Norwegen will Benziner verbieten

OsloNorwegens Transportbehörden wollen nach 2025 den Verkauf von benzin- und dieselgetriebenen Neuwagen zugunsten von Elektroautos verbieten. Die Chancen auf eine Umsetzung stehen trotz Kritik an den E-Autos gut.

Eine Reihe parkender Elektroautos in Oslo: Ab 2025 könnte dieses Bild von der Ausnahme zur Regel werden.

Eine Reihe parkender Elektroautos in Oslo: Ab 2025 könnte dieses Bild von der Ausnahme zur Regel werden. Bild: Imago

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Ein Land völlig ohne Benzin- und Dieselautos klingt auch heute noch wie ferne Zukunftsmusik. Doch in Norwegen könnte dies ab 2025 Wirklichkeit werden. Autohändlern soll es dann verboten werden, Neuwagen vom Personenkraftwagen bis zum Kleintransporter mit Benzin- oder Dieselantrieb an Privathaushalte und auch an Firmen, inklusive Taxiunternehmen, zu verkaufen.

Ausnahmen bilden lediglich schwerere Fahrzeuge. Dies zumindest sieht Norwegens «Nationaler Transportplan 2018–2029» vor. Der über 300 Seiten lange ­Bericht ist von den vier Landesbehörden für Strassen, Eisenbahn, Küsten und Flugplätze ­erstellt worden. Er soll die CO2-Emissionen des Transportsektors bis 2030 halbieren und Nor­wegen dabei helfen, bis 2050 ein CO2-neutrales Land zu werden.

Stark subventioniert

Im Frühling 2017 wird das Par­lament dazu Stellung nehmen. Aber die Chancen für eine Durchführung gelten als realistisch. «Analysen unserer Umwelt- und Transportbehörden indizieren, dass der Übergang vom Benzinauto zum Elektroauto dann realistisch ist, auch wenn noch Unsicherheiten bestehen», sagt Jan Lund, Chef für die strategische Planung beim staatlichen Strassenamt.

Ausgerechnet das rund 3,7 Millionen Fass Erdöl pro Tag fördernde Norwegen ist in nur vier Jahren zum Mekka der Elektroautos aufgestiegen. In keinem anderen Land rollen heute gemessen an der Einwohnerzahl so viele Stromautos. Die leisen Flitzer stellen rund ein Viertel aller Neuzulassungen dar.

Der Stromautoboom wurde mit Steuererleichterungen finanziert, die jährlich bis zu 4 Milliarden Kronen (460 Millionen Franken) gekostet haben. Zusätzlich ist der Kauf mehrwertsteuerfrei, und E-Auto-Besitzer haben Privilegien im Strassenverkehr. Sie dürfen Busspuren nutzen, kostenlos parken und sind von der Maut befreit. Eigentlich sollen viele der Subventionen bis 2018 wegfallen. Die Transportbehörden glauben, dass ihr Plan trotzdem durchführbar ist, indem ­andere Verbesserungen realisiert werden. So soll das Netz von Ladestationen ausgebaut werden.

Auch der technische Fortschritt soll den Übergang vom Benziner zum Elektroauto erleichtern. «Voraussichtlich werden sich bis 2025 die Preise und die Funktionsfähigkeit von Nullausstossautos, etwa in Bezug auf Batterieausdauer und Ladezeit, so weit verbessert haben, dass sie eher zur natürlichen ersten Wahl für Käufer werden. Dann können auch die teuren staatlichen Anreize verringert werden», sagt Lund. «Auch die erfolgreiche ­Einführung von Brennstoffzellenautos wird zum Übergang beitragen», so Lund.

E-Autos als Luxuswagen?

Es wird kritisiert, dass vor allem wohlhabende Grossstadtbewohner mit guter Nahverkehrsanbindung sich Elektroautos als zusätzlichen Luxus leisten. Nach Schätzungen haben über 90 Prozent aller norwegischen E-Auto-Besitzer noch einen konventionellen Wagen. Oft sind es diese Zweitwagen, welche die Osloer Busspuren verstopfen. Eine Studie des dortigen Nahverkehrsbetriebes hat ergeben, dass sich die Fahrzeit mit Bussen dadurch um 20 Prozent erhöht hat, was zu rund 8 Prozent weniger Buspassagieren geführt haben soll. «Der Umweltvorteil der Stromautos ist dabei, durch Nachteile aufgefressen zu werden», warnte Bard Norheim, Norwegens bekanntester Transportexperte, in der Zeitung «Aftenposten». (Berner Zeitung)

(Erstellt: 17.03.2016, 12:18 Uhr)

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