In Bern wiegen Prämien am schwersten

Die neuste Auswertung zeigt, wie sehr die Kantone bei den Prämienverbilligungen gespart haben – allen voran der Kanton Bern. Obwohl die Prämien hier ­speziell hoch sind, ist der ­Kanton bei den Verbilligungen speziell knausrig.

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Die Theorie ist wie immer ganz einfach: Die Grundversicherung wird hierzulande über Einheitsprämien finanziert, die nicht nach Einkommen abgestuft werden. Doch von Beginn an sah die Praxis anders aus. Bund und Kantone unterstützen «Personen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen» mit Prämienverbilligungen. Zurzeit erhalten rund 2,2 Millionen Personen solche Beiträge. Sprich: 27 Prozent aller Versicherten bezahlen nicht die ganze Prämie.

Der Bund untersucht alle vier Jahre, wie wirksam die Verbilligungen sind. Am Donnerstag hat er dazu neue Ergebnisse veröffentlicht, auf der Basis des Jahres 2014. Das Ergebnis ist durchzogen: Zwar sind die gesamten Ausgaben für Prämienverbilligungen seit der Einführung vor zwanzig Jahren schweizweit stärker gestiegen als die Prämien. Zwischen 1996 und 2016 wurde die Entlastung der Haushalte mit bescheidenen Einkommen ausgebaut.

Unrühmlicher Spitzenplatz

Anders fällt das Ergebnis aus, wenn man einen kürzeren Horizont wählt: Von 2010 bis 2014 sind die Ausgaben für Prämienverbilligungen deutlich weniger stark gestiegen als die Prämien. «Schuld» daran ist nicht der Bund, dessen Beiträge fix in Prozent der Gesundheitskosten definiert sind. Vielmehr haben die ­finanziell angeschlagenen Kantone bei den Prämienverbilligungen den Hebel angesetzt. Speziell weit ist dabei der Kanton Bern ­gegangen, was sich nun auch im neusten Bericht des Bundes niederschlägt.

Für alle Beispielhaushalte, welche die Autoren durchgerechnet haben, gehört die Prämienbelastung im Kanton Bern zu den höchsten im Land. Zum Teil hat Bern sogar die unrühm­liche Spitzenposition inne. So zahlt zum Beispiel eine vierköpfige Familie mit 70 000 Franken Bruttoeinkommen nirgends mehr für die Prämien als in Bern (siehe Bilderstrecke). Es gibt zwar Kantone wie Basel, in denen die ordentlichen Prämien höher sind als in Bern, sie unterstützen diese Familie aber viel grosszügiger. Wie zurückhaltend Bern ist, zeigt sich auch im Vergleich mit Zürich: Die «normale» Prämie ist in Zürich ähnlich hoch wie in Bern – nach Abzug der Verbilligung bezahlt die Familie in Zürich aber etwa 2000 Franken weniger.

Doch auch in Zürich ging die Unterstützung zurück: Nach Abzug der Verbilligung mussten die untersuchten Beispielhaushalte 13 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Prämien ausgeben. 2010 lag dieser Wert noch bei etwa 10 Prozent. Bern weist in diesem Vergleich mit mittlerweile 17 Prozent die höchste Belastung aller Kantone auf.

Die neue Studie untersucht auch, ob das offizielle «Sozialziel» des Bundes eingehalten wird. Dieses sieht vor, dass kein Haushalt mehr als 8 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Prämien ausgeben muss. Bei Haushalten mit Kindern sollten es nur 6 Prozent sein. Dieses Ziel wird fast flächen­deckend verfehlt. Haushalte mit tiefen Einkommen zahlen abgesehen von Zug in allen Kantonen mehr. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 15.01.2016, 06:32 Uhr)

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