Agent Null-Null-Nix

Auch wenn die gehackten US-Politiker-Mails was anderes vermuten lassen: Spionieren ist gar nicht so einfach. Auch in Fernsehserien nicht.

Spionieren für Trottel: «Au service de la France».

Spionieren für Trottel: «Au service de la France».

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Kein Internetempfang. In meiner Verzweiflung versuche ich mich ins Wi-Fi-Netzwerk eines Kleidergeschäfts einzuloggen. Ich probiere alles: «passwort», «Passwort», «Passwort1», «Pa55wort1!» – nichts. In Anbetracht der Regelmässigkeit, mit der amerikanische Politikermails gehackt werden, habe ich mir das Ganze deutlich einfacher vorgestellt.

Dabei hätten mich schon all die Spionageserien stutzig machen sollen. Während James Bond im Kino alles leicht von der Hand geht, stolpert etwa André Merlaux (Hugo Becker) in der französischen Fernsehproduktion «Au service de la France» (2015, Arte) von einem internationalen Zwischenfall in den nächsten. Das ist nett, aber wirklich lustig ist die Retrosatire nur, wenn die Agenten Jacquard (Karim Barras) und Moulinier (Bruno Paviot) den Mund öffnen – und die politische Stimmung der Sechzigerjahre ad absurdum führen mit Sätzen wie «Die Deutschen hören ständig Opernmusik, das sind keine Menschen!» oder «Ihr könnt uns doch nicht einfach unseren Nazi wegnehmen, den haben wir gefangen.»

Hier die erste Episode, für alle, die Zeit haben:

Ebenfalls nicht geeignet für das Agentenleben ist Archer, der Protagonist der gleichnamigen amerikanischen Animationsserie (seit 2010, FX). Das sehen denn auch alle ein – ausser der Hauptfigur selbst. Sterling Archer (Stimme: H. Jon Benjamin), ein freischaffender Spion mit Entourage, ist ein überhebliches, chauvinistisches Arschloch, das versehentlich Staatsoberhäupter umnietet oder mit Kokain handelt. Auch hier sind es wiederum die Bonmots, die für Stimmung sorgen: «Wofür FBI steht? Ich hatte mal ein TShirt, auf dem stand ‹Female Body Instructor›», «Du hast einen schwarzen Astronauten getötet? Das ist, als hättest du ein Einhorn getötet!» oder: «Wenn ich jetzt mit trinken aufhöre, könnte mich der kumulierte Kater umbringen.»

Die besten Archer-Quotes im Zusammenschnitt:

An der Kasse des Kleidergeschäfts entdecke ich schliesslich ein prominent platziertes Schild, auf dem das Wi-Fi-Passwort prangt. Ich bin eindeutig nicht zur Spionin geeignet. Da hilft auch mein neuer Trenchcoat nicht.

Sind Sie zum Agent geeignet? Machen Sie auf Arte.tv den Test zur Serie! «Au service de la France»: eine Staffel, auf Netflix oder DVD (Arte). «Archer», bisher sieben Staffeln, auch auf Netflix oder DVD (Twentieth Century Fox). (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2016, 10:37 Uhr

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