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Wo es für Christen gefährlich ist

Von Michael Meier. Aktualisiert am 04.01.2011 180 Kommentare

Der Anschlag auf eine Kirche in Ägypten macht deutlich: In vielen muslimischen Ländern werden Christen verfolgt. Besonders dramatisch ist die Lage im Irak. Ursache ist der Hass der Muslime auf den Westen.

1/4 21 Tote und fast 100 Verletzte: Anschlag auf eine Kirche in Alexandria am Neujahrstag.
Bild: Keystone

   

Anmerkung der Redaktion

Dieser Hintergrund-Artikel wurde erstmals am 20. Oktober 2009 im «Tages-Anzeiger» publiziert. Aus Aktualitätsgründen wird er von Bernerzeitung.ch/Newsnet erneut publiziert.

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Anschlag auf Kirche in Alexandria

Anschlag auf Kirche in Alexandria
Bei dem Attentat auf eine koptische Kirche sind 21 Menschen ums Leben gekommen.

Plötzlich ist Christenverfolgung wieder ein Thema. Experten behaupten, dass noch nie in der Geschichte so viele Christen verfolgt worden sind wie heute. Schätzungsweise 200 Millionen – also jeder zehnte Christ – werden wegen ihres Glaubens diskriminiert: in Nordkorea von den kommunistischen Machthabern, in Indien von fundamentalistischen Hindus.

Vor allem in muslimischen Ländern wie Irak, Iran oder Jemen sind Menschenrechtsverletzungen offensichtlich. Seit dem 11. September 2001 und dem von US-Präsident Bush proklamierten «Krieg gegen den Terror» hat sich die Situation der Christen in vielen islamisch geprägten Ländern spürbar verschlechtert.

Christen litten im kalten Krieg

Damit vollzieht sich eine Art Paradigmenwechsel: Noch bis vor kurzem, bis zum Fall der Mauer, hatten Christen vor allem unter dem kommunistischen Staatsatheismus zu leiden. Auch in der Schweiz gründeten kalte Krieger wie die Pfarrer Eugen Voss oder Hansjörg Stückelberger Organisationen wie «Glaube in der Zweiten Welt» oder «Christian Solidarity International», um auf die bedrängten Christen hinter dem Eisernen Vorhang aufmerksam zu machen. Heute hat sich die Situation der Christen dort stark verbessert und in nach wie vor kommunistischen Ländern wie China, Vietnam oder Kuba ebenfalls merklich entspannt. Umso mehr gibt die Bedrängnis der Christen in muslimischen Ländern zu reden.

Es sind weniger die privaten Organisationen am rechten Rand der Kirchen, welche auf dieses Problem aufmerksam machen, sondern die Landeskirchen selber, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, die Bischofskonferenz und verschiedene Kantonalkirchen. Schon im Mai hatte der Evangelische Kirchenbund das Impulsprogramm «Solidarisieren und Handeln» den «diskriminierten und bedrängten Christen in der Welt» gewidmet und das Problem so thematisiert.

Verschiedene Arten der Bedrängnis

Umgekehrt fühlen sich gewisse kirchliche Organisationen bemüssigt, aus politischer Korrektheit die Situation der verfolgten Christen zu verschweigen oder diese selber dafür verantwortlich zu machen, weil sie in jenen Ländern missionierten. Sie blasen mitunter ins gleiche Horn wie muslimische Funktionäre, die teilweise reflexartig behaupten, Christen seien in islamischen Staaten gleichgestellt und über ihre Bedrängnis wisse man nichts Genaues.

Tatsächlich gibt es, je nach Land, verschiedene Arten der Bedrängnis: Die Skala reicht von sozialer und rechtlicher Benachteiligung bis zur Einengung der Kultusfreiheit auf die Privatsphäre, vom Verbot der Mission bis zum Verbot von theologischen Bildungseinrichtungen, Bibeln und christlichen Symbolen, von Vertreibung und Entführung bis zu Inhaftierung und sogar Tötung von Christen. Oft wäscht der Staat seine Hände in Unschuld, weil nicht er als Verfolger auftritt. Das tun Hassprediger und der aufgewühlte Mob.

Systematischer Terror im Irak

Von einer eigentlichen Christenverfolgung, der grössten der Gegenwart, spricht man heute im Irak, einem Land, das eigentlich einen grossen Reichtum an Minderheiten und Religionen kennt. Die Christen, die vor allem zur chaldäisch-katholischen, aber auch zur syrisch-orthodoxen Kirche gehören, haben auf dem Gebiet des heutigen Irak eine jahrtausendealte Kulturgeschichte. Plötzlich aber sagt man ihnen, sie gehörten nicht mehr dazu.

Seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein sind die Lebensbedingungen im Land katastrophal. Der schlimme Krieg von 2003 hat den ganzen Irak durcheinandergebracht. Vor allem die Christen sind seither einem systematischen Terror von islamistischen Gruppen und kriminellen Banden ausgesetzt. Schlagzeilen machen bestenfalls Einzelfälle von Persönlichkeiten wie des von Rebellen verschleppten chaldäisch-katholischen Bischofs Paulos Faraj Rahho in Mosul.

Über 40 Kirchen wurden bisher im Irak zerstört. Christen werden bedroht, überfallen, vertrieben, entführt und ermordet. In Dora, Bagdad und teilweise auch in Mosul leiden die Christen unter regelrechten religiösen Säuberungskampagnen. Die Folge ist ein beispielloser Exodus.

