Um Leben und Todlachen

Comedyserien sind im besten Fall lustig. Eingespieltes Gelächter ist es nie.

Eingespieltes Gelächter: Nichts zu lachen für die Serien-Zuschauer.

Eingespieltes Gelächter: Nichts zu lachen für die Serien-Zuschauer. Bild: zvg

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Als Kind durchstöberte ich regelmässig das Telefonbuch nach lustigen Namen (ja, ich meine Sie, Familie Hösli!), las die Berufsbezeichnungen und stellte mir vor, was diese Leute für ein Leben führten. Heute, mit all den digitalen Verzeichnissen, muss man gezielt suchen, da entfällt der ganze Spass. Und Berufsbezeichnungen stehen im Telefonbuch 2.0 meist auch keine mehr. Dabei würde es mich schon interessieren, wie sich jemand nennt, der ein Google-Street-View-Auto fährt. Oder einer, der für Geld lacht. Sie wissen schon: Jene Menschen, die auf Kommando grölen und sich dabei für Serieneinspieler aufzeichnen lassen.

Mir ist schleierhaft, warum dieses Prinzip funktioniert. Finden Fernsehzuschauer eine Pointe tatsächlich witziger, wenn sie andere an besagter Stelle lachen hören? Wahrscheinlich schon, sonst würden Serienmacher gar nicht erst auf diesen Trick zurückgreifen. Andere setzen auf ein Live-Publikum, das zum Lachen animiert wird – sei es durch Gesten oder entsprechende Lichtsignale. Einige Macher übertreiben es dabei so masslos, als gings um Leben und Todlachen. Etwa die Produzenten der Sitcom «The Ranch» (Netflix). Da wird so viel gelacht, dass man gar nichts anderes mehr hören kann. Erst recht nicht die blassen Dialoge von Ashton Kutcher & Co:

Nicht einmal Comedyserien mit guten Drehbuchautoren üben sich in Mässigung: Bei «The Big Bang Theory» sind in der Pilotfolge nach jedem Atemzug Lacher zu hören – in allen anderen Episoden wurde der Kicherpegel immerhin so weit nach unten gedreht, dass man die Serie auch nach 22 Uhr ohne Kopfhörer schauen kann. Wer wissen möchte, die die Serie ganz ohne Lacher funktioniert, kann sich dieses Video mal reinziehen:

Wohl gut, dass die Lach-Produzenten und -Animateure im Telefonbuch nicht mehr so einfach zu finden sind. Sonst würde der eine oder andere Serienjunkie anrufen und sie als das beschimpfen, was sie sind: Spassbremsen!

«The Ranch» läuft auf Netflix. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.08.2016, 12:36 Uhr

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