Burgdorf

Die Mühle Dür steht für immer still

BurgdorfDie Hermann Dür AG hat die Sparte Müllerei an die Mühle Fraubrunnen verkauft. 6 von 20 Mitarbeiternhaben die Kündigung erhalten. Künftig konzentriert sich das Unternehmen in der Buchmatt auf Logistik, Wasserkraft und Lebensmittelhandel.

80 bis 100 verschiedene Mehlsorten wurden in der Mühle Dür in Burgdorf hergestellt: Jetzt hat Ökonom und Müllereitechniker Hermann Marc Dür den 1840 gegründeten Familienbetrieb
aus wirtschaftlichen Gründen und wegen schlechter Zukunftsaussichten verkauft.

80 bis 100 verschiedene Mehlsorten wurden in der Mühle Dür in Burgdorf hergestellt: Jetzt hat Ökonom und Müllereitechniker Hermann Marc Dür den 1840 gegründeten Familienbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen und wegen schlechter Zukunftsaussichten verkauft. Bild: Thomas Peter

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Eben erst hat die Burgdorfer Mühle Dür ihr 175-jähriges Bestehen gefeiert, doch jetzt ist Schluss. Die Hermann Dür AG hat die Sparte Müllerei an die Mühle Fraubrunnen, Hans Messer + Co. AG, verkauft. «Wir bedauern es sehr, dass wir diesen Schritt machen mussten. Froh sind wir jedoch, dass der Verkauf und die Übertragung der Sparte Müllerei unter geordneten Bedingungen abgewickelt werden können», erklärt Hermann Marc Dür, Verwaltungsratspräsident der Hermann Dür AG, gegenüber dieser Zeitung.

Zur Höhe des ­Verkaufs- beziehungsweise Kaufpreises haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. Fakt ist, dass 6 von 20 Mitarbeitern die Kündigung erhalten haben, 3 Angestellte würden von der Mühle Fraubrunnen übernommen. «Für soziale Härtefälle haben wir einen Fürsorgefonds, sodass gerade ältere Mitarbeiter nicht in ein Loch fallen werden», betont Dür. Die Lehrtochter könne ihre Ausbildung in der Mühle fertig machen.

Verschiedene Optionen

Bleibt die Frage: Warum entschied sich der Verwaltungsrat des Burgdorfer Familienunternehmens für den Verkauf der Sparte Müllerei? «Im Moment ist die Müllerei eine finanziell völlig uninteressante Branche, und die Zukunftsaussichten sind sehr schlecht», sagt Hermann Marc Dür. Mit einer Jahresproduktion von 3000 Tonnen Mehl gehöre die Brotgetreidemühle Dür in der Schweiz zu den mittelgrossen ­Betrieben und sei damit in einer unangenehmen Lage. Kleinst- sowie Grossbetriebe könnten dagegen wirtschaftlicher produzieren.

Der Verwaltungsrat habe diskutiert, ob die AG diversifiziert und die Mühle dann quersub­ventioniert, eine andere Mühle übernommen oder die eigene verkauft werden solle, erklärt Dür. Der ­ungeordnete Untergang – die Substanz aufbrauchen und am Schluss die ­Bilanz deponieren – sei nie eine Option gewesen, versichert der HSG-Absolvent.

Damit besteht die Hermann Dür AG noch aus den Sparten ­Logistik (Lagerhaus AG Buchmatt), Wasserenergie (Kleinwasserkraftwerke) und Lebensmittelhandel (Tradimo Burgdorf AG). «Diese drei Geschäftszweige können wir mit guten Zukunftsaussichten weiterbetreiben», ist Dür überzeugt.

«Für uns ist die Übernahme der Mühle Dür eine tolle Chance, weil wir dadurch die Auslastung unserer Anlagen erhöhen können», sagt Alexander Messer, Geschäftsführer der Mühle Fraubrunnen, Hans Messer + Co. AG. Damit könne er sein Unternehmen in Zukunft besser positionieren, und die Marktchancen würden auf ein stärkeres Fundament gestellt.

«Ein Glücksfall»

«Dass die Besitzerin der Mühle Dür an uns herantrat, ist ein Glücksfall und freute uns ausserordentlich», betont Messer. Er und Hermann Dür hätten beide ein hohes Mass an Qualitätsbewusstsein und würden auch etwa gleich ticken. Zur Frage, welchen Anteil die Jahresproduktion der Mühle Dür von 3000 Tonnen an jener der Mühle Fraubrunnen ausmache, macht Messer keine Angaben: «Beide Mühlen sind mittelgrosse Betriebe.»

Die Mühle Fraubrunnen wird seit 1840 – heute in der sechsten Generation – von der Familie Messer betrieben. Produziert werden Backmehle und Futtermittel. Der grösste Teil des für die Mehlproduktion benötigten Getreides stammt aus der Region und wird direkt ab Feld an die ­Getreidesammelstelle der Mühle angeliefert. Die bei der Mehlherstellung anfallenden Nebenprodukte werden für die Futterproduktion weiterverwendet.

Ebenfalls seit 1840 verarbeitete die Mühle Dür in Burgdorf Weizen, Roggen und Dinkel zu Dutzenden verschiedenen Mehlsorten und Schroten. Zu den Kunden gehörten Bäckereien, industrielle Betriebe, die Gastronomie sowie Private. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2017, 21:21 Uhr

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