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Der clevere Propaganda-Krieg der Taliban

Aktualisiert am 12.11.2009 7 Kommentare

Im Kampf um die Meinungsführerschaft in Afghanistan nutzen die Taliban das Internet, DVDs und direkte Kanäle – mit Erfolg. Nun will die Nato dagegenhalten.

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Sie mögen das Fernsehen ebenso ablehnen wie Massenmedien, Kinofilme oder «weltliche» Musik. Doch wenn es um die eigenen Zwecke geht, nutzen die Taliban in Afghanistan vielfältige Methoden – mit Erfolg, wie es ein Online-Bericht der britischen Zeitung «The Times» beschreibt. Auf ihrer Webseite berichten die Taliban seit 2006 von angeblichen militärischen Erfolgen und von brutalen Übergriffen ihrer Feinde – unter der Überschrift «Hot News». Und regelmässig rufen die Imagedreher mit Kriegsnamen wie «Qari Yousuf Amadi» oder «Zabiullah Mujahid» die Redaktion westlicher Medien an, um Erfolge der eigenen Truppen zu melden – oft genug mit übertriebenen Angaben zu den gegnerischen Opfern.

Klassische Kriegspropaganda also, der die Nato-geführte Allianz lange wenig entgegenzusetzen hatte. Zwar liess sie TV-Spots senden und verbreitete Zeitungsartikel, doch in einem Land mit geringer Bildung und Versorgung mit elektrischem Strom verliefen diese Bemühungen im Sande. Ein Zustand, der sich ändern soll: In diesem Jahr richtete die Nato in Kabul eine neue Kommunikationsabteilung ein – mit rund 120 Mitarbeitern, zu denen auch Konteradmiral Greg Smith von der amerikanischen Marine gehört.

Prediger, Magazine und Klingeltöne der Taliban

«Information ist alles», zitiert die «Times» den PR-Fachmann, der im Mai in die afghanische Hauptstadt kam, «das hier ist ein Krieg der Wahrnehmung, der sich in den Köpfen des afghanischen Volkes abspielt.» Sein Gegenspieler in diesem Krieg ist vor allem Muhammad Yassir, der sich den Titel «Mustad» (Meister) gibt und als oberster Kommunikationschef der Taliban gilt – mit einem beeindruckenden Tätigkeitsspektrum.

Neben Internetseiten produzieren die Taliban auch Magazine und DVDs, auf denen Aufnahmen von ihren Angriffen zu sehen sind. In der Bevölkerung kursieren Hunderte von Kassetten mit Musik – traurig klingenden Gesängen, mit denen die «Märtyrer» der radikal-islamischen Kämpfer verherrlicht werden. Laut dem «Times»-Bericht lassen sich mittlerweile sogar Taliban-Klingeltöne aus dem Netz herunterladen.

Arrogantes Auftreten mit verheerenden Folgen

Zugleich sind sich die Islamisten auch für einfache Mittel nicht zu schade. Im Süden des Landes hinterlassen ihre Krieger laut dem Zeitungsbericht häufig sogenannte Nacht-Briefe in den Dörfern, und fleissige Prediger der Taliban versuchen, die Botschaften mit Mund-zu-Mund-Propaganda zu verbreiten. Methoden, die auf manche Bewohner des Landes glaubwürdiger wirken dürfte als TV-Spots westlicher Prägung – zumal die Glaubwürdigkeit der westlichen Nationen durch katastrophale Fehler bereits beschädigt ist.

Im vergangenen Jahr beispielsweise verbreitete sich die Nachricht, dass bei einem Nato-Einsatz in der Provinz Farah bis zu 90 Zivilisten ums Leben gekommen seien. Nato-Stellen sprachen dagegen von maximal fünf Todesopfern und machten sich über die Berichte lustig, bis die «Times» und andere Medien schliesslich Aufnahmen von Mobiltelefonen publizierten, auf denen Dutzende Leichname von Männern, Frauen und Kindern zu sehen waren.

Neue Strategien für die Kommunikation

Eine PR-Katastrophe, deren Folgen auf lange Sicht verheerend sein dürften. Umso intensiver wollen die westlichen Truppen nun ihre Anliegen kommunizieren. Nato-Kommandeur Stanley McChrystal, der seit Juni im Amt ist, arbeitet an einer konzertierten PR-Kampagne: Sie soll die Information über die bislang beispiellosen Einschränkungen verbreiten, die nun für den Einsatz von Waffen bei den Streitkräften gelten.

Zugleich wollen die neuen PR-Strategen laut der «Times» versuchen, auf den Pfaden der Taliban zu wandeln und sich vermehrt auf die traditionelle Netzwerke des Landes zu stützen: Stammesführer und Geistliche, die den Respekt und das Vertrauen der Bevölkerung geniessen. Ein Versuch, der freilich viel Fingerspitzengefühl erfordern dürfte: Die Taliban haben bereits viele Stammesfürsten und Geistliche, die sie für regierungstreu hielten, umgebracht. (raa)

Erstellt: 12.11.2009, 17:50 Uhr

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7 Kommentare

Robert E. Angst

12.11.2009, 17:11 Uhr
Melden

Neu in Kabul: Nato setzt 120 Mitarbeiter ein, zur Verbreitung aktueller "Friedenslügen" der USA und der EU Krieger. Für die Bevölkerung wären frisches Wasser, elektrische Energie und Schulen die weitaus stärkeren Argumente! Milliarden für Zerstörung statt Millionen für den Aufbau... Antworten


Stefan Jost

12.11.2009, 18:01 Uhr
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Für muslimische Untergrundkämpfer ist es relativ einfach in der muslimischen Bevölkerung Rückhalt zu finden. Irgendwann bleibt wohl nichts anderes als der vollständige Rückzug der Nato-Allianz und von aussen zusehen wie die einen Muslime die anderen Muslimen behandeln. Antworten



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