«Wir wollen einen eigenen Volksstaat»
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 06.04.2010
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Tod von Eugène Terre'Blanche
Der 69-jährige Bure Eugène Terre'Blanche ist am Samstag auf seinem Hof in Ventersdorp erschlagen und mit Macheten entstellt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei haben ihn zwei seiner Farmarbeiter umgebracht, weil er ihnen seit mehreren Monaten kein Gehalt mehr zahlte.
Die beiden Verdächtigen mussten heute vor dem Gericht in Ventersdorp erscheinen. Da einer von beiden erst 15 Jahre alt ist, könnte sein Verfahren nach Jugendstrafrecht abgehalten werden. Der zweite Verdächtige ist 28 Jahre alt. In ersten Berichten hatte es geheissen, er sei 21 Jahre alt.
Vor Gericht in Ventersdorp:
Vor dem Gericht im südafrikanischen Ventersdorp liegen die Nerven blank. Hinter den Mauern hat ein Richter soeben entschieden, die beiden Männer anzuklagen, die am Samstag den weissen Rechtsextremisten Eugène Terre'Blanche getötet haben sollen.
Vor dem Gebäude standen Reihen von Polizisten zwischen zwei Fronten: Anhänger von Terre'Blanches Afrikaner Weerstandsbeweging AWB standen extremistischen Anhängern der schwarzen Befreiungsbewegung gegenüber, wie verschiedene südafrikanische Medien berichteten.
Als einer der Angeklagten um 14 Uhr von Sicherheitskräften zu einem Auto eilte, brachen die schwarzen Demonstranten gemäss der südafrikanischen «Times» in Jubel aus: «Viva, viva», riefen sie demnach mit erhobenen Fäusten. «Sie sind unsere Helden, sie machen uns stolz», sagte der Demonstrant Simon Molefe gegenüber der Zeitung. Seine Gruppe forderte die AWB-Mitglieder gemäss dem «Independent Online» lautstark zum Kampf auf. «Sie sollen herkommen, dies ist unsere Zeit», soll der Einheimische Abel Moremi gerufen haben. «Wenn sie kämpfen wollen, werden sie es bereuen.»
«Keine Nigerianer, Drogenhändler, Vergewaltiger»
Die weissen Extremisten ihrerseits sangen stundenlang die Nationalhymne der Apartheidszeit. Mitten in der Menge stand Pieter Steyn, Führer der AWB, und diktierte den Journalisten des «Mail and Guardian» die Forderungen seiner Bewegung: «Alles, was wir wollen ist ein eigenes Stück Land in Südafrika», so Steyn. «Ein Land, wo wir uns niederlassen können und selber regieren können, nach unserer eigenen Religion und unseren eigenen Gesetzen.» Dort sollen die Buren leben können, wie sie es wollen: «Wir wollen keine Nigerianer, Drogenhändler, Vergewaltiger, Mörderer oder ähnliches...Das ist alles, was wir wollen», sagte der Extremist vor dem Mittag der Zeitung.
Die Forderung ist nicht neu. Terre'Blanche selber hatte sie wiederholt gestellt, zuletzt im September 2009. Damals forderte er an einer Versammlung der AWB ein Stück Land im nördlichen Bezirk Natal. Die Bewegung werde sich auf ihre «geistigen Ressourcen» verlassen, um ihr Ziel durchzusetzen. In einem anschliessenden Interview mit «Mail and Guardian» erklärte er, wer in der Nation als Bürger zugelassen würde: Nur Weisse mit einem Bezug zu den Buren sowie Briten. Sowohl Afrikaans wie auch Englisch würden als Amtssprachen zugelassen. «Die Zeit der Apartheid ist vorbei», sagte Terre'Blanche weiter. «Was es jetzt braucht sind zwei Staatsgebiete, in denen beide Nationen jeweils selber regieren können.»
«Eine Kriegserklärung der Schwarzen an die Weissen»
Nach eigenen Aussagen hat Steyn seine Anhänger dazu aufgerufen, von direkten Rachefeldzügen nach Terre'Blanches Tod abzusehen. «Wir haben unsere Mitglieder darum gebeten, hier vor dem Gericht ruhig zu bleiben und auf rassistische Bemerkungen zu verzichten.» Gewalt von Seiten einzelner Mitglieder entspreche nicht der Strategie der AWB. Noch am Montag hatte Sprecher Andre Visagie den Mord öffentlich «eine Kriegserklärung der Schwarzen an die Weissen» genannt und gewarnt, die Bewegung würde bald über ihre Reaktion auf die Tat entscheiden.
Präsident Jacob Zuma hat die Bevölkerung bereits in zwei Fernsehansprachen zur Ruhe aufgerufen. Die Ermittler betonen öffentlich, Terre'Blanches Tod sei «ein trauriges Einzelschickal» und sei nicht rassistisch motiviert. Doch die Tat fällt in eine Zeit, die sowieso schon von Spannungen geprägt ist: Seit Monaten wirft die AWB der ANC-Regierung vor, Gewalt gegen Weisse im Land zu tolerieren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.04.2010, 18:14 Uhr
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