Während es 1987 im Irak noch 1,4 Millionen Christen gab, ist ihre Zahl bis 2008 auf weniger als 400'000 zurückgegangen. Tausende sind als Binnenflüchtlinge in den Norden unterwegs. Viele leben in den Flüchtlingslagern Syriens und Jordaniens. «Islamistische Gruppierungen wollen die Christen aus dem Land vertreiben und ihnen weismachen, dass der Irak nicht ihre Heimat ist», sagt Horst Oberkampf, Pfarrer der Landeskirche Baden-Württemberg, welcher seit 1991, zunächst von der Südosttürkei her, den Irak bereist. Der Geistliche setzt sich dort mit einer Solidaritätsgruppe für den Erhalt des christlichen Lebens ein – auf immer stärkerer Basis: «Wir arbeiten mit der bayerischen Landeskirche zusammen und versuchen, andere Kirchen, auch schweizerische, mit ins Boot zu nehmen», was zu gelingen scheint. Angesichts der prekären Situation plädiert die deutsche Bischofskonferenz für eine grosszügige Lösung bei der Aufnahme christlicher Flüchtlinge aus dem Irak.

Verbote und Einschränkungen

Eine besondere Einschränkung der Religionsfreiheit ist in Eritrea festzustellen und in Saudiarabien, wo der zur Staatsdoktrin erhobene fundamentalistische Wahhabismus die Religionsfreiheit prinzipiell ablehnt. Verboten ist die öffentliche und selbst die private Ausübung der christlichen Religion. Das Königreich will als Heimatland des Propheten den Islam in religiöser Reinheit bewahren.

Im Iran, Sudan und in Malaysia wird Konversion oder Apostasie, also die Abkehr vom Islam, prinzipiell mit dem Tod bestraft.

In Ägypten und der Türkei werden Christen eher sozial ausgegrenzt. Die Kopten, eine alteingesessene christliche Minderheit in Ägypten, die mehr als zehn Prozent der Bevölkerung stellt, sind im Umgang mit den Behörden zu Bürgern zweiter Klasse degradiert – obwohl Staatspräsident Hosni Mubarak offiziell von Gleichbehandlung redet. Speziell im Jahr 2008 kam es zu mehreren gewaltsamen Übergriffen von muslimischen Bruderschaften auf Christen.

In der Türkei, wo die Religion durch den (laizistischen) Staat kontrolliert wird, leben heute nur noch 0,15 Prozent Christen. Sie haben zahlreiche Repressionen zu erdulden. Der katholische Bischof Luigi Padovese von Anatolien klagt, er könne das Haus nur mit Polizeischutz verlassen und dürfe an der Paulus-Stätte in Tarsus keine Kirche bauen.

Die von der Europäischen Union geforderte Wiedereröffnung der 1971 von türkischen Behörden geschlossene orthodoxe Hochschule in Chalki wurde im Februar erneut von der Regierung als «verfassungswidrig» abgelehnt. Gegen das Kloster Mor Gabriel in Tur Abdin sind mehrere Prozesse in Gang, weil die türkische Regierung dessen Besitz enteignen und dort ein Museum bauen will.

Christen sind Aggressoren

Pfarrer Horst Oberkampf erlebt, wie der Krieg alte Feindbilder zementiert: «Islamisten werfen den Christen vor: Ihr seid Feinde aus dem Westen, ihr habt den gleichen Glauben und steckt unter einer Decke mit den Amerikanern.» So hätten die Christen, speziell jene, die bei den Amerikanern gearbeitet hätten, zu erdulden, was im Grunde auf die Amerikaner gemünzt sei. Oberkampf hat das Gefühl, dass im Nahen Osten Christen gegenwärtig nicht willkommen seien, weil sie als Aggressoren gälten und zu sehr mit dem Westen verbandelt seien.

Im Irak wollen die Islamisten laut Oberkampf allein bestimmen, wie ihr Land aussehen soll. Insbesondere seit Oktober 2005, als sich der Staat eine neue Verfassung gab und die Scharia als einziges Rechtssystem einführte, verlangen die Islamisten, dass die Christen werden wie sie: «Frauen sollen sich verschleiern», so Oberkampf. «Gehen sie unverschleiert auf die Strasse, sind sie im Prinzip vogelfrei. Und Händler können bestimmte Waren wie Alkohol nicht mehr verkaufen.»

Dass die Christen im Irak an ihrer Misere selber schuld seien, weil sie missionierten, ist Oberkampf zufolge völlig an den Haaren herbeigezogen. Natürlich gebe es evangelikale Gruppen, die sich missionarisch betätigten. «Das sind aber nicht die alteingesessenen Christen, sondern neue Einwanderer aus Nordamerika, welche die Christen aus den alten Kirchen herauszubrechen versuchen.» Viele alteingesessene Christen fühlten sich von den amerikanischen Missionaren bedrängt.

Die evangelikalen Missionare hatten sich im Irak während des internationalen Embargos von 1991 bis 2003 unter dem Deckmantel humanitärer Organisationen niedergelassen. Laut Oberkampf «wollen sie die Muslime bekehren und schaffen dadurch Misstrauen und Unheil». Mit Sozial- und Bildungsprojekten ködern sie auch die verunsicherten Christen. Pfarrer Oberkampf: «Menschen in Not klammern sich an jeden Strohhalm.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2011, 11:04 Uhr

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180 Kommentare

Jürg Heldner

05.01.2011, 15:57 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@ Reto Bucherer: Was erzählen Sie da für einen konsolidierten Humbug? Die Islamo-Faschos haben es ganz ohne Bush's Hilfe geschafft, sich und ihre Religion weltweit extremst unbeliebt zu machen. Antworten


Martin Lienert

06.01.2011, 23:00 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Christen waren zuerst im mittleren Osten! Der Islam kam nachher! Der Islam ist alles andere als friedfertig! Mohmmed hat seinen Glauben mit dem Krummsaebel verbreited. Jesus hat dies nicht getan! Dies ist ein riesengrosser Unterschied! Veroffentlicht dies nur einmal! Antworten



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