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Wie der Iran den Libanon benutzt

Von Thomas Avenarius. Aktualisiert am 12.10.2010 10 Kommentare

Der Besuch des iranischen Präsidenten, Mahmoud Ahmadinejad, in Beirut ist auch als Provokation Israels gedacht.

Heissen den Präsidenten «sehr, sehr herzlich willkommen»: Plakate an der Beiruter Flughafenstrasse.

Heissen den Präsidenten «sehr, sehr herzlich willkommen»: Plakate an der Beiruter Flughafenstrasse.
Bild: Reuters

Wenn Mahmoud Ahmadinejad heute aus dem Flugzeug steigt und ins Zentrum der libanesischen Hauptstadt fährt, erwartet ihn ein politisches Heimspiel. Entlang der Beiruter Flughafenstrasse hängen Plakate mit der Aufschrift: «Der iranische Präsident ist sehr, sehr herzlich willkommen!»

Nicht, dass Ahmadinejad wirklich allen Libanesen ein lieber Gast wäre. Im Gegenteil: Teile der Regierung und der Bevölkerung machen notgedrungen gute Miene zu einem abgeschmackten Schauspiel. Währenddessen trommelt die mächtige Schiiten-Organisation Hizbollah, um Zehntausende jubelnder Schiiten entlang der Strassen aufzureihen. Sie sollen Ahmadinejads Tour durch den im Krieg gegen Israel zerstörten Südlibanon zu einem Triumphzug werden lassen.

Gemeinsam gegen Israel

Die Hizbollah wird es dem Iraner ermöglichen, seine Botschaft unters Volk zu bringen: Im Kampf gegen Israel steht der Libanon nicht allein da. Er hat die Islamische Republik an seiner Seite.

Was der Perser nicht sagen wird: Der Widerstand gegen den Judenstaat soll nicht nur die beiden Völker einen, sondern auch die Position des Iran im internationalen Streit um sein Atomprogramm stärken. Mit Recht fürchten die Iraner ein israelisches Bombardement ihrer Atomfabriken. Die dienen angeblich friedlichen Zwecken, werfen aber jede Menge Fragen auf.

Schutzpatron des Widerstands

Formal mag Ahmadinejads Libanon-Besuch eine normale Staatsvisite sein: Der iranische Präsident macht dem libanesischen Amtskollegen seine Aufwartung, unterzeichnet Abkommen, vertieft die Beziehungen. Ahmadinejads Besuch, der erste seit seiner Amtsübernahme 2005, ist jedoch mehr als zwischenstaatliches Tagesgeschäft: Auf dem Programm steht eine grosse Politshow. Der Mann aus Teheran wird als Schutzpatron aller Widerstandskämpfer gegen Israel – und gegen die USA – auftreten.

Daran schliesst sich unterschwellig die zweite Botschaft an: Dank seiner Hizbollah-Hilfstruppen steht der Iran inzwischen als militärische Kraft an der Nordgrenze Israels. Falls die Jerusalemer Führung die Atomanlagen angreift, wird die Hizbollah Raketen bis tief ins Innere Israels schiessen. Das ist der Subtext des Staatsbesuchs samt Abstecher in den Südlibanon.

Investition in die Zukunft

Dank historisch gewachsener Beziehungen zwischen den Schiiten in den beiden Ländern sind der Iran und der Libanon seit Jahrhunderten kulturell-religiös verbunden. Hinzu kommt heute aber die politische Symbiose zwischen dem Teheraner Islamistenstaat und der Hizbollah. Die nach der iranischen Revolution in den Achtzigerjahren angelaufene Finanzhilfe für die libanesischen Schiiten war eine Investition der Perser in die Zukunft. Revolutionsführer Khomeini nannte Israel schon früh das «Krebsgeschwür» im Gewebe des Nahen Ostens. Er wusste, dass der Widerstand gegen den Judenstaat ein langwieriges Geschäft würde: Die Hizbollah-Miliz wurde schon 1982, nach dem Einmarsch Israels im Libanon, auf Weisung Khomeinis gegründet. Das hat Früchte getragen. Mit ihren Zehntausenden Raketen ist die Schiiten-Miliz inzwischen die bedrohlichste islamische Widerstandsgruppe für Israel, weit gefährlicher als die palästinensische Hamas.

Zur Militärhilfe kommen Geld und eine geschickte Kulturpolitik: Teheran hat den Wiederaufbau des von Israel 2006 zerbombten Südens und der zerstörten Beiruter Südstadt mitfinanziert, es unterhält Sprachschulen und iranische Kulturinstitute. Hizbollah-Chef Hassan Nasrallah, der die meisten Schiiten hinter sich weiss, kann daher sagen: «Der Iran hat den Wiederaufbau bezahlt.» Nicht der libanesische Staat.

Khomeinis Kalkül ging auf

Die libanesischen Schiiten haben Grund, den Iranern dankbarer zu sein als der Beiruter Regierung: Der Khomeini-Staat hat früher schon für die Entwicklung des verarmten Südens gezahlt, wo vor allem Schiiten leben. Seit Jahrzehnten sind sie immer wieder Opfer israelischer Invasionen. Sie sind Erzfeinde des Judenstaats.

Khomeinis Kalkül ist damit aufgegangen. Der Libanon ist dank der Hizbollah – gegen den Willen gut der Hälfte der Bevölkerung – inzwischen nicht nur der Vorposten des Iran an der Grenze zu Israel. Auch sonst punktet die «Widerstandsfront» aus Iran, Syrien, der Hizbollah und der Hamas im Libanon.

Chance verpasst

Der Westen und die prowestlichen arabischen Staaten hingegen haben die Chance verpasst, den Libanon auf ihre Seite zu ziehen. Möglicherweise war das nie realistisch angesichts der Machtverhältnisse im Land. Vergessen jedenfalls scheint, dass Syrien 2005, nach dem Attentat auf den früheren Beiruter Premier Rafiq Hariri, seine Vormachtrolle im Nachbarland aufgeben musste. Damaskus gibt längst wieder den Ton im Libanon an.

Was den eigenartigen Staatsbesuch angeht: Angeblich will Ahmadinejad ein paar Steine über die libanesisch-israelische Grenze werfen. Doch auch ohne eine solche Provokation wissen die Israeli, wer da an der Grenze steht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2010, 07:07 Uhr

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10 Kommentare

Franz Meier

12.10.2010, 11:48 Uhr
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Die Weltherrschaft, Weltpolizist ist momentan die USA und der Westen, diese Weltherrschaft wird durch die nicht von der UNO bewilligten Kriege in Irak, '' Afghanistan'', Jemen, ''Somalia'' in Takt gehalten. Und wie jedermann wissen sollte, mit nicht Menschrechtswürdige Mittel bekämpft. Dort wird Terrorismus mit Staatsterrorismus bekämpft. Ein Kreislauf ohne Ende. Schade für unsere Welt. Antworten


Habib Ameur

12.10.2010, 11:50 Uhr
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Die ganze Zeit verurteilen wir Ländern wie der Iran oder Nordkorea, die sich nicht an die Regeln der UNO halten. Wie sieht es eigentlich mit Israel aus? Alles was die UNO ihr vorwirft wie: Gazastreifen „Israel verbrechen gegen die Menschlichkeit“, Hilfsflotte „UN-Gutachten verurteilt israelische Angriffe auf Hilfsflotte“ oder die UN-Resolutionen 242 vom 1967, die immer noch aktuell sind, werden einfach ignoriert. Wenn das nicht eine Weltdiktatur ist! Der Schein trügt, von Außen geschmückt, von Innen verlaust. Antworten



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