Zeitaktuell, ­spannend, beklemmend

Jürg Mosimann, der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern, hat für die BZ den «Tatort» geschaut.

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen  Abständen zum «Tatort» zu Wort.

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort. Bild: Susanne Keller

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Das war nichts für schwache Nerven. Für einige Zuschauer bot die gestrige «Tatort»-Folge «Sturm» vielleicht sogar zu viel des Bösen. Dafür sorgten Regisseur Richard Huber und die Drehbuchautoren Martin Eigler und Sönke Lars Neuwöhner.

Ursprünglich stand der Film am Neujahrstag auf dem Programm – knapp zwei Wochen nach dem Terrorakt auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Zu nah am realen Geschehen, fand das deutsche Fernsehen. Darum wurde die Ausstrahlung auf Ostermontag verschoben. «Aus Rücksicht auf die Opfer, ihre Angehörigen und das Empfinden von Zuschauern», liess der Sender verlauten.

Bei allem Verständnis für diese Geisteshaltung erlaube ich mir dennoch die Frage: Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für einen solchen Film gekommen, wenn der Terror ohnehin allgegenwärtig ist? Zeitaktuell war die gestrige Geschichte auf jeden Fall – der kürzlich erfolgte Bombenanschlag auf den Bus der Fussballmannschaft von Borussia Dortmund lässt grüssen.

«Sturm» machte deutlich, wie terroristische Kreise die politische Aktualität zum eigenen Vorteil nutzen. Zur Geldbeschaffung für den «heiligen Krieg» war den selbst ernannten Gotteskriegern jedes Mittel recht. Sie scheuten nicht vor Polizistenmord, Drohungen und Kidnapping zurück. Dem Vater der Entführten, einem zum Islam konvertierten Banker, schnallten sie einen Sprengstoffgürtel um und zwangen ihn so zur Überweisung von Lösegeldern in arabische Länder.

Die Kommissare Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) sowie ihr schon fast legendär durchgeknallt wirkender Chef Peter Faber (Jörg Hartmann) kamen bei der Jagd nach den Tätern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Zwei Filmminuten vor Schluss schien die Polizei aber alles im Griff zu haben. Täter gefasst, Geisel befreit. Alles paletti?

Falsch! Das schockierende und beklemmende Ende hat einmal mehr gezeigt, dass das Gefühl von völliger Sicherheit ein Trugbild ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.04.2017, 07:37 Uhr

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