Zuger Bodycheck als Lehrstück

Gregor Poletti plädiert dafür, dass Zivilcourage in den Lehrplan aufgenommen wird.

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An einem Donnerstag in der Stadt Zug: Ein junger Mann bittet eine 87-jährige Frau, ihm Münz zu wechseln. Als die Seniorin ihr Portemonnaie öffnet, klaut er ihr 200 Franken. Ein 29-jähriger Eishockeyprofi, der zufällig in der Nähe ist, nimmt die Verfolgung des Mannes auf. Er kann den Dieb dingfest machen. Die Polizei verfasst am 23. März eine Mitteilung, die wie folgt endet: «Für seinen ­Bodycheck gab es für den Eishockeyprofi für einmal keine Zweiminutenstrafe, sondern ein Lob von der Zuger Polizei.»

Ein Lob gebührt auch der Zuger Polizei: Sie weiss nicht nur, wie man eine originelle Polizeimeldung verfasst, die auf grosse Beachtung stösst. Sie schafft es, mit dem Dank an die Adresse des jungen Mannes eine Haltung zu propagieren, die immer seltener wird: die Zivilcourage. Tatsächlich kann man diese nicht verordnen, sondern lediglich dazu animieren. Und das ist bitter nötig, denn Untersuchungen zeigen eine besorgniserregende Entwicklung: Je grösser eine Stadt, umso kleiner die Bereitschaft, uneigennützig anderen in einer Bedrohungssituation zu helfen. Angesichts der Verstädterung der Schweiz keine schönen Aussichten.

Die Stadt Zürich hat inzwischen ein Zivilcourage-Manual verfasst. Dieses dient in den Schulen als Grundlage für eine Reihe von Unterrichtslektionen. Die Verfasserin des Manuals, die Fachstelle für Gewaltprävention, ist der Ansicht, dass man Zivilcourage trainieren kann. So gibt es nebst Hintergrundlektionen zu Konflikttypen und Eskalationsstufen Lektionen zu Mobbing, Pöbelei, Anmache oder Schlägerei.

Eigentlich sollten solche Unterrichtseinheiten längst zum Schulalltag in allen Kantonen gehören. Denn nicht jeder ist ein Eishockeyprofi, der weiss, wie man seinen Körper in Ex­tremsituationen einsetzt, und auch noch ein hoch entwickeltes Gemeinschaftsgefühl hat. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.04.2017, 10:50 Uhr

Politik, Geschichte, Provinz und Grenzen: Darum geht es samstags in den «Echtjetzt?»-Kolumnen von Peter Meier, Stefan von Bergen, Gregor Poletti und Andreas Saurer.

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