Ausland

Schmach für Qadhafi: Sarkozy und Putin reisen nicht nach Tripolis

Libyens Staatschef Muammar Qadhafi muss den 40. Jahrestag seiner Regierungsübernahme weitestgehend ohne namhafte Gäste aus Europa und Russland feiern.

Der Elysée-Palast schickt einen Vertreter nach Tripolis: 2007 beehrte Nicolas Sarkozy den Wüstensohn noch selber.

Der Elysée-Palast schickt einen Vertreter nach Tripolis: 2007 beehrte Nicolas Sarkozy den Wüstensohn noch selber.
Bild: Keystone

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew dementierten libysche Angaben zu ihrer Teilnahme. Auch Regierungschef Wladimir Putin werde dem Anlass am 1. September fernbleiben, hiess es in Moskau.

Ein Mitglied des Organisationskomitees, das anonym bleiben wollte, hatte der Nachrichtenagentur AFP zuvor gesagt, dass an den Feierlichkeiten am Dienstag neben Sarkozy, Medwedew und Putin auch der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi und das spanische Königspaar teilnehmen wollten. Zudem stünden etwa 40 bis 50 afrikanische Staatschefs auf der Gästeliste.

Der Elysée-Palast in Paris wies die Angaben über die Teilnahme Sarkozys zurück. Frankreich werde bei dem Regierungsjubiläum in Tripolis durch einen Vertreter repräsentiert, dessen Rang bisher noch nicht geklärt sei.

«Terminprobleme»

Russlands Präsident Medwedew und Regierungschef Putin lehnten die Einladung aus Termingründen ab. Medwedews Terminkalender sei bereits voll gewesen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den Kreml.

Putin nimmt nach Angaben seines Sprechers am 1. September bereits an Gedenkfeiern in Danzig zur Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkriegs September 1939 teil.

Die italienische Regierung wiederum hatte angekündigt, Berlusconi reise am Sonntag anlässlich des ersten Jahrestages des italienisch- libyschen Freundschaftsvertrags nach Libyen. An Gaddafis Jubiläumsfeier nehme aber kein Vertreter der italienischen Regierung teil. Die ehemalige Kolonialmacht schickt aber zu Ehren des Diktators die Kunstflugstaffel der Luftwaffe.

Ihre Teilnahme zugesagt haben bisher der venezolanische Präsident Hugo Chávez und mehrere afrikanische Staatschefs. Deutschland wird nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin auf Botschafterebene vertreten sein.

Warten auf Schweizer Geiseln

Ob angesichts der diplomatischen Spannungen zwischen Bern und Tripolis auch ein Vertreter der Schweiz an den Feiern teilnehmen wird und ob die Schweiz überhaupt eingeladen wurde, blieb vorerst unklar. Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Obwohl sich Bundespräsident Hans-Rudolf Merz vor einer Woche in Tripolis für die Verhaftung eines Sohnes von Staatschef Gaddafi in Genf im Juli 2008 in aller Form entschuldigt hatte, sitzen zwei Schweizer Geschäftsleute weiter in Libyen fest. Ein Bundesrats-Jet steht seit Dienstag in Tripolis bereit.

An den Feiern zur Machtübernahme Gaddafis teilnehmen wird der Genfer Soziologe und Libyen-Kenner Jean Ziegler. Er hatte in den vergangenen Tagen die Ansicht vertreten, die beiden Schweizer könnten anlässlich des Jahrestages im Rahmen einer Generalamnestie freikommen.

Ärger über Empfang von Megrahi

Im Westen hatte nicht der Umgang Libyens mit der Schweiz für Empörung gesorgt, sondern vor allem der Jubel-Empfang für den Lockerbie-Attentäter Basset al-Megrahi.

Weil Megrahi an Krebs im Endstadium leidet, hatte die schottische Regierung ihn vorzeitig aus der Haft entlassen. Bei seiner Ankunft in Tripolis vergangene Woche wurde Megrahi von hunderten jubelnden Menschen empfangen. (bru/sda/)

Erstellt: 27.08.2009, 17:55 Uhr

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