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Eine schrecklich gemeine Familie

Aktualisiert am 08.03.2010

Sie sind egozentrisch, unberechenbar und rüpelhaft. Nicht nur die Schweiz hat Probleme mit den Ghadhafis. Auch in Bayern etwa ist man auf den Clan nicht gut zu sprechen. Ein Familienporträt.

1/6 Der «Leader»: Staats- und Familienoberhaupt Muammar al-Ghadhafi.
Bild: Keystone

   

Wer sich mit einem Ghadhafi anlegt, kommt nicht ungeschoren davon. Diese Lektion musste die Schweiz nach der Verhaftung des handgreiflichen Hannibal Ghadhafi auf bittere Art und Weise lernen. In der Folge stellte Staats- und Familienoberhaupt Muammar al-Ghadhafi seine Rachsucht und Unberechenbarkeit unter Beweis.

Doch auch in anderen Ländern sind die Kriminalgeschichten der Ghadhafis wohlbekannt, wie der «Spiegel» schreibt. «Auf europäischen Polizeiwachen gilt: Sobald ein Ghadhafi ausländischen Boden betritt, herrscht Alarmstufe Rot.»

Hannibal, der Explosive

Vom ohnehin schon aggressiven Spross sei Hannibal der explosivste: So bewarf er völlig betrunken in Rom Polizisten mit Flaschen. In Paris raste er mit 140 Sachen auf den Champs Elysées – erneut betrunken und in der Gegenrichtung fahrend. 2005 wurde er in Frankreich gar zu vier Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er seine spätere Frau Aline brutal zusammengeschlagen hatte.

Doch die «unmögliche Familie» hat noch mehr auf Lager. Das musste man auch in Bayern zur Kenntnis nehmen. 2006 ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den zweitjüngsten Ghadhafi-Sohn, Saif al-Arab. Der 27-Jährige soll einen Türsteher verprügelt haben, nachdem er aufgefordert worden war, das Lokal zu verlassen. Mehr noch: Er soll sogar seinem Bodyguard befohlen haben, dem Türsteher das Gesicht zu verätzen. Das Verfahren wurde jedoch ein Jahr später mangels Beweisen eingestellt.

«Problematisches Umfeld»

Der an der Technischen Universität in München eingeschriebene Saif al-Arab bretterte ferner mehrmals mit seinem Ferrari durch die Innenstadt, so dass sich die Polizei gezwungen fühlte, sein Gefährt zu beschlagnahmen. Inzwischen sei es um Saif al-Arab ruhiger geworden, weiss der «Spiegel» aus Münchner Sicherheitskreisen. Allerdings bewege er sich in einem «sehr problematischen Umfeld».

Wenn auch die Ghadhafi-Söhne Saadi (36) und Mutassim (34) die Egozentrik und Masslosigkeit ihres Vaters geerbt haben, gibt es über sie weniger Räubergeschichten zu erzählen. Die beiden sind vor allem an Promi-Partys anzutreffen. Saadi fällt vorwiegend durch Engagements internationaler Stars auf. So heuerte er für eine halbe Million Dollar die Pussycat Dolls an, um auf einer Party in St. Tropez aufzutreten. Auch 50 Cent habe er sich schon extra einfliegen lassen. Auch gilt er als «der Fussballer» im Clan: Er ist Chef des libyschen Fussballverbands, spielte schon bei Perugia, Udinese und Genua – allerdings ohne auch nur ein einziges Mal für ein gesamtes Spiel auf dem Platz gestanden zu haben.

Eher im Hintergrund

Mohammed (39) hält sich eher im Hintergrund. Der Chef des Olympischen Komitees hegt keinen Anspruch auf die Nachfolge seines Vaters. Saif al-Islam (37) hingegen galt bisher als respektierter Architekt und Ökonom, der sich auch mal kritisch äussert zur libyschen Gangart. Neueste Meldungen hingegen schliessen darauf, dass er sich dem Kurs seines Vaters angenähert hat. Und die einzige Ghadhafi-Tochter Aischa, 33 Jahre alt und Anwältin, die schon Saddam Hussein verteidigte, fungiert quasi als Troubleshooter, wenn die Familie mal wieder Klagen am Hals hat. (reh)

Erstellt: 08.03.2010, 12:32 Uhr

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