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Coiffeurtalk 2: Wer ist Christoph Herren?

Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 19.05.2010

Dieses Mal sitzt ein Er auf dem Coiffeurstuhl, das wusste ich bereits vorher. Das sind aber alle Informationen, die ich erhalten habe. Ansonsten hat Melanie Clerc, Teilhaberin des Coiffure Studio 7 in Bern, ihre Wahl erneut alleine getroffen. Gespannt trete ich durch die Tür des Coiffeursalons am Berner Zibelegässli.

Von der Frisur zum Beruf / Video: Andreas Seiler

Info-Box


Teil 2: Weisheitszähne und Einbrecher


Teil 3: Dusch-WC und Kinderwunsch


Teil 4: Stallarbeit und Vorher-Nachher


Gespräche beim Coiffeur
Alle zwei Wochen porträtiert die Forum-Redaktion Menschen wie dich und mich bei einem spontanen Gespräch auf dem Coiffeurstuhl. Nicht nur das Leben der Porträtierten in seiner Fülle ist von Bedeutung, sondern auch Momentaufnahmen. Die Gefühle beim Coiffeur, die Frisur, der Stil, die tägliche Form oder auch Freude und Probleme im Alltag – alles, was der befragten Person während des Talks so «über die Leber kriecht». Der ausführlichere Talk kann jeweils als Video angeschaut werden auf: www.coiffeur.bernerzeitung.ch

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Ein gross gewachsener Mann um die dreissig kommt mir entgegen. Das könnte er sein, mein neuer Kandidat für den Coiffeurstuhl, und ja, er ist es. Er heisst Christoph Herren und sieht in meinen Augen eigentlich nicht so aus, als ob er zum Coiffeur müsste. Die mit Gel «aufgespitzte» Tolle auf seinem Kopf sieht noch adrett aus. «Was soll hier bloss geschnitten werden?», geht mir durch den Kopf.

Auf dem Coiffeurstuhl sitzend, beantwortet Christoph Herren diese Frage. Ganz wichtig sei ihm, meint der heutige Coiffeurstuhl-Gesprächspartner, dass das Morgenritual des Frisurenstylings wenig Zeit brauche. Das sei im Alltag einfach praktischer. Die Haare sind für den 36-Jährigen bereits «viel zu lang». Jetzt sei er sicher schon zwei Monate nicht bei Melanie gewesen. Deshalb müsse jetzt endlich gekürzt werden. Sagt es und sinkt – bereits mit gewaschenen Haaren – wohlig in den Coiffeurstuhl zurück. In seinen Gesichtszügen zeigt sich der bereits laufenden Videokamera weder Nervosität noch Verlegenheit. Auf diese Natürlichkeit angesprochen, meint er: «Ich bin, wie ich bin.»

Im Verlauf des Gesprächs erahne ich, woher dieser Mann seine unkomplizierte Art hat: Seine Kindheit hat er in Juchlishaus verbracht, auf dem Land, als Sohn eines Bauern. Einer seiner drei Brüder hat nun diesen Hof übernommen. Die Eltern sind, wie es traditionell üblich ist, in das umgebaute Stöckli neben dem Bauernhaus gezogen. Eine glückliche Kindheit habe er erlebt, inmitten von Natur und zahlreichen Tieren. Welches denn sein Lieblingstier gewesen sei, will ich von Christoph Herren wissen. Er kann sich nicht so recht festlegen. Der Hund vielleicht? Da hätten sie leider einige gehabt. Leider? Da sie neben einer viel befahrenen Strasse gewohnt hätten, sei der eine oder andere Vierbeiner überfahren worden, denn sie hätten die Hunde aus Tierliebe nie an eine Kette binden wollen.

Vor dem Coiffeurbesuch ist Christoph Herren kurz für einen Sprung im Geschäft an der Eigerstrasse gewesen. Als Leiter einer Berner Filiale für Dusch-WCs ist er zu 100 Prozent beruflich eingespannt. Zu diesem Job ist er durch einen Kollegen gekommen. Selbstständig zu sein wäre schon ein «anderes Gefühl». Ansonsten sei er glücklich und er empfinde diesen Job als Herausforderung. Diese Dusch-WCs seien im Übrigen eine gute Sache: «einen Sprutz Wasser – und du bist sauber und frisch», meint er. Früher hat er als Heizungs- und Sanitärinstallateur auf dem Bau gearbeitet und sich durch das Heben des einen oder anderen schweren Teils den Rücken verletzt. Nun arbeitet er diszipliniert jeden Morgen am Aufbau seiner Rückenmuskulatur. So wie es ihm der Physiotherapeut ans Herz gelegt hat. Denn er will im Sommer mit Kitesurfen beginnen, und dazu braucht es eine funktionstüchtige Wirbelsäule. Mit einem selber umgebauten Bus wollen er und seine langjährige Freundin die Seen und Meere mit diesem windigen Sport unsicher machen. Die beiden wohnen übrigens in Ostermundigen, schon lange, aber nicht mehr lange, denn es sei bei ihnen bereits dreimal eingebrochen worden. Das sei genug. Sie suchen nun eine Wohnung oder ein Haus auf dem Lande und möchten in der Zukunft eine Familie gründen. Ob der Nachwuchs eher ein Mädchen oder ein Junge sein soll? Christoph Herren: «Egal, Hauptsache gesund!»

Übrigens: Vor zwei Wochen durfte die erste Gesprächspartnerin, Kathrin von Gunten, nach dem Coifferbesuch in eine wohltuende Massage. Für Christoph Herren sieht der Rest des Tages mit einem Termin beim Zahnarzt weniger wohlig aus: Ihm werden am Nachmittag drei Weisheitszähne auf einmal gezogen.

Mit bestem Dank an: Susanna Eicher und Melanie Clerc, Coiffure Studio 7 GmbH, Bern. Mehr Infos dazu auf: www.studio7.ch

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.05.2010, 12:28 Uhr

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