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Gigathlon als Geburtstagsgeschenk

Von Ursula Grütter. Aktualisiert am 13.07.2010

Am Sonntagabend lief Single-Athlet Philipp Senn aus Gümligen als Tagesletzter durchs Ziel. Er wurde in Thun wie ein Sieger gefeiert. Das entspricht ganz der Philosophie des Gigathlons: Alle, die mitmachen, gelten als Helden.

Einer ist immer der Letzte: Philipp Senn wird im Ziel gefeiert.

Einer ist immer der Letzte: Philipp Senn wird im Ziel gefeiert.
Bild: Markus Grunder

«Einer kam als Erster ins Ziel, einer kommt als Letzter»: Das ist die lakonische Feststellung von Philipp Senn, als er kurz nach zehn Uhr abends die Ziellinie laufend überquert. Der Mann aus Gümligen strahlt und lässt sich zünftig feiern. Viele Helfer, Sportler und die Organisatoren haben sich eingefunden, um Senn auf den letzten Metern des Gigathlons zuzujubeln und ihm zu applaudieren. Der Single-Athlet ist der Held der Stunde, und der Beifall gilt irgendwie auch für alle, die in den letzten zwei Tagen in sportlicher Hinsicht alles gegeben haben.

Wunderbare Atmosphäre

Hinter Senn liegen 452 Kilometer und 7940 Höhenmeter Anstrengung sowie zwei Stürze. Die zerschürften Arme streckt er dennoch siegesgewiss in die Höhe. Er hat es geschafft und ist überglücklich. «Es war schön, aber nahrhaft», konstatiert er, während er mit Champagner bespritzt wird. Senn erzählt von seinen Erlebnissen auf der Strecke und wie es war, als plötzlich das «Schlusslichtvelo» auftauchte und anschliessend der «Besenwagen». Er hat sich noch schnell mit dem Wagen fotografieren lassen, als Erinnerung. Dass er als Letzter durchs Ziel lief, macht ihm nichts aus. «Es war eine gute Zeit, gute Leute, eine gute Veranstaltung», sagt er. Das sei ebenso wichtig wie das Resultat.

Doch wer ist der Mann, der am Sonntagabend frenetisch gefeiert wird? Senn arbeitet bei Postfinance und sitzt oft am Schreibtisch. Sein 80-Prozent-Pensum lässt ihm die nötige Freiheit, um Sport treiben zu können. Als häufiges Training könne man es aber nicht bezeichnen, relativiert Senn. Für ihn ist Sport vor allem ein Spassfaktor und ein Ausgleich zu seinem Beruf. «Die Teilnahme am Gigathlon sei auch ein Geburtstagsgeschenk. «Ich werde dieses Jahr 50-jährig», verrät er. Seine Frau habe ihm zudem noch viel Verständnis und Zeit während der Trainingsphase geschenkt. Überhaupt sei der Gigathlon nur dank seinem engagierten Supporter-Team möglich gewesen. «Auch auf der Strecke habe ich immer wieder sehr nette und hilfsbereite Sportler angetroffen», erklärt Senn. Viele Gruppen hätten ihn mitfahren lassen. «Der Freundschaftsgeist war stark zu spüren», so Senn.

Grenzerfahrung

Zurzeit spürt er aber noch etwas anderes: seine Muskeln und seine Erschöpfung. Am Samstag sei noch alles super gelaufen, «aber am Sonntagmorgen war schon das Aufstehen schwierig», so Senn. Ihm habe einfach alles wehgetan, und das sei tagsüber nicht wirklich besser geworden. Das gehört für Senn aber zum Gigathlon: «Ich wollte ausloten, was ich noch kann und wo meine Grenzen wirklich liegen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.07.2010, 09:33 Uhr

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