talken»? Karin Flükiger weist auf eine junge Frau, geschätzte 30 Jahre alt, die auf einem lichtüberfluteten Stuhl nah am grossen Fenster sitzt.
Manuela Schmid, so heisst mein heutiges Gegenüber, wartet noch auf das Auswaschen ihrer gefärbten Haare. Genügend Zeit also, meine Kamera für sie und mich vorteilhaft zu positionieren. Mit einem Turban aus Frottee setzt sie sich kurze Zeit später vor mich hin. Film ab. Erste Frage: «Wie sind deine Pläne für den heutigen Tag?» «YB-Match», kommt die rasche Antwort der 32-Jährigen aus Schönbühl. Aha, ein waschechter YB-Fan also? «Nein, nur ein wenig. Ich wurde kurzfristig eingeladen. Diese Saison habe ich jedoch trotzdem einige Spiele gesehen», sinniert sie. Was ist denn an der YB-Mannschaft besonders? Gibt es einen YB-Spieler, der ihr speziell gefällt? «Nein, nein, nein!», erhalte ich vehement zur Antwort. Fussball gefalle ihr einfach. Sie finde es lustig und wolle die Mannschaft jetzt, wo sie vielleicht Meister werde (Anm. der Redaktion: Das Gespräch fand am 5.Mai statt), einfach unterstützen.
Um ihren Kopf herum wird bereits emsig mit Kamm und Schere hantiert. Die Bauerntochter aus dem Emmental, finde ich heraus, ist in Bern als Versicherungssachbearbeiterin tätig und wohnt mit ihrem Freund in einer Wohnung in Schönbühl. Für ihren Job in Bern pendelt sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Auto sei ihr zu teuer und sie brauche etwa gleich viel Zeit, um zur Arbeit zu fahren: «Ich habe mein Auto schon vor langer Zeit verkauft.» Die Versicherungsbranche gefällt ihr. Sie geht nach dem Haarschnitt ohne Probleme wieder in den «Stollen». Trotzdem überlegt sie sich, ob sie noch bleiben oder etwas ganz anderes machen will. Was genau, weiss sie nicht: «Büroarbeit, auf jeden Fall. Aber mit einer Aufgabe, bei der ich mehr mit Leuten zu tun habe.» Beim SCB steht sie hobbymässig hinter der Bar. Dies sei ein toller Ausgleich zu ihrem Büroalltag. «Also nicht YB-, sondern SCB-Fan?», frage ich. «Ja, ja, schon eher. Man identifiziert sich halt mit dem Umfeld, wenn man hinter der VIP-Bar steht», führt sie aus. Was die Matchbesucher denn so am liebsten bei ihr bestellen? «Bier und «Schümli-Pflümli», meint sie. Die Männer trinken sicher mehr Bier; «Schümli-Pflümli» sei wegen der wärmenden Wirkung auch bei Frauen beliebt.
Ihre Haare werden gekämmt; eine Strähne fällt ihr ins Gesicht. Ein Zeichen, sich nach den Frisurwünschen von Manuela Schmid zu erkundigen. «Einfach die Spitzen schneiden, das reicht mir», meint die Kundin. (So einfach, wie hier gesagt, wird sie allerdings später von der Coiffeuse nicht ins Büro entlassen – siehe Video Nr.4.) «Und ich musste die Haare färben, weil sie bereits ein wenig grau werden.» Für sie sei das nicht schlimm. Es zeige aber, dass man älter werde. Sie ist jedoch jung genug, um mit einem eigenen Profil bei Facebook dabei zu sein: «Ich habe vielleicht 250–300 Freunde, aber die kenne ich alle», beantwortet sie meine Frage nach einem für viele Benützer wichtigen Kriterium in dieser Internetgemeinde. Sie betont jedoch, dass ihr diese Anzahl nicht so viel bedeute. Sie sei im Übrigen einfach so reingerutscht, weil viele Freunde dabei seien. Lustig finde sie die Statusmeldungen anderer, selber schreibe sie selten solche Texte ins Netz. Aber ein Mal pro Tag ist Manuela Schmid auf jeden Fall auf Facebook – mit ihrem Handy.
Eine Stunde ist vorüber. Der Fotograf wartet. Die Haare sind kunstvoll und wetterresistent drapiert: «Speziell für den bestimmt regenreichen YB-Match-Besuch am Abend», so die Coiffeuse.
Da platzt jemand herein und grüsst die «Mädchen» von «Coiffure Hauptsache» gut gelaunt. Wer den letzten Coiffeurtalk mitverfolgt hat, wird wissen, wer das ist. Eine kleine Hilfe gefällig? Der Mann mit dem «Schnurrepullover».
Mit bestem Dank an: Karin Flükiger, Claudia Tannhäuser und Corinne Williner vom Coiffure «Hauptsache». Mehr Infos auf: www.hauptsache.be
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.05.2010, 18:04 Uhr
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