Gebts mir bitte richtig!

Lucie Machac lotet Grenzen aus.

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Feministinnen stricken neuerdings. Sogenannte Pussyhats. Öffentlich. Und global. Echt jetzt. Am Weltfrauentag kämpften sie jedenfalls mit Stricknadeln und pinkfarbener Wolle für mehr Gleichberechtigung.

Wie rührend. Offenbar sollen Männer jetzt mehr stricken. Wie Frauen halt. Damit alle strickberechtigt sind. Also hopp, liebe Männer, raus aus euren einflussreichen Kaderpositionen, ran an die gute alte Wolle! Oder was war genau die Botschaft? Wenn Gleichstellung heute so aussieht, dachte ich mir, kann ich am Weltfrauentag genauso gut an den Genfer Auto-Salon. Autos und Frauen begaffen, für mehr Ebenbürtigkeit punkto Klischees von vorgestern.

Ich gebe es zu: Frauen auf Kühlerhauben finde ich durchaus sexy. Genauso wie Feministinnen übrigens, ausser wenn sie stricken. Deshalb war ich ziemlich enttäuscht, dass mich das Gleichstellungsgaffen am Auto-Salon genauso schnell langweilte wie früher das Stricken. Der Sex-Appeal der Autogirls war aber derart bieder, dass mir das zuständige Hirnareal einfach wegschlief. Lange Haare, bisschen Ausschnitt, etwas Bein, hohe Hacken. Gähn.

Und irgendwann kam mir der Gedanke: Wenn Frauen im 21. Jahrhundert tatsächlich noch Autos veredeln sollen, dann vergesst politische Korrektheit – und gebts mir bitte richtig! Oversize-Dominas in Lack und Leder? Ja! Ätherische Lolitas in einem betörenden Hauch von Nichts? Unbedingt! Kurzhaar-Lady-Gagas in verwegenen Glitzer-Outfits? Bloss keine Scheu!

Im Prinzip machen Rollen­klischees Spass – wenn man sie kühn inszeniert und mit (Selbst)ironie auffrischt. In ­diesem Sinne freue ich mich schon auf die reizenden ­Schnäbihüte, die Männer künftig an Do-it-yourself-Events aus Altmetall zusammenschweissen. Und dann nicht hellblau, sondern pink lackieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.03.2017, 13:58 Uhr

Politik, Geschichte, Provinz und Grenzen: Darum geht es samstags in den «Echtjetzt?»-Kolumnen von Lucie Machac, Peter Meier, Stefan von Bergen, Gregor Poletti und Andreas Saurer.

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