Putin stoppt Angriffe auf Aleppo und reist nach Berlin

Eine Feuerpause in der heftig umkämpften syrischen Stadt soll Zivilisten und auch «Extremisten» die Flucht ermöglichen. UNO-Helfer reagieren skeptisch.

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Syrien und Russland haben die Luftangriffe auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos zwei Tage vor der angekündigten Feuerpause eingestellt. Dies gebe Gelegenheit, Korridore vorzubereiten, über die Zivilisten und Aufständische die umkämpfte Stadt verlassen könnten, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag.

Rebellenvertreter lehnten einen Abzug aber kategorisch ab. Der Syrien-Krieg wird auch Gegenstand von Gesprächen zwischen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten François Hollande und Russlands Präsident Wladimir Putin am Mittwochabend in Berlin sein. Merkel warnte aber davor, diesbezüglich «Wunder» zu erwarten. Sie schloss Sanktionen gegen Russland wegen des Syrien-Kriegs nicht aus.

Beratungen über Ukraine

Eigentlicher Grund für die Zusammenkunft sind aber Beratungen der drei mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko über die Lage in der Ostukraine.

Seit Wochen bombardieren russische und syrische Kampfflugzeuge Ost-Aleppo, um die Rebellen zu vertreiben. Hunderte Zivilisten sind dabei getötet worden. Der Westen hat vor allem Russland deshalb scharf kritisiert. Merkel will im Gespräch mit Putin insbesondere Hilfe für die Zivilbevölkerung erreichen.

Rebellen: Abzug wäre Kapitulation

Die Angriffe auf Aleppo seien um 10.00 Uhr (09.00 Uhr MESZ) gestoppt worden, sagte der russische Verteidigungsminister Schoigu. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, nach heftigen Bombardements am frühen Morgen sei es ruhig geworden.

Demnach hielten aber die Kämpfe zwischen Rebellen und syrischen Soldaten in der Altstadt Aleppos an. Ferner gingen auch die Luftangriffe in der Region um Aleppo weiter.

Zwei Korridore für «Extremisten»

Geplant ist nach Schoigus Angaben die Einrichtung von sechs Routen, über die Zivilisten, Kranke und Verletzte sicher aus dem Kriegsgebiet gebracht werden sollen. Die «Extremisten» könnten mit ihren Waffen über zwei weitere Korridore ungehindert abziehen. Dazu würden die syrischen Truppen von der Front etwas zurückverlegt. Die eigentliche Feuerpause soll am Donnerstag für acht Stunden gelten.

Der Leiter der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, bezweifelte jedoch, dass die Menschen Korridore nutzen würden, die vom Regime und von Russland überwacht werden. «Sie wollen einen Korridor, der von den UNO überwacht wird, damit ein sicherer Abzug mit ihren Kindern gewährleistet wird», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Al-Qaida spielt keine Rolle

Zumindest zwei Rebellen-Gruppen schlossen einen Abzug aus. Dies käme einer Kapitulation gleich, sagte ein Sprecher der Fastakim-Gruppe in Aleppo.

Auch ein Befehlshaber der Islamistengruppe Ahrar al-Scham kündigte die Fortsetzung des Kampfes an. In Aleppo gebe es keine Terroristen. Die Rebellen in Ost-Aleppo haben wiederholt erklärt, mit Al-Qaida verbündete Gruppen spielten in dem von ihnen gehaltenen Stadtgebiet keine Rolle.

UNO: Zusicherung einer Seite ist zu wenig

Für die UNO ist es laut einem Sprecher nur möglich, in dem Gebiet aktiv zu werden, wenn alle Konfliktparteien ihre Waffen schweigen lassen. Bislang gebe es diese Sicherheitsgarantien nicht, sagte Jens Lärke, Sprecher des UNO-Koordinationsbüros für humanitäre Hilfe (OCHA) in Genf. Die Zusicherung nur von einer Seite reiche nicht aus. Er forderte zugleich eine Feuerpause über einen längeren Zeitraum.

Die Flucht von Zivilisten aus der Stadt sei nicht mit einer Evakuierung der Kranken und Verletzten durch UNO-Helfer gleichzusetzen, sagte Lärke. «Wir fordern weiterhin eine 48-stündige Pause.» UNO-Schätzungen zufolge sind im Ostteil von Aleppo 275'000 Zivilisten und 8000 Kämpfer der Rebellen eingeschlossen.

Fast alle Spitäler zerstört

Bei den syrisch-russischen Angriffen sind in den vergangenen Wochen die meisten Spitäler im Osten der Stadt zerstört worden. Nach UNO-Informationen wurden allein in der Zeit vom 23. September bis zum 8. Oktober 406 Menschen getötet und 1384 verletzt.

Russlands Verteidigungsminister Schoigu appellierte an jene Staaten, die Einfluss auf die Rebellen in Ost-Aleppo haben, deren Kommandanten zu überzeugen, die Waffen niederzulegen und die Stadt zu verlassen. In Genf würden Militärexperten am Mittwoch damit beginnen, eine Trennung zwischen Terroristen und der syrischen Opposition vorzunehmen. (ij/AFP/SDA)

Erstellt: 18.10.2016, 09:24 Uhr

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