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«Ich freue mich wie ein kleines Kind auf den Gigathlon»

Von Miriam Schild. Aktualisiert am 09.07.2010

Der Spiezer Gerhard Germann wird am Wochen-ende als Einzelkämpfer am Gigathlon starten, obwohl er noch vor zehn Jahren nicht sehr sportlich war. Am meisten freut er sich auf die Wechselzone in seinem Heimatdorf.

Der Single-Gigathlet Gerhard Germann in der Spiezer Bucht: Er wird morgen mit der Startnummer 194 den Wettkampf in Angriff nehmen. Auf die Wechselzone in Spiez freut er sich speziell.

Der Single-Gigathlet Gerhard Germann in der Spiezer Bucht: Er wird morgen mit der Startnummer 194 den Wettkampf in Angriff nehmen. Auf die Wechselzone in Spiez freut er sich speziell.
Bild: Miriam Schild

Am Freitag treffen die Athleten ein

Am 9. Juli 2010 zwischen 14 und 21 Uhr findet auf dem Waffenplatz Thun das Check-in für den Gigathlon statt. Erwartet werden rund 5600 Teilnehmer. Der Startschuss zum zweitägigen Event fällt morgen gleichenorts in aller Früh – um 5 Uhr für die Singles und Couples, um 6 Uhr für die Fünferteams. In der morgigen Ausgabe dieser Zeitung erfahren Sie, wann und wo die Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg durch Thun und das Oberland anzutreffen sind.

«Vor rund zehn Jahren nahm ich schlecht vorbereitet am Grand Prix Bern teil. Während des Laufs litt ich derart, dass ich mir schwor, entweder seriös zu trainieren oder nie mehr an einem Wettkampf mitzumachen», erinnert sich Gerhard Germann aus Spiez. Er entschied sich für Ersteres, trat dem Lauftreff Spiez bei und bestritt regelmässig Laufwettkämpfe. Im Team startete der 34-Jährige am Inferno-Triathlon und am Gigathlon. Als Trainingsgerät kaufte sich Germann ein Rennvelo und fand Gefallen an den Ausfahrten in freier Natur.

«Bei einer Gruppenteilnahme am Inferno bekam ich Lust, den Triathlon alleine zu bewältigen.» Doch der damals 30-Jährige konnte kaum schwimmen: «Ich musste es mit viel Aufwand erlernen. Der Single-Inferno als Ziel half mir dabei, nicht aufzugeben.»

2008 nahm Germann erstmals als Single am Inferno teil, auch 2009 startete er wieder alleine – für 2010 suchte er nun eine weitere Herausforderung, «denn ich bin ehrgeizig und setze mir immer neue Ziele». Nächstes Wochenende wird Germann einer von 255 Athleten sein, die den Gigathlon als Einzelkämpfer in Angriff nehmen. Er wird in zwei Tagen 452 Kilometer sowie 7940 Höhenmeter mit Muskelkraft bewältigen.

«Den definitiven Entschluss, am Gigathlon teilzunehmen, fasste ich, nachdem ich erfuhr, dass der Event im Oberland stattfinden wird. Die Strecke führt fast an meinem Wohnhaus vorbei.» Seither trainiere er intensiver denn je, zwischen 15 und 25 Stunden pro Woche, aufgeteilt auf die Gigathlon-Disziplinen Velo, Bike, Laufen, Inline und Schwimmen. «Jede der Wettkampfstrecken bin ich zur Vorbereitung abgelaufen», sagt Germann. Nicht nur das Gelände, sondern auch seinen Körper habe er durch das Training gut kennen gelernt. «Ich kann mich genau einschätzen. Das ist wichtig, damit ich meine Kräfte richtig einteile.»

Wie aber ist ein so enormer zeitlicher Aufwand mit Familie und Beruf zu vereinbaren? «Ich bin Lokomotivführer bei der BLS. Auch wir spürten die Krise und hatten weniger zu tun. Ich konnte meine vielen Überstunden kompensieren», erklärt Germann. Meist trainiere er tagsüber, dies sei dank unregelmässigen Arbeitszeiten möglich. Zum Glück seien auch seine Frau und die 11-jährige Tochter sehr sportlich. «In unserer Freizeit sind wir oft in Bewegung.»Trotz allem brauche es viel Verständnis von der Familie.

Klassierung zweitrangig

Germanns Frau und eine Trainingskollegin werden ihn auch während des Wettkampfs unterstützen, denn der Gigathlon ist nicht zuletzt logistisch eine grosse Herausforderung. Jeder Teilnehmer braucht zwei Betreuer, die in den Wechselzonen mit der neuen Ausrüstung bereit sind. Der finanzielle Aufwand für Geräte und Kleidung ist gewaltig. «Meine Ausstattung hat einen Wert von x Tausend Franken.»

Die Ausrüstung ist komplett, kontrolliert und geputzt; die Aufgaben der Helfer sind organisiert, und der Athlet fühlt sich fit. «Ich bin bereit. Wie ein kleines Kind freue ich mich auf diesen Event, wirklich wahnsinnig!», sagt Germann. Die Klassierung stehe für ihn im Hintergrund, er wolle einfach unfallfrei ins Ziel kommen. «Wenn alles gut läuft, kann ich mit dem 50. bis 100.Rang rechnen.» Am schönsten werde es sein, in der Spiezer Bucht auf die Disziplin Laufen zu wechseln und von Bekannten angefeuert zu werden. «Das wird ein extrem emotionaler Moment und wird mich für den letzten Abschnitt motivieren.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 09.07.2010, 11:31 Uhr

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