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Sarkozys Triumphzug durch Tripolis

Aktualisiert am 16.09.2011 24 Kommentare

David Cameron und Nicolas Sarkozy waren die treibenden Kräfte hinter der Nato-Intervention im reichen Wüstenstaat. Heute haben sie sich in Tripolis und Benhgasi feiern lassen.

Besuch in Tripolis: Frankreich und Grossbritannien versprechen weitere Freigabe von Geldern und wollen Nato-Einsatz weiterführen. (Reuters)

Reiches Libyen

Der reiche Wüstenstaat am Südrand des Mittelmeeres hat nach der Opec-Statistik die grössten bekannten Erdölreserven Afrikas. 2009 lagen sie bei rund 46 Milliarden Barrel. Pro Tag produzierte das Land mehr als eine Million Barrel.

Die Erdgasvorkommen wurden 2009 mit rund zwei Billionen Kubikmetern angegeben. Dank seines «schwarzen Goldes» stand Libyen 2010 mit einem geschätzten Pro-Kopf-Einkommen von 12'000 US-Dollar an der Spitze aller afrikanischen Länder.

Weitere Bodenschätze wie Schwefel oder Salz spielen in der Aussenhandelsbilanz kaum eine Rolle. Erdöl und Erdgas machten im vergangenen Jahr rund 98 Prozent des Ausfuhrsaldos von 47,8 Milliarden US-Dollar aus. Libyens Hauptabnehmerländer sind Italien mit 36,7 Prozent, Deutschland mit 14,3 und Spanien mit 8,7 Prozent.

Vor dem Bürgerkrieg war das zahlungskräftige Regime von Muammar al-Ghadhafi ein gern gesehener Auftraggeber für europäische Firmen der Baubranche und anderer Sektoren.

In der Millionenstadt Tripolis entstanden in den vergangen Jahren mehrere Bürokomplexe und Luxushotels unter internationalem Management. Zu Milliarden-Investitionen im Infrastrukturbereich gehörten neue Kraftwerke, Hafenanlagen, Flughafenterminals sowie Strassen- und Eisenbahnprojekte.

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Cameron und Sarkozy in Tripolis

Cameron und Sarkozy in Tripolis
Mit Nicolas Sarkozy und David Cameron ist der erste Staatschef und der erste Regierungschef in Libyen nach dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi eingetroffen.

England gibt 600 Millionen Pfund frei

Mit der Freigabe gesperrter Gelder in Höhe von 600 Millionen Pfund will Grossbritannien die neue libysche Führung unterstützen. Wie ein Sprecher von Premierminister David Cameron in London mitteilte, handelt es sich um libysche Finanzmittel, die im Februar im Zuge der UN-Sanktionen gegen die Führungsriege um den langjährigen libyschen Machthaber Muammar al-Ghadhafi eingefroren worden waren.

Ende August hatte Großbritannien bereits eine erste Tranche libyscher Gelder in Höhe von umgerechnet 155 Millionen Euro entfroren.(AFP)

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Libyen: Sturm auf die letzten Hochburgen

Libyen: Sturm auf die letzten Hochburgen
Die Rebellen haben in Libyen die Kontrolle übernommen. Noch aber leisten die Anhänger Ghadhafis erbitterten Widerstand.

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Triumphaler Besuch in Tripolis: Grossbritanniens Premierminister David Cameron und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben mit der neuen Führung in Libyen den gemeinschaftlich errungenen Sieg über Muammar al-Ghadhafi gefeiert. Nachdem ihre Maschinen auf dem Militärflughafen Mitiga gelandet waren, wurden Cameron und Sarkozy von einem enormen Aufgebot an Sicherheitskräften ins Zentrum der Hauptstadt Tripolis begleitet.

Dort besuchten die beiden Politiker ein Spital mit Kriegsverletzten und trafen mit den Mitgliedern des Übergangsrates zusammen. Sarkozy und Cameron kündigten an, mehrere Milliarden Dollar des Ghadhafi-Regimes, die auf westlichen Konten eingefroren sind, freizugeben.

Aufruf zur Einheit

An einer Medienkonferenz mit dem Präsidenten des Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil, erklärte Cameron, der Nato-Einsatz gegen Truppen des untergetauchten ehemaligen Machthaber Ghadhafi werde fortgesetzt, solange noch Widerstand geleistet werde. Sarkozy erklärte, Ghadhafi und andere, «die Verbrechen begangen» hätten, würden zur Rechenschaft gezogen. Er forderte die Libyer aber auf, von Vergeltung abzusehen und stattdessen Einheit und Versöhnung anzustreben.

Noch vor Erdogan

Mit ihrer Anreise am Donnerstag sind die beiden Politiker an Recep Tayyip Erdogan vorbeigezogen, der seinen Besuch in Tripolis für diesen Freitag angekündigt habe, wie der türkische Fernsehsender NTV kommentierte.

Der türkische Ministerpräsident, dessen Regierung seit Ausbruch des Bürgerkrieges mehrfach Gastgeber von Konferenzen zum Thema Libyen war, hielt sich am Donnerstag noch im benachbarten Tunesien auf.

