Die gemässigte Maske des Regimes
Aktualisiert am 22.08.2011 18 Kommentare
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Erst mit den Auftritten von Saif al-Islam al-Ghadhafi während des Bürgerkrieges bröckelte die Fassade. Auch die Schweiz hatte während der Affäre al-Ghadhafi eine Zeit lang ihre Hoffnung auf Saif al-Islam gesetzt. Dieser war 2005 vom World Economic Forum (WEF) in den erlauchten Zirkel der «Young Global Leaders» aufgenommen worden.
Anlässlich des WEF-Jahrestreffen 2009 in Davos traf sich Aussenministerin Micheline Calmy-Rey dann mit ihm. Allerdings konnte oder wollte Saif al-Islam, der sich damals selbst als «Botschaftsüberbringer» bezeichnete, die diskutierte mögliche Lösung bei seinem Vater nicht durchsetzen.
Dabei ging es um die beiden Schweizer Max Göldi und Rachid Hamdani, die damals über ein halbes Jahr von Libyen festgehalten worden waren. Grund war die Festnahme eines anderen Gaddafi-Sohnes, Hannibal, im Sommer 2008 in Genf. Hamdani und Göldi kamen schliesslich im Februar und im Juni 2010 frei.
WEF in Erklärungsnöten
Wegen der Affäre Ghadhafi durfte Saif al-Islam 2010 nicht nach Davos reisen. Die Schweiz hatte ein Einreiseverbot für hochrangige Libyer erlassen. Im Februar 2011 schliesslich wurde seine Mitgliedschaft als «Young Global Leader» zunächst suspendiert. Am Montag sprach das WEF davon, es habe sich damals um einen Rauswurf gehandelt.
Noch kurz vorher hatte das WEF ihn zum Jahrestreffen 2011 eingeladen. Saif al-Islam schlug die Einladung aber aus, weil in seiner Heimat der Aufstand begonnen hatte.
Sprache des Gewehrs statt Diplomatie
Während des Krieges trat der Sohn zunehmend als Sprachrohr seines Vaters auf, wie die Nachrichtenagentur AFP in ihrem Porträt schrieb. Seine Auftritte standen im krassen Gegensatz zu jenen im Westen, wo er - stets korrekt in Anzug und Krawatte - mit seinen Deutsch- und Englischkenntnissen brillierte und eine ruhige Art an den Tag legte.
In einem in diesem Frühjahr berühmt gewordenen Video fuchtelte Saif al-Islam, dessen Name Schwert des Islam bedeutet, mit einem Gewehr herum und putschte Gaddafis Soldaten mit martialischen Sprüchen auf.
Überstellung nach Den Haag?
Bekannt ist, dass der Junggeselle sich Löwen als Haustiere hielt, gerne reitet und auf Falkenjagd geht. Das süsse Leben des Ghadhafi-Sohnes ist nun vorbei. Er wird von den Rebellen festgehalten und muss mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen.
Ob die Rebellen ihn an den Internationalen Strafgerichtshof (ICT) in Den Haag ausliefern, wird derzeit nach ICT-Angaben verhandelt. Der ICT sucht Saif al-Islam per Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Lange im Rampenlicht
Dabei genoss Seif al-Islam den Ruf eines Reformers. Im Herbst 2009 berichteten libysche Medien, er solle zur Nummer zwei aufgebaut werden. Als Präsident der Gaddafi-Stiftung für Entwicklung hatte Saif al-Islam schon lange im Rampenlicht gestanden.
Dabei trat er als humanitärer Botschafter auf und spielte bei Verhandlungen eine Schlüsselrolle. So vermittelte die Stiftung, als Islamisten in der Sahara Anfang 2003 westliche Touristen - darunter vier Schweizer - entführt hatten.
Saif al-Islam handelte 2003 auch die Entschädigungen für die Angehörigen der Lockerbie-Opfer aus - bei dem Anschlag von 1988 auf ein US-Flugzeug über Schottland waren 270 Menschen getötet worden.
Geboren wurde er 1972 in Tripolis. Dort machte er 1995 seinen Hochschulabschluss als Architekt, später ging er zum Studium nach Wien, wo er sich mit dem inzwischen verstorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider anfreundete.
Zuvor war der Versuch Saifs al-Islam gescheitert, in der Schweiz zu studieren. Bern verweigerte ein Visum - aus Sicherheitsbedenken. Schliesslich machte der Gaddafi-Sohn an der renommierten London School of Economics seinen Doktor, bevor er in seine Heimat zurückkehrte. (pbe/sda)
Erstellt: 22.08.2011, 21:43 Uhr
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18 Kommentare
Dass Saif al-Ilslam vom Westen bzw. den WEF-Tonangebern zunächst als "Young World Leader" gefeiert und hoch gejubelt wurde, um kurz darauf im Angesicht eines Umschwungs der öffentlichen Meinung wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen zu werden, beweist einmal mehr die heuchlerische, verlogene und somit pharisäische "Ethik" der westlichen Politik und ihrer "Top Dogs". Sie passt sich abgesehen von finanzieller Profitorientierung und Machtgelüsten total wert- und prinzipienfrei wie eine Fahne dem Wind der öffentlichen Meinung an. Antworten
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