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Auf den Spuren von Mark Twain

Von Christian Werder. Aktualisiert am 20.06.2010

Samuel L. Clemens aus Missouri (USA) hat es Albert Locher aus Schönbühl angetan. Locher ist fasziniert von Clemens’ Romanen und dessen Geschichte. Und: Er hat zwei Bücher über ihn geschrieben – über Mark Twain.

Engagierter Schweizer Rechercheur: Albert Locher (mit Mark-Twain-T-Shirt) hat unzählige Informationen über Mark Twain gesammelt und zwei Bücher über die Europareisen des amerikanischen Bestsellerautors verfasst.

Christian Pfander

Mark-Twain-Jahr

175.Geburtstag, 100.Todestag

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain wurde vor 175 Jahren, am 30.November 1835, in Missouri geboren. Er starb vor 100 Jahren, am 21.April 1910, in Connecticut. Twain hiess eigentlich Samuel Langhorne Clemens, schrieb seine Romane aber unter dem Pseudonym Mark Twain. Weltberühmt wurde er insbesondere durch die Geschichten über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Zu seinen wichtigsten Werken gehört ebenfalls «Der Prinz und der Bettelknabe». Mark Twain arbeitete nicht nur als Schriftsteller, er war auch Journalist und Steuermann auf einem Mississippi-Dampfer. Twains grosse Leidenschaft war das Reisen. Er bereiste nicht nur die USA, sondern auch Europa regelmässig.

Zur Person

Albert Locher (72) arbeitete bis zu seiner Pensionierung unter anderem 33 Jahre lang in der Buchhaltung der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. Er ist verheiratet und zweifacher Vater. Reisen und Literatur ganz allgemein sind seine grossen Leidenschaften.

Die Bücher: «Mark Twain entdeckt Europa» (227 Seiten) und «Mit Mark Twain durch Europa» (276 Seiten) können in Buchhandlungen oder direkt beim Autor bestellt werden (Albert Locher, Mattenweg 15, 3322 Schönbühl; aelocher@bluewin.ch).

An der Wand im kleinen Büro seiner Wohnung in Schönbühl hängen verschiedene Schwarzweissfotos von Samuel Langhorne Clemens – besser bekannt unter dem Pseudonym Mark Twain (1835–1910). Im Büchergestell dahinter sind die Werke des amerikanischen Autors aufgereiht. In Deutsch und Englisch. Zudem Dutzende Nachschlagewerke zu Leben und Wirken des geistigen Vaters von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. «Und mit Tom Sawyer hat alles angefangen», erinnert sich der 72-jährige Albert Locher.

«Spannend und kritisch»

1947 wars. Albert Locher erhielt zu Ostern von seinem Vater das Buch «Die Abenteuer von Tom Sawyer». Das Feuer war entfacht. «Ich war begeistert von der Geschichte. Ich fand sie lustig, interessant, spannend, aber auch kritisch.» Zwei Jahre später kamen die «Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn» hinzu. «Auch die Sklaverei war bei Mark Twain ja immer ein Thema. Und man spürte, wie er sich dagegen auflehnte. Das beeindruckte mich zusätzlich.»

Doch es dauerte noch einige Jahre, bis Albert Locher sich ernsthafter und intensiver mit der Person Mark Twain befassen sollte.

Reise nach New York

Dies begann schliesslich 1963. Locher, unterdessen ausgebildeter Kaufmann, reiste kurz entschlossen nach New York. «Ich konnte kaum Englisch und hatte dort auch keinen Job für mich organisiert. Aber ich wollte einfach mal raus in die weite Welt.» Bei der damaligen Swissair fand er schliesslich eine Anstellung beim Bodenpersonal. Und während seiner Streifzüge in der US-Metropole entdeckte er, dass in den Buchhandlungen und Antiquariaten überall Mark-Twain-Werke, Biografien und Briefsammlungen auflagen. Je besser sein Englisch wurde, desto mehr konnte er sich mit den Schriften auseinandersetzen.

In den kommenden Jahren begann er mit vollem Engagement, Informationen über Mark Twain zusammenzutragen. Knüpfte Kontakte zu Universitäten und Antiquariaten im In- und Ausland, recherchierte die Routen des viel gereisten Schriftstellers, heftete sich an dessen Fersen in Europa, in Italien, Deutschland, Österreich, England, Schweden, der Schweiz und so weiter. Und er hielt sich auch mehrere Male in den USA auf.

«Ja, es hat mich irgendwann wirklich reingezogen. Mark Twain war eine faszinierende Persönlichkeit. Und immer fand ich neue Facetten seines Lebens.» Albert Locher holt einen dicken Ordner hervor. Korrespondenz mit Informanten aus der ganzen Welt. Professoren, Museumsleitern, Publizisten.

Recherchen niederschreiben

Mitte der Neunzigerjahre schliesslich begann Albert Locher, seine Recherchen niederzuschreiben. Er beschränkte sich dabei auf die zahlreichen Europareisen von Mark Twain. Beschrieb die Routen, die Aufenthaltsorte und zahlreiche Episoden, die sich während der Reiserei zugetragen haben. Das erste gebundene Buch erschien 2005 unter dem Titel «Mark Twain entdeckt Europa». Der Nachfolgeband «Mit Mark Twain durch Europa» ist seit 2007 erhältlich. «Wissen Sie, viele Bücher habe ich nicht verkauft. Aber das macht mir nichts aus. Denn eigentlich habe ich sie einfach aus Freude heraus und für mich selber geschrieben.» Ein drittes Buch ist nicht in Planung. Doch verfasste der Rentner unterdessen einige Fachartikel zum Thema Mark Twain – und er hält auch hin und wieder einen Vortrag. Albert Locher betrachtet in seinem Büro eine Fotografie von Mark Twain und lächelt. «Ich beschäftige mich auch heute noch jeden Tag etwa eine Stunde mit Samuel Langhorne Clemens.»

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.06.2010, 17:03 Uhr

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