Lukrative Geschäfte

Cameron und Sarkozy hatten den umstrittenen Militäreinsatz zur Unterstützung der Rebellen vorangetrieben und dürften nun darauf setzen, die politische Dividende einzustreichen. Der Westen und die Nachbarstaaten Libyens wollen Libyen möglichst rasch in der internationalen Gemeinschaft willkommen heissen – unter anderem, damit die lukrative, aber seit sechs Monaten eingefrorene Ölproduktion wieder anlaufen kann.

Nach den Worten des französischen Finanzministers François Baroins soll es bei den Gesprächen um den Übergang Libyens in der Nach-Ghadhafi-Ära gehen, nicht aber über konkrete Wirtschaftsabkommen. «Soweit sind wir noch nicht», sagte Baroin dem französischen Radiosender France Info. Vor allem wollten die beiden westlichen Politiker ihre Unterstützung für die Rebellen beim Aufbau eines neuen Libyen demonstrieren. Wie fragil die Lage in Libyen noch ist, lässt sich auch daran ablesen, dass Cameron und Sarkozy sich gezwungen sahen, anschliessend an ihren Besuch in Tripolis auch nach Bengasi zu fliegen. Der neuen libyschen Führung ist es wegen der schlechten Sicherheitslage bisher nicht gelungen, ihre Regierung in der Hauptstadt einzurichten.

Die Regierung in London gab zeitgleich zum Besuch Camerons in Tripolis die Freigabe von 600 Millionen Pfund (832 Millionen Franken) bekannt. Wegen der gegen Libyen verhängten Sanktionen der UNO und der EU sind allein in Grossbritannien Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet über 14 Milliarden Franken blockiert.

Libyen soll rasch wieder Öl exportieren

Die neue libysche Führung dringt auf eine rasche Freigabe der eingefrorenen Gelder. Ihr geht das bisherige Prozedere zu schleppend voran. Libyen wollen binnen zehn Tagen mit dem Ölexport vom Hafen Tobruk im Osten des Landes beginnen, sagte der Chef des staatlichen Ölkonzerns NOC, Nuri Beruin.

In sechs Monaten könne das Land seine Förderung auf eine Million Fass pro Tag herauffahren. Grossbritannien bemüht sich darum, dass der UNO-Sicherheitsrat noch in dieser Woche über eine Lockerung der Sanktionen gegen NOC und die libysche Zentralbank abstimmt.

China gibt Widerstand auf

Die chinesische Führung hat den libyschen Rebellen unterdessen Unterstützung bei ihrem Wunsch nach Übernahme des libyschen Sitzes bei den Vereinten Nationen zugesagt. Aussenminister Jiang Yu erklärte am Donnerstag, seine Regierung befürworte eine Übernahme des UNO-Sitzes durch die Aufständischen.

Offiziell wird Libyen bei den Vereinten Nationen immer noch von der entmachteten Ghadhafi-Regierung vertreten. China hatte vor wenigen Tagen als letztes der Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat den Übergangsrat der Rebellen als rechtmässige libysche Regierung anerkannt.

Schweiz deblockiert Teil der Libyen-Gelder

Der UNO-Sicherheitsrat gab derweil der Schweiz grünes Licht für die Freigabe von blockierten Vermögen des gestürzten Regimes. Die freigegebenen 350 Millionen Franken sollen für humanitäre Zwecke eingesetzt werden. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigte am Donnerstag entsprechende Informationen der Nachrichtenagentur sda.

«Das Gesuch über 350 Millionen Franken wurde zu Beginn der Woche vom Sanktionskomitee des UNO-Sicherheitsrats bewilligt», sagte Seco-Sprecherin Marie Avet. Das Geld soll nicht an den Übergangsrat der Rebellen, sondern an internationale oder libysche humanitäre Organisationen überwiesen werden. Wer in den Genuss der Millionen kommt, sei noch nicht entschieden.

Insgesamt waren im Februar aufgrund der UNO- und EU-Sanktionen libysche Vermögenswerte von rund 650 Millionen Franken in der Schweiz eingefroren worden. Nach der Lockerung der EU-Sanktionen gab das Seco eine erste Tranche von 1,5 Millionen Franken von drei libyschen Unternehmen frei, die in der Hand der Aufständischen sind. In der Schweiz blockiert bleiben damit knapp 300 Millionen Franken. (bru/sda/AFP)

Erstellt: 15.09.2011, 20:14 Uhr

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24 Kommentare

Dario Dirossi

15.09.2011, 11:28 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Bravo. Die Show muss weitergehen... Jetzt können diese beiden Vorzeige-Politiker Hände schütteln, ins Mikrofon blabbern und sich fürs Fotoshooting in Szene setzen, damit in unseren Medien feierlich vermeldet werden kann: "Wir, die Demokraten, die Richtigen und Gerechten, haben auf der richtigen Seite geputscht!" - 30000 Tote, 50000 Verletzten, und der Krieg hat erst begonnen. Wahrlich: Bravo. Antworten


Giada Berini

15.09.2011, 15:02 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Peinlich, peinlich - anstatt sich um die stets ansteigende Arbeitslosenquote und die schwankende Wirtschaft im eigenen Land zu kümmern, lassen sich die Beiden lieber von islamistischen Scharia-Befürwortern für ihre "humanitären" Bombardierungen bejubeln. Das Niveau unserer Politiker sinkt und sinkt und sinkt.... Antworten



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