Ein Jungspund am Gigathlon
Von Kurt Nützi, Stefan Aerni. Aktualisiert am 09.07.2010
Selbst seine Freunde nennen ihn «Spinner»: Der erst 22-jährige Jannick Knuchel aus Wiedlisbach startet morgen am Gigathlon – als einer der jüngsten Einzelstarter überhaupt.
Diese Woche war nur noch leichtes Training angesagt. Ein bisschen inlineskaten, ein bisschen Velo fahren. «Und viel essen», schmunzelt Jannick Knuchel. Denn diesen Samstag/Sonntag verbrennt der junge Sportler so viele Kalorien wie Normalverbraucher in einer Woche. Er startet in Thun am Gigathlon, jener gigantischen Ausdauerprüfung zu Fuss, auf Skates, dem Bike und im Wasser.
Es ist nicht das erste Mal, dass der 1,89 Meter grosse und 77 Kilo leichte Modellathlet an diesem Event mitmacht; dreimal war er schon in einem Team dabei, hatte dabei allerdings nur Teilstrecken zu absolvieren. Heuer aber startet er erstmals in der Kategorie Single – das heisst, er hat die gesamte Distanz von 452 Kilometern alleine zurückzulegen.
Auf der Suche der Grenzen
Als sich der Marketingfachmann vor rund einem Jahr entschloss, den Gigathlon alleine zu bestreiten, reagierte sein Umfeld unterschiedlich. Seine Eltern, beides ebenfalls aktive Sportler, ermunterten und unterstützten ihn. Anders seine Kollegen: «Du spinnst ein wenig!», meinten die meisten kopfschüttelnd.
Jannick Knuchel begründet seine Teilnahme am Extremevent mit der Suche nach der grossen Herausforderung: «Bin ich fähig, 452 Kilometer alleine durchzustehen? Meistere ich die 7940 Höhenmeter?» Die Organisatoren in Thun sagten dem Oberaargauer, dass er mit seinen 22 Jahren zu den zwei, drei Jüngsten gehöre im rund 200-köpfigen Feld der Einzelstarter.
Ein Single der anderen Art
Jedem Single, wie die Einzelstarter heissen, müssen zwei Supporter zur Seite stehen, um am ersten Tag das Bike von Langnau nach Thun zu transportieren. Jannick Knuchel wählte dafür Jonas Aeschlimann und Michael Lanz aus – zwei seiner wenigen Wiedlisbacher Kollegen, die ihn offensichtlich nicht für einen «Spinner» halten Die beiden Helfer haben in den jeweiligen Wechselzonen das Material für die fünf Disziplinen Inlineskating, Bike, Rennvelo, Schwimmen und Laufen bereitzustellen – und wenn nötig zu reparieren. Sie werden ihrem Athleten in den Wechselzonen aber auch die Beine massieren und lockern. Jannick Knuchels Eltern ihrerseits werden sich auf den Streckenabschnitten um die Verpflegung ihres Sohnes kümmern.
Respekt vor der Distanz
Knuchel bezeichnet das Laufen und das Inlineskating als seine stärksten Disziplinen. Trotzdem hat er gerade am ersten Tag grossen Respekt vor der 31 Kilometer langen Laufstrecke von Interlaken nach Thun, weil das Laufen erst am Schluss des Wettkampftags kommt. Am zweiten Tag fürchtet sich der Wiedlisbacher am meisten vor der 128 Kilometer langen Rennvelostrecke von Thun nach Zweisimmen und der Überwindung von 1900 Höhenmetern.
Normalerweise betätigt sich Jannick Knuchel im örtlichen Turnverein sportlich. Zusätzlich bestreitet er im Team UOV Wiedlisbach regionale Läufe. Wirklich gezielt begann er für den Gigathlon erst letzten Winter zu trainieren. Fünf bis sechs Mal pro Woche investierte er ein bis zwei Stunden.
Gigathlet Knuchel und sein Helferduo aus Wiedlisbach fahren heute Freitag mit einem alten VW-Bus via Langnau Richtung Thun los. Während seine Wasserträger Aeschlimann und Lanz im Zelt schlafen, übernachtet Knuchel im VW-Bus, den er zu einem kleinen Wohnmobil umgebaut hat.
Morgen um fünf gehts los
Am Samstag um fünf Uhr früh beginnt das grosse Abenteuer mit der 39 Kilometer langen Inline-Strecke von Thun nach Langnau.
Nach insgesamt 26 bis 30 Wettkampfstunden hofft Jannick Knuchel, schliesslich gesund im Ziel auf der Thuner Allmend anzukommen. Eine Streckenbesichtigung nahm er bewusst nicht vor: «Ich will mich nicht bereits vorher von den Anforderungen einschüchtern lassen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.07.2010, 10:02 Uhr
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