Mit Lach und Krach

Der F-Type Project 7 ist nicht nur ein aussergewöhnliches Topmodell, es soll auch eine Hommage an den legendären D-Type sein. Wir durften die ausverkaufte Rarität testen.

Eine Hutze hinter dem Fahrersitz, Spoilerwerk in Rennsportmanier und jede Menge Fahrspass: Der auf 250 Einheiten limitierte Jaguar F-Type Project 7 ist für das pure Erlebnis gemacht.

Eine Hutze hinter dem Fahrersitz, Spoilerwerk in Rennsportmanier und jede Menge Fahrspass: Der auf 250 Einheiten limitierte Jaguar F-Type Project 7 ist für das pure Erlebnis gemacht. Bild: zvg

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Mal ganz ehrlich: Etwas doof kommen wir uns schon vor. Auf der nächtlichen Heimfahrt von Luzern zieht es der Beifahrerin zu fest, und auch der Fahrer findet es ungemütlich – also halten wir am nächsten Rastplatz an, um das Verdeck zu montieren. Natürlich versammeln sich sogleich Schaulustige, schliesslich sieht man einen Jaguar F-Type Project 7 so gut wie nie in freier Wildbahn.

Also die beiden grossen Taschen aus dem winzigen Kofferraum geholt, dann aus diesen Taschen die einzelnen Verdeckteile gezerrt, diese irgendwie zusammengefummelt und dann unter Fluchen und Fingereinklemmen im Halbdunkel das Dach am Auto montiert. Nach mehreren Fehlversuchen klappte es dann tatsächlich, doch ohne Übung ist diese Prozedur nicht nur mühsam (und zuweilen schmerzhaft), sondern vor Zuschauern geradezu erniedrigend. Und Zuschauer hat dieses Auto immer.

Wie Trumps Frisur

Dieses klapprige Stoffmützchen erinnert nicht nur in seiner Form an die Frisur von Donald Trump, es erweckt in montiertem Zustand in etwa auch gleich viel Vertrauen wie der künftige US-Präsident. Dicht ist es nicht. Akustisch dämmt es kaum. In hohem Tempo flattert es bedrohlich. Und bei Tempo 190 km/h ist Schluss, sonst fliegt es davon. Ob Trumps Frisur bei diesem Tempo das gleiche Probleme hätte?

Überhaupt ist der Project 7 gewöhnungsbedürftig. Sein extravagantes Styling soll an den legendären D-Type erinnern. Genau wie dieser hat der Project 7 eine Hutze hinter dem Fahrersitz – wer Asymmetrie nicht mag, wird auch das nicht mögen. Hinzu kommt fettes Spoilerwerk aus Sichtkarbon, ein mächtiger Diffusor, eine auffällige Beklebung und ein nicht ganz ins Bild passen wollender Heckflügel. Kenner laufen dem Briten knipsend hinterher – auf den Nichtkenner könnte er auch wie eine nicht ganz gelungene Tuning-Bemühung wirken.

Egal, genug geschnödet, man muss den Project 7 als das sehen, was er ist: eine äusserst rare, auf 250 Einheiten limitierte, abgespeckte Topversion des F-Type. 85 Kilogramm wurden eingespart, unter anderem durch das Weglassen des elektrischen Verdecks. Hosenträgergurte sind vorhanden, im Alltag können sie aber elegant verstaut werden. Die Windschutzscheibe ist gut elf Millimeter flacher, es windet also ziemlich im Innern, weil auch auf ein Windschott verzichtet wurde. Auch Sonnenblenden gibt es nicht – das verzeiht man dem raren Briten aber gern.

Das Fahrwerk ist für die Rennstrecke ausgerichtet, aber auch auf dem Weg ins Büro ausreichend komfortabel. Die 575 PS des 5-Liter-Kompressor-V8 werden nicht wie beim SVR auf alle vier, sondern nur auf die Hinterräder gewuchtet – damit erhält der Project 7 eine andere Fahrcharakteristik. An der Vorderachse sorgen zudem härtere Federn und ein grösserer negativer Sturz für noch willigeres Einlenken. Das alles kann auf der Rennstrecke voll ausgekostet werden, im Strassenverkehr und besonders auf nassem Untergrund erfordert es Disziplin, wenn das ESP-Lämpchen nicht dauernd blicken soll. Und diese Stabilitätskontrolle schaltet man auf der Strasse besser nicht aus.

Fahren, fahren, fahren

Tempo 100 erreicht der aussergewöhnliche Jaguar übrigens in 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit (ohne Verdeck) beträgt 300 km/h – doch das sind nur Randnotizen im Vergleich zum Erlebnis. Der brachiale Krach, die Beschleunigung, das Lachen im Gesicht, der Wind im Cockpit – man kann die Wurzeln, den D-Type, spüren. Zumindest ein kleines bisschen.

Mit einem Basispreis von 186 000 Franken war der F-Type Project 7 vergleichsweise günstig zu haben. War, denn alle 250 Stück sind längst ausverkauft; in die Schweiz schafften es offiziell deren 19. Die Investition dürfte sich für die Besitzer gelohnt haben, denn ein Wertverlust ist nicht zu erwarten, im Gegenteil: Wer dieses Fahrzeug gebührend pflegt, dürfte damit Gewinn erzielen. Vorausgesetzt, man will sich je wieder von seinem Project 7 trennen. Denn hat man sich erst an seine Eigenheiten gewöhnt, will man darin nur noch fahren, fahren, fahren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.12.2016, 08:00 Uhr

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