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Auf den Schnauz gekommen

Von Christian Werder. Aktualisiert am 25.05.2010

«Schnauz- und Bart-Fotograf»: So stehts geschrieben auf der Visitenkarte von Max Knecht. Hunderte Schnauz- und Bartträger hat der Bäcker-Konditor in seiner Freizeit aufgenommen. Eine fürwahr spezielle Passion.

1/5 Der Schnauz- und Bartfotograf
Kein Schnauzträger: «Schnauz- und Bartfotograf» Max Knecht auf der Pirsch mit Kamera, Rucksack und Dokumentationsmappe.Stadt Bern - Schnauz und Bart Fotograf Max Knecht.
Bild: Christian Pfander

Auf den Schnauz gekommen

   

Person und Projekt

Max Knecht (45) wuchs als jüngstes von zwölf Geschwistern in Gsteigwiler im Berner Oberland auf. Der gelernte Bäcker-Konditor wohnt im Berner Weissenbühlquartier und arbeitet in einer Bäckerei in Bern-Bethlehem. Neben dem Fotografieren gehören das Sammeln von Filmplakaten, von Schallplatten und CDs zu den Steckenpferden des Single-Mannes. Mit seinen Schnauz- und Bart-Fotografien ist ein Bildband in Planung. Und Knechts erste Ausstellung startet am 5. Juli in Bregenz. Die Ausstellung – er präsentiert 15 Porträts von Polizisten – kam zustande, nachdem Knecht in Bregenz zwei Polizeibeamte fotografieren durfte und die zuständigen Behörden mit seinem Projekt begeistern konnte.

Ausstellung: «Uniformträger mit Schnauz» in der Galerie des Landespolizeikommandos Vorarlberg in Bregenz, 5. Juli bis 1. Oktober 2010.

Die Sony-Digitalkamera hat er umgehängt, der Rucksack sitzt. Und obwohl es an diesem Tag nicht wirklich sommerlich warm ist, trägt er bloss ein kurzärmliges Hemd. Wir befinden uns beim Berner Bahnhof. Hier hält Max Knecht hin und wieder Ausschau nach einem möglichen neuen Sujet für sein stattliches Fotoarchiv. Hier lässt er sich hin und wieder inspirieren. Und auf der Suche ist der 45-Jährige nicht etwa nach architektonischen Impressionen oder originellen Momentaufnahmen. Freizeitfotograf Knecht ist immer auf der Suche nach – Männern mit Schnauz und Bart. Als «Schnauz- und Bart-Fotograf» bezeichnet er sich denn auch auf seiner grünen Visitenkarte, und das nicht bloss zum Scherz.

Über 500 Porträts hat der Berner schweizweit in den letzten Jahren geschossen: Bauern, Polizisten, Chauffeure, Jodler, Manager, Gewerbler, Arbeiter, Akademiker. Meist unbekannte Gesichter. Aber auch Prominente wie etwa Politiker Hugo Fasel oder Gastrolegende Oskar «Chrüter-Oski» Marti bekam er vor die Linse. Und allen ist – selbstverständlich – etwas gemeinsam: Ihr Gesicht ziert ein Schnauz, ein Bart oder beides.

Keine Schnappschüsse

«Das sind keine Schnappschüsse», betont Max Knecht. «Jede einzelne Person wurde von mir zuvor kontaktiert und präzise informiert, worum es geht.» Informiert darüber, dass er schlicht und einfach Schnauz- und Bartträger ablichte, das Bildmaterial archiviere und einen Teil der Fotos für einen Bildband und eventuell für eine Ausstellung verwenden wolle (siehe Kasten). «Nie würde ich Fotos missbräuchlich verwenden oder etwa ins Internet stellen. Ich besitze nicht mal einen Computer. Ich lasse das ganze Bildmaterial in einem Fachgeschäft herstellen.»

In zahlreichen Ämtern und öffentlichen Einrichtungen kennt man den «Schnauz-Fotografen» unterdessen bestens. Schliesslich fragt er dort immer auf dem Dienstweg nach, ob er jemanden aus dieser oder jener Abteilung fotografieren dürfe. In der Regel gibts keine Probleme – und die Porträtierten, die jeweils einen Abzug erhalten, freuen sich darüber.

Die Fotografierten danken

«Werter Herr Knecht. Für Ihr aufwändiges Hobby als Bart- und Schnauzfotograf wünsche ich Ihnen viele haarige Gesichter. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute, viel «Gfröits» und selbstverständlich gute Gesundheit. Nur wer nach vorne schaut, kommt zum Ziel», schrieb ihm beispielsweise ein Berner Kantonspolizist. Und der CEO der Pilatus Flugwerke AG in Stans, Oskar J. Schwenk, kam gar ins Dichten: «Max macht Art mit meinem Bart / Ich wünsch ihm Mut, er macht das gut / Und beim Barte des Propheten, alles ohne Moneten.» Solche Dokumente trägt Max Knecht immer fein säuberlich geordnet als Anschauungsmaterial in einer Mappe mit sich herum, wenn es darum geht, neue Gesichter für sein Projekt zu finden. «Ganz spontan auf die Strasse gehe ich allerdings nur noch selten. Der Erfolg ist weitaus grösser, wenn ich vorher recherchiere und mich telefonisch oder schriftlich anmelde.» Recherchiert hat er in jüngster Zeit ebenfalls in Österreich und Deutschland.

«Kreative Therapie»

Doch, Hand aufs Herz: Wie kommt jemand auf die Idee, sich als Freizeitfotograf auf Schnauz- und Bartträger zu spezialisieren? «Schnäuze und Bärte vermitteln für mich so etwas wie Vertrauen, Wärme und Individualität», sinniert Max Knecht. Etwas, das er in seiner Kindheit oft vermisst habe und das er heute mit dem Fotografieren auch «irgendwie» verarbeite und thematisiere. «Man kann durchaus sagen: Das ist eine kreative Art Therapie für mich.» Eine Therapie, die ihm und seinen Protagonisten sichtlich Spass macht. Und eine Geschichte schliesslich, über die er ein Buch schreiben will.

Themawechsel: Warum trägt Max Knecht eigentlich selber weder Bart noch Schnauz? «Hououou, diese Frage!» Der Bäcker-Konditor lacht.» Wissen Sie, mich würde ein Bart oder Schnauz an mir schlicht stören. Wenn ich mich mal zwei Tage nicht rasiere, fühle ich mich einfach nicht wohl!»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 25.05.2010, 08:35 Uhr

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