«Auf dem Longboard spüre ich Freiheit»
Von Christian Werder. Aktualisiert am 01.06.2010
Cooles Cruisen: Felix Spuhler mit seinem Longboard
unterwegs in der Berner Innenstadt. (Bild: Urs Baumann)
An der Arbeit: Der gelernte Polymechaniker stellt im Keller seines Elternhauses in Aarberg ein Longboard her. (Bild: Urs Baumann)
Longboard
Flippige Randsportart
In der Schweiz gibt es schätzungsweise 300 aktive Longboarder. Diese zelebrieren mit ihren überlangen Rollbrettern (bis 150 Zentimeter und teils über fünf Kilo schwer) unter anderem die Disziplinen Downhill (mit Höchstgeschwindigkeiten bis 100 Stundenkilometern auf einer in der Regel teilgesperrten Bergstrasse oder einer kaum befahrenen Nebenstrasse), Carven (wie beim Skifahren – jedoch auf einer Strassenpiste) sowie Cruisen (cooles Herumkurven auch in städtischen Gebieten). Die flippige Randsportart Longboarding kommt ursprünglich aus den USA und aus Kanada.
Ausführliche Infos gibts unter www.longboardforum.ch.
Elegant schwingt sich Felix Spuhler bei seinem Besuch in Bern durch die Aarbergergasse (Nomen est omen: Der bald 21-Jährige wohnt schliesslich im schmucken Seeländer Städtchen Aarberg). Mal links, mal rechts. Fussgängern weicht er mit grossem Bogen aus – ganz im Gegensatz zu zwei militanten Velo-Rambos hinter ihm, die eine betagte Frau beinahe über den Haufen fahren. Er kurvt zur Laube hin, lächelt, hält an und steigt vom Rollbrett. Pardon: vom Longboard. Denn mit einem gewöhnlichen Kunststoff- oder Holzbrettli mit Rollen dran hat sein Gerät nicht viel zu tun.
Felix Spuhlers liebste Fortbewegungsmittel sind die bis zu einem Meter fünfzig langen Hightechbretter, hergestellt aus einem Mix von verschiedenen Hölzern, Bambus, Glas- und Kohlefasern. Damit lässt es sich einerseits gemütlich und unaufgeregt in der Gegend herumcruisen, andererseits kann man mit bis zu 100 Stundenkilometern eine steile Nebenstrasse runterbolzen. Theoretisch wenigstens. Denn die Polizei ist unterdessen vorgewarnt und an berüchtigten Strecken präsent, um gefährliche Aktionen zu verhindern.
«Will nichts beweisen»
«Also, ich bin echt keiner, der mit dem Brett herumrast. Ich bin ein Bummler», versichert der ausgebildete Polymechaniker. «Für mich ist einzig der Spass wichtig. Ich will mit dem Longboardfahren niemandem etwas beweisen.» Obwohl der junge Mann kein leichtsinniger Heisssporn auf seinem Gerät ist, kommts auch bei ihm immer wieder zu Schürfungen und Prellungen. «Ganz klar, Umfallen gehört zu diesem Sport.» Helm und – je nach Schwierigkeitsgrad der Strecke – eine halbe Töffausrüstung ebenfalls. Doch manchmal, wie heute in Bern, genügen ihm auch Jeans und Karohemd. «Das Risiko hier ist ja extrem klein.»
Drei Jahre Training
Vor fünf Jahren packte Felix Spuhler das Virus. Longboard. «Ich sah Videos und informierte mich im Internet darüber. Im Ausland ist die Szene ja viel grösser als in der Schweiz.» Er kaufte sich ein Board und begann in der Gegend um Aarberg herum zu trainieren. Hier einen Hügel runter, dort eine Gerade zum nächsten Ziel. «Wer Snowboard fährt, der hat beim Longboarden auf Rädern einen enormen Vorteil. Da ich selber nicht snowboarde, musste ich alle Bewegungen von Grund auf lernen», erzählt er. Drei Jahre habe er gebraucht, bis er sein heutiges Niveau erreicht habe. Wochenende für Wochenende auf dem Board.
Und dann begann er, selber solche Geräte herzustellen. Im Keller bei seinen Eltern. 15 Stück sind es unterdessen. Verkauft hat er sie direkt an Kollegen. Jeweils für etwa 200 Franken. «Verdient habe ich nichts dabei. Aber darum geht es auch gar nicht. Da steckt einfach Herzblut und Freude an der Sache dahinter.» Herzblut. «Auf dem Longboard spüre ich totale Freiheit.» Felix Spuhler lächelt wieder. Und freut sich bereits aufs nächste Cruisen über einen Weg, ein Strässchen, durch eine Gasse. Irgendwo. (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.05.2010, 16:36 Uhr
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