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VW Polo: Der Kompakt-Golf

Er soll nicht nur der beste je von VW gebaute Kleinwagen sein, sondern wie der Golf eine eigene Klasse begründen. Tut der neue Polo das auch?

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Länger, breiter, flacher: Der Polo sieht in der neusten Generation deutlich bulliger und dynamischer aus.
Volkswagen

   

Kann das Zufall sein? Wenn die VW-Werksmannschaft VfL Wolfsburg ihren ersten Meistertitel ausgerechnet in Trikots mit Werbung für den Polo gewinnt. Wenn sich VW-Übervater Ferdinand Piëch bei der Jubelfeier in Wolfsburg – so wie am Samstag vor einer Woche – beim Fototermin neben «seinen» Stürmerstar Grafite (28 Tore in 34 Bundesligaspielen) stellt, Piëch mit grün-weissem Klubschal um den Hals, der Brasilianer im Polo-Leibchen. Und wenn sich Konzernchef Martin Winterkorn (fast) zur gleichen Zeit bei der Lancierung des neuen Kleinwagens auf Sardinien sinngemäss so zitieren lässt: «Wir haben auch den Polo zum Klassenbesten gemacht.»

Nach der Golf- nun die Polo-Klasse

Nein, ganz so zufällig ist das alles nicht. So wie die Spitzenfussballer von Volkswagen erstmals in der Vereinsgeschichte kommende Saison in der höchsten europäischen Liga, der Uefa Champions League, mitspielen werden, so wollen die Spitzenmanager von VW den neuen Polo der fünften Generation in der Klasse der Kleinwagen in die unumstrittene Spitzenposition hieven. In Wolfsburg habe man deshalb wirklich alles, so der Konzernchef wörtlich, unternommen, «einen VW zu schaffen, der das beispiellos erfolgreiche Konzept des Golfs in ein eigenständiges Segment transferiert – in die neue Polo-Klasse».

Und? Tut er das wirklich? Optisch auf jeden Fall. So kompromisslos, wie Chefdesigner Walter de Silva letzten Sommer die neue Formensprache von VW über den Golf VI definiert hat, nämlich über Schlichtheit und Gradlinigkeit, genauso kühl und perfekt kommt jetzt auch der kleine Bruder daher. Exakt definierte waagrechte Linien und Kanten prägen Front und Silhouette. Mit dem schmalen Grill und dem scharf geschnittenen Scheinwerferband à la Scirocco trägt nun auch der Polo das neue Familiengesicht. Und das steht ihm nicht weniger gut an als dem neuen (und alten) Leader der Golf-Klasse. Dem Golf eben.

Klimatisiertes Handschuhfach

Diese neue Qualitäten des Exterieurs setzen sich auch im Innern fort. Ebenso funktionales wie sportlich-elegantes Cockpit, griffiges Lederlenkrad, selbst die Nähte an den Sitzen verraten den angestrebten, hohen Qualitätsstandard, den Konzernchef Winterkorn so sehr herausstreicht. Es sind Ansprüche, denen man im Werk im spanischen Pamplona vorbildlich nachlebt. Dazu kommen eine ganze Reihe innovativer, praktischer Details: Das Handschuhfach etwa wird im neuen Polo von der Klimaautomatik gekühlt, es bietet Halter für den Kugelschreiber, für das Kleingeld zum Parkieren und, natürlich, auch für die Sonnenbrille, damit sie auf der Fahrt in die Sommerferien jederzeit griffbereit ist.

Apropos Ferienreise: Vorne reist man zu zweit auf den gut konturierten und straff gepolsterten Sitzen äusserst bequem, hinten wird es raummässig allerdings etwas knapper. Und kommt gar ein Fünfter hinzu, dann wird es richtig eng.

Länger, breiter, flacher

Denn in seinen Aussenmassen hat der Polo nur unwesentlich zugelegt: 5 Zentimeter in der Länge und 3 Zentimeter in der Breite. In der Höhe hingegen – und das hat Chefdesigner de Silva höchst persönlich durchgesetzt – hat man den Neuen um 14 Millimeter gekappt. Auch deshalb steht er jetzt so bullig und satt auf der Strasse – und so dynamisch fährt sich der kleine Wolfsburger mit den grossen Erwartungen auch. Nicht immer zwar, wenn man etwa auf die Dreizylinder-Versionen abstellt, aber in Zukunft wohl immer öfter. Und wenn auf Ende Jahr der Polo GTI kommt, der aus seinem 1,4 Liter TSI 170 PS schöpft, dann wohl erst recht. Und endgültig.

Bis es allerdings so weit ist, spielt VW seine Trümpfe bei der Motorisierung, die den neuen Polo auch bezüglich Umwelt zum Vorzeige-Modell und zum «best in class» machen soll, Zug um Zug aus. In der Schweiz startet der Polo am 9. Juli eher unaufgeregt mit drei kleinen Benzinern und einem Diesel-Aggregat mit einem Leistungsspektrum von 60 bis 85 PS. Respektabel sind allerdings schon hier die Verbrauchswerte: Für den 75 PS starken TDI nennt das Werk 4,2 Liter, der 85- PS-Benziner soll sich im Schnitt mit 5,9 Litern begnügen.

Spar-Champion kommt 2010

Wirklich ernst macht VW Ende Jahr, wenn der Polo mit dem aufgeladenen 4-Zylinder-Benzindirekteinspritzer startet. In Kombination mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG, auch ein Novum im Kleinwagen-Segment, soll der 105 PS starke 1.2 TSI lediglich 5,5 Liter verbrauchen, der Schadstoff-Ausstoss liegt bei 129 g/km. Auch ein Spitzenwert für einen immerhin 190 km/h schnellen Kleinwagen, der zudem den Spurt von 0 auf 100 km/h in weniger als zehn Sekunden schafft. Im Vergleich zum 1,6-Liter-Motor des Vorgängers konnte der Durchschnittsverbrauch damit um 1,2 Liter gesenkt werden, die Abgaswerte reduzierten sich analog um 30 g/km.

Zu Beginn des nächsten Jahres will VW mit dem Polo Blue-Motion dann definitiv den Spar-Champion stellen. Der 1,2-Liter-3-Zylinder TDI soll auf 100 Kilometer nur noch 3,3 Liter verbrauchen und nicht mehr als 87 Gramm CO2 ausstossen.

ESP kostet extra

Welches Potenzial aber generell in den modernen TDI-Motoren von Volkswagen steckt, soll schon diesen Spätsommer der 1,6-Liter-Vierzylinder-TDI beweisen, der ebenfalls in Verbindung mit dem neuen Blue-Motion-Paket nur 3,8 Liter verbrauchen und weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen soll – trotz einer Leistung von 90 PS! Laut VW gilt dieser Polo Blue-Motion zurzeit als der «sparsamste und emissionsärmste Fünfsitzer-Diesel der Welt».

Bei all diesen Superlativen – eine Einschränkung bleibt. Und das ausgerechnet für die Schweiz: Hierzulande gibt es das Auto, das dank seiner Überlegenheit in (fast) allen Belangen die Polo-Klasse zum Begriff machen soll, serienmässig nicht mit ESP. Wer auch bezüglich Sicherheit in der Champions League mitfahren will, muss zusätzlich zahlen. Schade!

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen VW Polo auf Einladung des Schweizer Importeurs Amag am 25./26. Mai auf Sardinien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2009, 12:52 Uhr

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