Rafsanjani von der Wahl ausgeschlossen

Irans Ex-Präsident Rafsanjani darf nicht zu den Präsidentschaftswahlen im Juni antreten. Unter den verbleibenden acht Kandidaten befindet sich nur noch ein Reformer.

Der Wächterrat rechtfertigt den Entscheid mit Rafsandshanis angeblich angeschlagener Gesundheit: Der Ex-Präsident auf einem Bild vom 11. Mai 2013.

Der Wächterrat rechtfertigt den Entscheid mit Rafsandshanis angeblich angeschlagener Gesundheit: Der Ex-Präsident auf einem Bild vom 11. Mai 2013. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sieben Konservative und nur ein Reformer - schon bei der Kandidatenauswahl für die bevorstehende Präsidentschaftswahl im Iran können die religiösen Kräfte einen Erfolg verbuchen. Laut dem Innenministerium schaffte es der gemässigte Ex-Staatschef Akbar Haschemi Rafsanjani nicht auf die Liste der acht Bewerber, die am Dienstag vom Wächterrat zugelassen wurden.

Atom-Chefunterhändler Said Dschalili darf hingegen antreten. Gründe für die Auswahl der Kandidaten wurden nicht genannt. Neben dem 78 Jahre alten Rafsanjani verpasste auch Esfandiar Rahim Mashaie, ein Vertrauter des scheidenden Staatschefs Mahmoud Ahmadinejad und dessen Wunschnachfolger, den Sprung in den Kreis der letzten acht Bewerber. Beide galten als aussichtsreiche Kandidaten, waren den ultrakonservativen Kräften im Land aber ein Dorn im Auge.

Mashaie kündigt Einspruch an

Der von vielen Religiösen als zu liberal empfundene Mashaie kündigte laut einem Medienbericht umgehend Einspruch gegen seine Disqualifikation vor dem Obersten Gerichtshof an. Aus Rafsandschanis Umfeld hatte es vorab geheissen, er werde das Ergebnis der Vorauswahl in jedem Fall akzeptieren.

Auf der Liste der Bewerber befinden sich unter anderem der ehemalige Aussenminister Ali Velayati und der Bürgermeister von Teheran, Mohammed Bagher Ghalibaf. Ebenfalls dabei sind Said Dschalili, der als direkter Vertreter des geistlichen Oberhaupts im Iran, Ayatollah Ali Khamenei, Verhandlungsführer bei den internationalen Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm des Landes ist. Neben fünf streng konservativen und zwei moderat konservativen Bewerbern wurde mit Mohammed Reza Aref nur ein politischer Reformer in die Endauswahl gelassen.

Während sich Dschalili bislang nicht prominent zu innenpolitischen Thermen positionierte, kritisierte Rafsanjani mehrfach die Wirtschafts- und Aussenpolitik Ahmadinejads, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf. Seit der Präsidentschaftswahl im Jahr 2009 gilt Rafsanjani jedoch als isoliert: Damals gab es massive Strassenproteste gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinejads. Auch Rafsanjani, der das Präsidentenamt schon zwischen 1989 und 1997 innehatte, äusserte Zweifel am Wahlergebnis und forderte die Freilassung festgenommener Demonstranten.

30 Frauen haben sich beworben

Ahmadinejads Nachfolger wird am 14. Juni gewählt. Insgesamt gab es etwa 700 Bewerber, darunter 30 Frauen. Ihre endgültige Zulassung lag jedoch in den Händen des einflussreichen Wächterrats, eines nicht gewählten Gremiums unter religiöser Aufsicht, dessen Mitglieder von Khamenei direkt oder indirekt ernannt werden. (mrs/sda)

Erstellt: 21.05.2013, 20:32 Uhr

Artikel zum Thema

«Sie haben kein Recht mehr zu reden»

Die oberste Führung des Iran wäscht dreckige Wäsche erstmals in aller Öffentlichkeit. Als vorläufiger Höhepunkt des Machtkampfs hat der Parlamentspräsident dem Präsidenten Ahmadinejad den Mund verboten. Mehr...

Ahmadinejad mit Schuh beworfen

Als erster iranischer Präsident seit mehr als 30 Jahren besucht Mahmoud Ahmadinejad Ägypten. In Kairo nutzte ein Unbekannter die Gunst der Stunde für eine hinterhältige Attacke. Mehr...

Iranische Währung im Sturzflug

Die im Atomstreit verhängten Sanktionen setzten der Wirtschaft im Iran zu. Der Rial hat seit Juni 2011 etwa zwei Drittel seines Wertes zum Dollar verloren. Präsident Ahmadinejad gibt einer «Psycho-Schlacht» die Schuld. Mehr...

Von Digital bis Classic

Auf allen Kanälen. Hier bestellen!

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Papa ist anders
Foodblog Wieder auf dem Gipfel

Service

Die Welt in Bildern

Nationalstolz: Eine Büste des Real-Madrid-Spielers Cristiano Ronaldo schmückt den Flughafen in Funchal auf der Insel Madeira, Portugal. Es gibt aber auch Stimmen, die das Kunstwerk recht missraten finden. Nach dem Gewinn der Europameisterschaften 2016 wird der Flughafen neu nach dem Weltfussballer benannt (29. März 2017).
(Bild: Rafaele Marchante) Mehr...