Verhandlungen mit Ghadhafi-Bastion gescheitert
Aktualisiert am 08.09.2011 22 Kommentare
Muammar Ghadhafi. (Bild: Reuters )
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Die Bewohner der Wüstenstadt Bani Walid zeigen sich unbeugsam. Gespräche über eine friedliche Aufgabe der Stadt sind gescheitert. Er warte derzeit auf Anweisungen für einen möglichen Einsatz, sagte der Militärchef des Nationalen Übergangsrats, Abdullah Abu Asara, unweit der belagerten Stadt.
Am Dienstag hatte es geheissen, die Ältesten der Stadt 170 Kilometer südöstlich von Tripolis hätten «sich der Revolution angeschlossen». In der Stadt sollen sich Vertraute Gaddafis versteckt halten, unter anderem sein Sprecher Mussa Ibrahim. Die neue libysche Führung hat den Gaddafi-Anhängern in Bani Walid, Sebha und Sirte bis Samstag Zeit gegeben, sich zu ergeben.
Ghadhafi hat tonnenweise Gold verkauft
Während des Aufstands gegen seine Herrschaft hat der bisherige libysche Machthaber Muammar al-Ghadhafi nach Angaben des neuen Zentralbankchefs rund 20 Prozent der Goldreserven des Landes verkauft. Mit dem Erlös habe Ghadhafi Gehälter bezahlt, sagte Kassim Assus. Ghadhafi habe örtlichen Händlern im April etwa 29 Tonnen Gold verkauft und so 1,7 Milliarden Dinar (1,2 Milliarden Franken) eingenommen.
Assus erklärte, während des Aufstands seien keine Vermögenswerte der Zentralbank verschwunden. Dazu gehörten etwa 90 Milliarden Dollar im Ausland und weitere 20 Milliarden Dollar im Inland. Nicht eingerechnet seien unbekannte Summen, die Ghadhafi und seine Familie angehäuft hätten.
Rebellen unter Raketenbeschuss
Ghadhafis Soldaten haben aus einer ihrer letzten Bastionen Raketen auf die Rebellenkämpfer abgefeuert. Mindestens zehn Explosionen waren zu hören. Rauch stieg über Wadi Dinar auf, etwa 20 Kilometer ausserhalb von Bani Walid. Die Rebellen haben den Ort umstellt. Kurz zuvor hatte Ghadhafi seine Anhänger in einer Audiobotschaft zum Widerstand aufgefordert.
Der in den Untergrund gezwungene Ghadhafi wies in einer Audiobotschaft kategorisch Berichte zurück, er sei ins Ausland geflohen. Er werde «niemals das Land meiner Vorfahren verlassen», sagte er in einer am Donnerstag über den syrischen Fernsehsender Al-Rai TV verbreiteten Erklärung. Er nannte die Aufständischen in Libyen «einen Haufen Söldner, Verbrecher und Verräter» und erklärte: «Wir sind bereit, den Kampf um Tripolis und jeden anderen Ort aufzunehmen und uns gegen sie zu erheben».
Der Nationale Übergangsrat kontrolliert mittlerweile fast ganz Libyen, mit Ausnahme der drei Gaddafi-Bastionen, in die sich die Anhänger des Ex-Machthabers zurückgezogen haben. Bei den monatelangen Kämpfen verzeichneten seine Truppen schwere Verluste. Etwa die Hälfte der 30.000 Toten seien wohl Kämpfer Gaddafis gewesen, sagte Barakat. Offiziere der Rebellenstreitkräfte hätten ihm gesagt, dass die von Gaddafis Sohn Chamis geführte Elitebrigade 9.000 Mann verloren habe.
Bürgerkrieg fordert 30'000 Tote
Mindestens 30'000 Menschen sind nach Angaben des Gesundheitsministers der neuen libyschen Führung während des sechsmonatigen Bürgerkriegs ums Leben gekommen. 50'000 seien bei den Kämpfen verletzt worden, sagte Nadschi Barakat. Im Gegensatz zu bisherigen groben Schätzungen basierten diese Zahlen zum Teil auf Berichten von Krankenhäusern, Beamten vor Ort und ehemaligen Kommandeuren der Rebellentruppen.
Eine vollständige Aufstellung der Opfer werde es allerdings erst in mehreren Wochen geben, sagte Barakat. Er rechne damit, dass die Opferzahlen dann nochmals steigen werden. Mindestens 4'000 Menschen gelten demnach noch als vermisst. Sie seien entweder tot oder würden in den Gaddafi-Bastionen Bani Walid, Sabha oder Gaddafis Geburtsstadt Sirte gefangen gehalten, sagte Barakat der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch. Andere seien während der Kämpfe hastig begraben worden und würden nun exhumiert, um sie zu identifizieren. Suchmannschaften würden ausserdem noch immer versteckte Gräber mit von Gaddafi-Truppen getöteten Gefangenen finden.
Misrata traf es am schlimmsten
Auch die anhaltenden Kämpfe um die letzten verbliebenen Herrschaftsbereiche des bisherigen libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi werden wohl weitere Opfer verursachen. Sie gelten als mögliche Aufenthaltsorte Gaddafis. Bei dem 140 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Bani Walid gab es in der Nacht zum Donnerstag stundenlange Gefechte. Am Mittwoch waren Verstärkungen der Rebelleneinheiten in der Region eingetroffen. Die Stadt ist umzingelt.
Wohl am schlimmsten litt die Hafenstadt Misrata unter den Kämpfen. Regierungstruppen hatten die drittgrösste Stadt des Landes rund zwei Monate lang belagert und sich schliesslich stark geschwächt zurückgezogen. Mindestens 2.000 Kämpfer der Rebellen und Zivilpersonen seien in der Stadt getötet worden, sagte Barakat. Tausende seien verwundet worden, einschliesslich 900 Menschen, die laut Angaben der Stadtverwaltung Gliedmassen verloren haben.
Aus den bis zuletzt unter Gaddafis Kontrolle stehenden Gebieten im Westen des Landes gebe es bislang nur wenige Informationen, sagte Barakat. So wisse man wenig darüber, wie viele dort dem brutalen Vorgehen der Regierungskräfte bei der Niederschlagung der Proteste im Frühling zum Opfer gefallen seien. Beim Kampf um Tripolis seien mindestens 1.700 Rebellenkämpfer und 100 Zivilpersonen ums Leben gekommen.
(ami/AFP/dapd)
Erstellt: 08.09.2011, 16:55 Uhr
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22 Kommentare
hunderte Milliarden "angehäuft"... das ist das Geld des kleinen Mannes der jeden Tag schuften geht... Übrigens ist das überall auf der Welt so ;) Da häufen ein paar wenige das Geld der ganzen Menscheit an... dass sollte auch den hartgesottenen Neoliberalen zum denken anregen... Antworten
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