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Ein schmerzliches Kapitel amerikanischer Politik geht zu Ende

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 21.10.2011 17 Kommentare

Im nächsten Jahr werden keine US-Truppen mehr im Zweistromland stehen. Der Irakkrieg wird die USA aber noch lange beschäftigen. Eine Analyse.

Der Diktator war schnell gestürzt, der Aufbau des Lands dauert an: Ein US-Marinesoldat schaut der Demontage einer Statue von Saddam Hussein im Zentrum Bagdads zu. (9. April 2003)

Der Diktator war schnell gestürzt, der Aufbau des Lands dauert an: Ein US-Marinesoldat schaut der Demontage einer Statue von Saddam Hussein im Zentrum Bagdads zu. (9. April 2003)
Bild: Reuters

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Der Irakkrieg seit 2003

Der Irakkrieg seit 2003
Am 19. August 2010 sind die letzten US-Kampftruppen aus den USA abgezogen - Barack Obama löst ein Wahlversprechen ein.

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Der Krieg begann vor nahezu neun Jahren mit einem Einmarsch, der völkerrechtlich zweifelhaft und dazu auf einer Mutmassung, nämlich der Existenz irakischer «Massenvernichtungswaffen», basierte. Und als der Kriegsherr George W. Bush nach erfolgreicher Invasion auf dem Deck eines Flugzeugträgers im Mai 2003 grossspurig verkündete, die Kampfhandlungen im Irak seien vorbei, konnte er nicht ahnen, dass dieser Krieg, den er so leichtsinnig wie unnötig angezettelt hatte, 4500 amerikanischen Soldaten und mindestens 100'000 Irakern das Leben kosten und den Irak an den Rand eines Bürgerkrieges bringen würde.

Nun hat Barack Obama den Abzug der letzten US-Truppen aus dem Irak am Jahresende angekündigt und damit ein schmerzliches Kapitel amerikanischer Aussenpolitik beendet. Der Sturz Saddam Husseins war gewiss willkommen, doch dürfen weder der dafür gezahlte Preis noch die illegalen Umstände des Einmarschs vergessen werden.

Viel Geld für zweifelhaften Erfolg

Überdies bleiben berechtigte Zweifel an der Zukunft des Irak. Wohin entwickelt sich das Land nach dem amerikanischen Abzug? Werden neue Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten ausbrechen? Und welche Rolle wird der Iran in einem von Schiiten beherrschten Irak spielen? Es macht nicht gerade Mut, dass sich die Regierung Maliki in den vergangenen Monaten klar auf die Seite des bedrängten syrischen Tyrannen und iranischen Verbündeten Bashar al-Assad gestellt hat.

Fast eine Billion Dollar – Geld, das zu Hause dringend gebraucht würde! – hat das irakische Abenteuer verschlungen, auch kehrten zehntausende junger amerikanischer Soldaten teils schwer verwundet aus einem Krieg zurück, dessen lauteste Propagandisten sich nicht gescheut hatten, Erlogenes und Erfundenes zu streuen. Selbst konservative republikanische Kongressmitglieder betrachten den Krieg rückblickend als einen historischen Fehler, ja als tragischen Verlust amerikanischer Glaubwürdigkeit.

Verspielte Glaubwürdigkeit

Denn niemals wieder wird ein amerikanischer Aussenminister wie Colin Powell im Februar 2003 unangefochten vor den Uno-Sicherheitsrat treten und «Beweise» für eine vermeintliche Bedrohung der Vereinigten Staaten vorlegen können. Unwiderruflich werden Erinnerungen an die Täuschungen wie Selbsttäuschungen der Regierung Bush wach werden.

Mit dem heute angekündigten Truppenabzug erfüllt Barack Obama ein Wahlversprechen, das zu seinem Einzug ins Weisse Haus beitrug. Es war höchste Zeit, dieses Versprechen einzulösen, um so mehr, als sich die Vereinigten Staaten ein kostspieliges Abenteuer wie das des George W. Bush zwischen Tigris und Euphrat nicht mehr leisten können. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2011, 23:27 Uhr

17

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17 Kommentare

Marel Zürcher

22.10.2011, 00:34 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Ein Land mehr, dass die von Gott auserwählte Nation, vernichtet hat - basierend auf bewussten, seit Jahren bewiesenen Lügen. Und wir schauen zu und machen den Bückling Antworten


Philip Santschi

22.10.2011, 00:05 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Die Firmen, in denen die Herren Bush Senior und Cheney im Verwaltungsrat sitzen oder sassen, haben an dem Krieg prächtig verdient. So lange die Amerikaner die ausufernden Wahlkampfspenden (bzw Bestechungsgelder) nicht unter Kontrolle kriegen, so lange werden die kleinen und grossen Katastrophen anhalten. Das nächste mal ist's vielleicht kein Krieg, aber dafür eine weitere Ölpest. Antworten



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