Ausland

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Ghadhafis Flucht als Geschäftsidee

Aktualisiert am 18.11.2011 2 Kommentare

Mitten in Libyens Kriegswirren witterte eine Gruppe von Amerikanern das grosse Geschäft: Sie boten Ghadhafi ihre Beraterdienste an. Ihr Ziel war es, für den damaligen Machthaber einen Zufluchtsort zu finden.

Hier war seine Welt noch in Ordnung: Muammar al-Ghadhafi in Tripolis, April 2011.

Hier war seine Welt noch in Ordnung: Muammar al-Ghadhafi in Tripolis, April 2011.
Bild: Reuters

Bildstrecke

Ghadhafi: Der Exzentriker

Ghadhafi: Der Exzentriker
Sein Image als Wüstensohn – und Exzentriker – kultivierte Muammar al-Ghadhafi.

Bildstrecke

Das war Oberst Muammar al-Ghadhafi

Das war Oberst Muammar al-Ghadhafi
Der ehemalige libysche Diktator kam 1969 in einem Putsch gegen König Idris an die Macht. In den über 40 Jahren seiner Herrschaft wandelte er sich vom Feind des Westens zum gern gesehenen Gast und wieder zur Persona non grata.

Links

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Wenn man eines nicht kann, ist es, ihnen Mangel an Geschäftssinn vorzuwerfen. Vier US-Amerikaner und ein Belgier wollten aus Wirren des Libyen-Krieges Profit schlagen, indem sie dem Noch-Machthaber Muammar al-Ghadhafi ihre Dienste als Berater anboten.

Die illustre Gruppe, bestehend aus einem Anwalt, einem Terrorismusexperten, einem ehemaligen CIA-Agenten, einem republikanischen Politiker und einem Ingenieur, stellte Ghadhafi ein umfassendes Paket zur Verfügung: Lobbying in Washington, Flucht aus Libyen und die Sicherstellung einiger seiner Gelder. Das anfängliche Honorar sollte sich laut «New York Times» auf 10 Millionen US-Dollar belaufen.

Eingefrorene Vermögen auslösen

Die Zeitung beruft sich auf vertrauliche Dokumente, welche auf der Facebook-Seite «Wikileaks Libya» veröffentlicht worden waren. Neil C. Livingstone, Terrorismusspezialist und eines der Gruppenmitglieder, bestätigte den Plan. Sie seien auf diese Idee gekommen, als sie von Saif al-Islams Suche nach einer Exitstrategie gehört hatten. «Unsere Idee bestand darin, für die Familie Ghadhafi einen Zufluchtsort im arabischen Raum zu suchen.» Gewissermassen als Belohnung für ihr Verlassen von Libyen wollte das Team den Ghadhafis ebenfalls dabei helfen, einen Teil ihres Vermögens zu sichern. Laut den Dokumenten wollte man mehrere Milliarden eingefrorener Vermögen auslösen. Dies sollte erreicht werden, indem man das Ghadhafi-Regime zu Verhandlungen mit der UNO bewegt hätte.

Der 65-jährige Livingstone betont gegenüber der «New York Times», er sei stets ein Kritiker Ghadhafis gewesen. Ihm sei es vor allem auch darum gegangen, durch einen Abzug des Machthabers ein Blutbad in Libyen zu verhindern. Trotz des humanitären Hintergedankens sollte das Ghadhafi-Consulting aber auch einen finanziellen Reiz für die Gruppe haben. Nach dem Vorschuss von zehn Millionen US-Dollar wären weitere Honorarkosten dazugekommen. «Wir sind schliesslich keine Wohltätigkeitsorganisation», kommentiert Livingstone die Honorarforderungen.

«Kein so brutaler Diktator»

Das Beratungsangebot erreichte Ghadhafi am 17. April per Brief. Dieser war von Livingstones belgischem Compagnon Dirk Borgers verfasst worden und rückt die Gruppe in ein etwas anderes Licht. So ist im Schreiben nicht mehr die Rede von einer Exitstrategie für die Ghadhafis, sondern von einer Überlistung der libyschen Rebellen und von der Etablierung einer Pro-Ghadhafi-Lobby in der US-Regierung. Gezeichnet ist der Brief mit «Ihre ergebenen Diener». Auf Anfrage der «New York Times» zeigt sich Borgers demnach auch äusserst Ghadhafi-freundlich: «Ich glaube nicht, dass er ein so brutaler Diktator war. Immerhin hat er in 42 Jahren aus dem Nichts ein Land geschaffen. Und er hat den Menschen in Libyen einen guten Lebensstandard geboten.»

Das Beratungsmandat kam schliesslich nicht zustande. Einerseits lehnte das Ghadhafi-Regime den Vorschlag ab. Andererseits wollte die US-Schatzkammer für den Geldtransfer mit Libyen kein Geld ausstellen.

Neil C. Livingstone ärgert sich nun darüber, dass der Brief von Borgers an die Öffentlichkeit kam: «Seine Formulierungen widerspiegeln überhaupt nicht die Ansichten der Gruppe.» Für den Journalisten und republikanischen Politiker ist die Angelegenheit so oder so etwas peinlich: Er steckt gerade mitten in den Vorbereitungen zum Gouverneurswahlkampf in Montana. (kpn)

Erstellt: 18.11.2011, 14:29 Uhr

2

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

2 Kommentare

Urs Danner

18.11.2011, 15:32 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Fast alle Staaten haben mit Ghadhafi Geschäfte gemacht. Er wurde von Staatsmännern umarmt und war auch am Hauptsitz der UNO in NY willkommen. Wen wundert es da, dass diese Herren mit Ghadhafi auch geschäften wollten. Antworten


Edwin Schaltegger

18.11.2011, 15:48 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Diese "geldgeilen" Typen kennen keinen Skrupel! Solche Menschen sind eine Schande f. die grosse Mehrheit der amerikanischen Bürger. Sie sollten öffentlich an den Pranger gestelt u. v. der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Es ist auch ein Verrat gegenüber ihren Vorvätern die aus Gründen v. religöser u. sozialer Ausbeutung/Unterdrückung ins "neue Land" ausgewandert sind. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.