Mord statt Frohsinn

Jürg Mosimann, der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern, hat für die BZ den «Tatort» geschaut.

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen  Abständen zum «Tatort» zu Wort.

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort. Bild: Susanne Keller

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In der Kölner Karnevalsgesellschaft «De jecke Aape» (Die verrückten Affen) herrschte im «Tatort – Tanzmariechen» dicke Luft. Hinter den farbenprächtigen Maskeraden und bei akrobatischen Showeinlagen der Tanztruppe war von Zusammenge­hörigkeit wenig bis nichts zu spüren. Im Gegenteil: Dauerstress, Mobbing und Neid bestimmten das Klima im Verein.

In Konkurrenz zu anderen Karnevalsvereinen steigerte sich der Leistungsdruck in der Tanzformation schier ins Unermess­liche. Zu allem Übel sorgte auch noch der lokale Klüngel mit seinem Geltungsdrang für heisse Köpfe. Und als wäre das nicht genug, tobte zwischen zwei Tänzerinnen auch noch ein Zickenkrieg um die begehrte Position des Tanzmariechens.

Für eine Akteurin war das alles zu viel; sie stürzte sich von der Rheinbrücke in den Tod. Mehr noch: Plötzlich lag die strenge Tanzlehrerin tot zwischen Kostümen und überlebensgrossen Karnevalsfiguren. Erschlagen, wie die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrend) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) unschwer feststellen konnten.

Und so wurde die Vorbereitung auf die när­rische Zeit zu einer todernsten und blutigen Angelegenheit. Wer oder was trieb den einstigen Star der Tanzgruppe in den Freitod? Wer beging den Mord an der Tanzlehrerin? Die Kommissare spielten ihre ganze Erfahrung und Routine aus und lösten den Fall auf unspektakuläre Weise. Tatverdächtige gab es ja nicht zuhauf, und die Tatmotive waren augenscheinlich.

Klar erkennbar war auch, dass sich Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Thomas Jauch eingehend mit dem knallharten Geschäft des Karnevals ausein­andergesetzt hatten. Heraus­gekommen ist ein Film, dessen Ausstrahlung im Hinblick auf den baldigen Start in die «fünfte Jahreszeit» gut getimt war, aber wenig Lustiges zu bieten hatte.

Dafür habe ich festgestellt, dass Kommissar Ballauf und ich etwas gemeinsam haben: Pappnasen und organisierter Frohsinn sind nicht unser Ding. Und seit Sonntagabend weiss ich auch, warum. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.02.2017, 07:44 Uhr

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