Der Präsident und sein Panzer

Der Secret Service des Weissen Hauses ist für den sicheren Transport von Barack Obama zuständig. Um den Cadillac des Präsidenten ranken sich die Mythen.

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Amerikanische Präsidenten leben gefährlich. Schon Anfang 2007 häuften sich die Drohungen gegen Barack Obama. Seit der Kandidat zum neuen Präsidenten gewählt wurde, sind die Sicherheitsvorkehrungen noch grösser geworden.

Ein enormer Aufwand wird betrieben, um die Sicherheit des Präsidenten bei Reisen zu gewährleisten. Bei Staatsbesuchen im Ausland werden Tage vor der Ankunft auf verschiedenen Routen Dohlendeckel angeschweisst und neuralgische Punkte mit Personal des persönlichen Secret Service des Präsidenten überwacht. Erst im letzten Moment wird entschieden, auf welcher Strasse die Eskorte an ihr Ziel gelangen wird.

Die Limousine ist auch ein Panzer

35 Fahrzeuge gehören zur Kolonne, wenn der US-Präsident unterwegs ist. Das Staatsoberhaupt selbst ist in einem umgebauten Cadillac DTS unterwegs, dem «Cadillac One». Gegen fünf Tonnen soll die Limousine wiegen und mehr als sechs Meter lang sein. Im Fond kann der mächtigste Mann der Welt samt Entourage auf sechs mit dunkelblauem Leder bezogenen Sitzen beherbergt werden, ein 500 PS starker Motor bringt das schwer gepanzerte Vehikel auf Touren. Eine massive Bodenplatte aus einer Spezial-Legierung schützt die Insassen vor Minen und Granaten, zwölf Zentimeter dicke Türen und Panzerglasscheiben sollen auch Schüsse mit gröberem Geschütz abhalten können. Ob der Wagen allerdings auch Raketenbeschuss standhalten kann, wie verschiedene US-Medien meldeten, ist eher ungewiss. Praktisch jedes Detail über den Wagen gilt als Staatsgeheimnis. Notlauf-Pneus, eine Feuerlöschanlage und einen sich selbst abdichtenden Tank gelten bei Limousinen dieses Kalibers als Selbstverständlichkeit.

Konvoi aus Ersatzwagen und Anti-Terror-Einheiten

Bei Auslandreisen werden von der US Air Force zwei Exemplare der Limousine in das Gastland transportiert, die den Präsidenten nach seiner Ankunft mit der Air Force One ans Ziel bringen, sagt Donald Ensenat, Protokollchef des Weisses Hauses. «Wir benutzen nie ausländische Fahrzeuge.»

Die vorderste Hälfte des Konvois wird «Secure Package» genannt. Bei einer Attacke würde diese Gruppe den Präsidenten so schnell wie möglich in Sicherheit bringen, während die hintere Kolonne, die u.a. auch ein Ambulanz-Fahrzeug und schwer bewaffnete Anti-Terror-Einheiten umfasst, den Kampf gegen die Angreifer aufnehmen würde. Das vorderste und das hinterste Fahrzeug in der 35 Fahrzeuge umfassenden Eskorte ist mit Störsendern gegen ferngezündete Sprengsätze; Geräten zur Identifikation von Flugobjekten und Kameras ausgestattet. Direkt hinter dem Cadillac One fährt auch ein Geländewagen, in dessen Heck ein Agent mit Maschinengewehr postiert ist.

Der zweite Cadillac dient als Ersatzwagen, der zum Einsatz kommt, wenn das Auto mit dem präsidialen Siegel auf der Seite ausfallen sollte. Die nervösen Sicherheitskräfte machten das Ersatzfahrzeug bereits bereit, als der Cadillac One bei einem Besuch von Präsident Bush in Rom auf dem Weg vom Vatikan zur amerikanischen Botschaft auf offener Strasse stehen blieb. Fünf Minuten später konnte der Konvoi seinen Weg fortsetzen. Die letzten Meter zum schützenden Gebäude musste der Präsident aber doch noch zu Fuss zurücklegen – die Limousine passte nicht durchs stählerne Tor vor der Botschaft.

Die Serienversion der Präsidenten-Limousine ist käuflich

Fest steht, dass der Wagen, in dem Präsident Bush zu reisen pflegt, auf dem Cadillac DTS basiert. Das luxuriöseste Serienmodell der amerikanischen Nobelmarke ist beim Cadillac-Händler ihres Vertrauens nicht erhältlich. Der Wagen, der in der Serienversion 5,27 m lang ist und von einem 4,6l V8 angetrieben wird, ist nur per Direkt-Import aus den USA erhältlich. Bei der Garage Emil Frey in Basel ist der Wagen samt Transport, Abnahme und drei Jahren Versicherungsgarantie ab rund 90'000 Franken zu haben. Ob dabei ein Obama-Feeling entsteht ist noch ungewiss. Fast jeder neue Präsident bestellt bei Amtsantritt einen neuen Wagen. Und das Label «Bush’s State Car» dürfte zumindest in Europa nicht zu den verkaufsfördernden Argumenten für den Cadillac DTS gehören.

Ohnehin dürfte sich das Ambiente im Serien-DTS erheblich von dem im Cadillac One unterscheiden. Verschiedene Internet-Sites mutmassen, dass der Cadillac des «Commander in Chief», der stets von einem Adjutanten mit dem sagenumwobenen Atom-Köfferchen begleitet wird, über eine Nebelwerferanlage verfügen soll. Falls der Ausstieg unter normalen Umständen nicht mehr möglich sein sollte, können die schweren Türen weggesprengt werden. Und über ein weiteres Detail ranken sich die Spekulationen: Ganz wie James Bonds BMW 750i in «Der Morgen stirbt nie» soll auch der Cadillac One ferngesteuert aus der Gefahrenzone gelenkt werden können, wenn der Chauffeur dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Ob die Wahrheit um den Wagen je öffentlich wird, ist ungewiss: Seit der Clinton-Ära werden die Limousinen anders als ihre Vorgängermodelle keinem Museum überreicht, sondern verschrottet – aus Sicherheitsgründen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2008, 10:59 Uhr

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