Ghadhafis Flucht als Geschäftsidee
Aktualisiert am 18.11.2011 2 Kommentare
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Wenn man eines nicht kann, ist es, ihnen Mangel an Geschäftssinn vorzuwerfen. Vier US-Amerikaner und ein Belgier wollten aus Wirren des Libyen-Krieges Profit schlagen, indem sie dem Noch-Machthaber Muammar al-Ghadhafi ihre Dienste als Berater anboten.
Die illustre Gruppe, bestehend aus einem Anwalt, einem Terrorismusexperten, einem ehemaligen CIA-Agenten, einem republikanischen Politiker und einem Ingenieur, stellte Ghadhafi ein umfassendes Paket zur Verfügung: Lobbying in Washington, Flucht aus Libyen und die Sicherstellung einiger seiner Gelder. Das anfängliche Honorar sollte sich laut «New York Times» auf 10 Millionen US-Dollar belaufen.
Eingefrorene Vermögen auslösen
Die Zeitung beruft sich auf vertrauliche Dokumente, welche auf der Facebook-Seite «Wikileaks Libya» veröffentlicht worden waren. Neil C. Livingstone, Terrorismusspezialist und eines der Gruppenmitglieder, bestätigte den Plan. Sie seien auf diese Idee gekommen, als sie von Saif al-Islams Suche nach einer Exitstrategie gehört hatten. «Unsere Idee bestand darin, für die Familie Ghadhafi einen Zufluchtsort im arabischen Raum zu suchen.» Gewissermassen als Belohnung für ihr Verlassen von Libyen wollte das Team den Ghadhafis ebenfalls dabei helfen, einen Teil ihres Vermögens zu sichern. Laut den Dokumenten wollte man mehrere Milliarden eingefrorener Vermögen auslösen. Dies sollte erreicht werden, indem man das Ghadhafi-Regime zu Verhandlungen mit der UNO bewegt hätte.
Der 65-jährige Livingstone betont gegenüber der «New York Times», er sei stets ein Kritiker Ghadhafis gewesen. Ihm sei es vor allem auch darum gegangen, durch einen Abzug des Machthabers ein Blutbad in Libyen zu verhindern. Trotz des humanitären Hintergedankens sollte das Ghadhafi-Consulting aber auch einen finanziellen Reiz für die Gruppe haben. Nach dem Vorschuss von zehn Millionen US-Dollar wären weitere Honorarkosten dazugekommen. «Wir sind schliesslich keine Wohltätigkeitsorganisation», kommentiert Livingstone die Honorarforderungen.
«Kein so brutaler Diktator»
Das Beratungsangebot erreichte Ghadhafi am 17. April per Brief. Dieser war von Livingstones belgischem Compagnon Dirk Borgers verfasst worden und rückt die Gruppe in ein etwas anderes Licht. So ist im Schreiben nicht mehr die Rede von einer Exitstrategie für die Ghadhafis, sondern von einer Überlistung der libyschen Rebellen und von der Etablierung einer Pro-Ghadhafi-Lobby in der US-Regierung. Gezeichnet ist der Brief mit «Ihre ergebenen Diener». Auf Anfrage der «New York Times» zeigt sich Borgers demnach auch äusserst Ghadhafi-freundlich: «Ich glaube nicht, dass er ein so brutaler Diktator war. Immerhin hat er in 42 Jahren aus dem Nichts ein Land geschaffen. Und er hat den Menschen in Libyen einen guten Lebensstandard geboten.»
Das Beratungsmandat kam schliesslich nicht zustande. Einerseits lehnte das Ghadhafi-Regime den Vorschlag ab. Andererseits wollte die US-Schatzkammer für den Geldtransfer mit Libyen kein Geld ausstellen.
Neil C. Livingstone ärgert sich nun darüber, dass der Brief von Borgers an die Öffentlichkeit kam: «Seine Formulierungen widerspiegeln überhaupt nicht die Ansichten der Gruppe.» Für den Journalisten und republikanischen Politiker ist die Angelegenheit so oder so etwas peinlich: Er steckt gerade mitten in den Vorbereitungen zum Gouverneurswahlkampf in Montana. (kpn)
Erstellt: 18.11.2011, 14:29 Uhr
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2 Kommentare
Diese "geldgeilen" Typen kennen keinen Skrupel! Solche Menschen sind eine Schande f. die grosse Mehrheit der amerikanischen Bürger. Sie sollten öffentlich an den Pranger gestelt u. v. der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Es ist auch ein Verrat gegenüber ihren Vorvätern die aus Gründen v. religöser u. sozialer Ausbeutung/Unterdrückung ins "neue Land" ausgewandert sind. Antworten
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