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Eine Bahnfahrerin in der glitzernden Autowelt

Eine überzeugte Bahnfahrerin für einen Tag im Autosalon in Genf? Kann das gutgehen? Es kann.

Starke Motoren, protzende Männer, leicht bekleidete Frauen: So stellt sich der Laie den Genfer Autosalon vor. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Klischees treffen alle zu. Verwerflich und langweilig, denkt man. Doch die fremde Welt hat auch ihre faszinierende Seite. Spätestens wenn die von Fachwissen völlig unbefleckte Besucherin vor James Bonds Dienstwagen, einem Aston Martin, steht, klopft auch ihr Herz ein wenig schneller. So sieht das also in 3D aus! Wenn jetzt noch Daniel Craig im Wagen sässe, wäre der Anblick perfekt.

Ganz in der Nähe ist ein riesiger Rolls Royce. Der Geruch von neuem Leder steigt in die Nase. Die Versuchung, sich auf den hinteren Plätzen einzunisten und wie die Queen mit steifer Hand zu winken, ist übergross. Aber ohne persönlichen Chauffeur würde das doch nicht so viel Spass bereiten. Noch während des Überlegens wird die Zuschauerin weitergeschubst, das Gedränge ist gross, und die Temperatur in der Halle steigt.

Auf zur nächsten Station: Der Toyota gleich beim Eingang glänzt wie eine dunkelrote Weihnachtskugel. Hoffentlich haben sie wenigstens die Bremsen kontrolliert, denkt man unwillkürlich. Ebenfalls kitschig ist der jahrmarktsblaue Mercedes mit goldenen Verzierungen. «Teuer», scheint er zu schreien, «aber geschmacklos». Ein Auto wie geschaffen für einen Bad Boy. Es fehlen nur die Girls, die sich auf der Kühlerhaube räkeln.

Solche überlasziven Frauen gibt es in Genf nicht. Die vielen Hostessen lehnen sich eher keusch gegen die Karrosserien. Es sind elfenhafte Wesen von einschüchternder Schönheit, denen man am liebsten ein Sandwich in die Hand drücken würde. So dünn und bleich sind sie, dass die Angst gross ist, sie kippten gleich um. Vor allem auf diesen Schuhen! Zehn Zentimeter hohe Absätze, mindestens. Ist das nicht Folter? «Am ersten Tag geht es noch», lautet die Antwort. Und schon nimmt die Engelsgestalt eine neue Position ein für die vielen Fotografen. Wenn diese sich gerade nicht den Hostessen widmen, machen sie «den Leuenberger». Sie schnüffeln zwar nicht wie der Bundesrat in seiner legendären Pose an den Auspuffen, doch sie fotografieren die Wagen gerne von schräg unten. Das lässt die Autos imposanter wirken.

Es ist eine Welt wie vor 50 Jahren: Die Frauen sind zum Anschauen, aber Fragen beantworten die Männer. Wenn eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts hier zeigen will, dass sie über Fachwissen verfügt, dann muss sie schon einen unförmigen Überzieher tragen und lieber kein Make-up. So wie die Expertin am Stand von «Hispona Suiza».

Bei so viel männlicher Dominanz befällt einen die Paranoia. Plötzlich fällt auf, dass das Volvo-Logo dem Symbol für Männlichkeit entspricht. «Es ist auch das Symbol für das Element Eisen», erklärt die Hostess. «Es steht für Kraft und Stärke.» Gutes Aussehen und Kompetenz in einem: Man/Frau möchte sie umarmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.03.2010, 08:11 Uhr

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