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«Bin Laden starb in Ägypten»

Aktualisiert am 07.05.2011 19 Kommentare

Osama Bin Laden wurde von den Amerikanern erschossen – doch der Aufschrei über seinen Tod bleibt in der islamischen Welt aus. Die Gründe dafür liegen in der arabischen Revolution.

Kein Aufschrei in der islamischen Welt: Ägypter vernehmen die Nachricht von Bin Ladens Tod in einem Café in Kairo.

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Bild: Keystone

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Zu Lebzeiten wurden Osama Bin Laden in der muslimischen Welt die unterschiedlichsten Rollen zugeschrieben: der Löwe eines heiligen Kriegs, der unantastbare Erzfeind des Westens, der teuflische Fanatiker, der den Glauben in Blut getränkt und mit Intoleranz vergiftet hat. Doch nun, nach seinem Tod, ist es auffällig ruhig in der islamischen Welt. Nichts blieb übrig von der Wut, der Scham oder der Heldenverehrung, die er selbst aus seinem Versteck heraus noch inspirierte.

Einige können die Nachricht von Bin Ladens Tod wohl noch nicht fassen. «Ist er wirklich tot?», fragt ein User auf einer militanten Website. Eine andere Erklärung für die Ruhe liegt aber darin, dass die Strassen in vielen arabischen Ländern schon lange nicht mehr ruhig sind.

Jungen Menschen lehnen al-Qaida ab

Die Demokratiebewegungen in der arabischen Welt machen deutlich, dass die Generation der jungen Menschen dort wenig übrig hat für die restriktive Ideologie von Al-Qaida. Sie setzten ihr Leben in den Strassen von Tunis, Kairo, Damaskus und anderen Städten in Nordafrika und dem Nahen Osten für Demokratie und Freiheitsrechte nach westlichem Vorbild aufs Spiel.

«Bin Laden starb in Ägypten, bevor er in Pakistan getötet wurde», urteilt Abdulchalek Abdullah, Politikprofessor an der Universität der Emirate. «Die jungen Menschen haben sich erfolgreich mit friedlichen Mitteln gegen die herrschenden Umstände aufgelehnt und damit bewiesen, dass der Weg Bin Ladens - der gewaltsame Weg, der Weg des Dschihads – nicht zu Wandel führt.»

Gedenken an die Opfer Bin Ladens

Saad Hariri, geschäftsführender Ministerpräsident des Libanons, erklärte, Bin Ladens Tod diene als ein Moment der Stille für all jene, die von Al-Qaida oder Gruppen, die ihrem gewalttätigen Vorbild folgten, getötet wurden. «Jeder Araber oder Muslim, der davon überzeugt ist, dass Terrorismus zerstörerisch und schädlich für die Idee des Arabismus und den Islam ist, kann die Nachricht von Osama Bin Ladens Schicksal nicht vernehmen, ohne Mitgefühl mit den Familien der tausenden Opfer auf der ganzen Welt zu haben, die auf seinen Befehl hin umkamen», liess Hariri verlauten.

Auch im Irak, der jahrelang unter zahlreichen Bombenanschlägen der Al-Qaida litt, gab es wenige öffentliche Kundgebungen der Freude oder der Trauer über Bin Ladens Tod. «Der Irak von heute ist ein anderer als der von 2004, 2005 oder 2006», sagte der Bagdader Politikanalyst Hadi Dschalo. «Wenn die Nachricht von seinem Tod zu dieser Zeit gekommen wäre, hätten wir in den Gegenden, in denen Al-Qaida aktiv war, Trauerkundgebungen gesehen.» Mittlerweile erscheine es so, als suchten die verschiedenen sunnitischen Widerstandsgruppen nach anderen Wegen, die politische Landschaft des Irak zu beeinflussen.

Nur wenige trauern öffentlich

In der südpakistanischen Stadt Karachi beteiligten sich am Mittwoch knapp 1000 Trauernde an Gebeten für Bin Laden, die von einer Hilfsorganisation mit Verbindungen zu militanten Gruppen veranstaltet wurden. Ansonsten kam es in dem Land, in dem sich Bin Laden vermutlich jahrelang aufgehalten hat, kaum zu weiteren Kundgebungen.

In Afghanistan glauben viele Menschen noch nicht an den Tod des Al-Qaida-Chefs. «Ich glaube nicht, dass er tot ist», sagt Salam Dschan Rischtania, ein 26-jähriger Student aus Kandahar. «Ich traue den Amerikanern nicht, weil sie hier Spiele spielen. Das könnte Teil eines ihrer Spiele sein.»

«Terror, Terror, Weg»

Im Gazastreifen hielten 25 Menschen am Dienstag eine Andacht ab und trugen dabei Bilder von Bin Laden mit sich. Auf dem Podcast-Kanal des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera fanden sich unter zahlreichen anderslautenden Kommentaren auch einige Nachrichten, in denen Nutzer Bin Laden priesen. «Du bist der Scheich der Mudschaheddin. Gott möge dich in den Himmel aufnehmen», teilte einer der Nutzer mit. Ein anderer schrieb: «Du bist im Himmel Scheich Osama.»

In Somalia, wo islamische Extremisten weite Teile des Landes beherrschen, marschierten Demonstranten durch die von der Regierung kontrollierten Teile der Hauptstadt Mogadischu. Sie verbrannten eine Flagge, die Al-Qaida repräsentieren sollte. «Terror, Terror, Weg», riefen sie. «Kleine Kinder wollen spielen.» (Brian Murphy, dapd)

Erstellt: 07.05.2011, 19:59 Uhr

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19 Kommentare

Eric Greney

08.05.2011, 11:14 Uhr
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JaJa, jeder Muslim ist ein "Islamist", wir die Guten mit alles seelig machende Wahrheit und dort die Bösen!...Nicht weniger verachtend als der Fanatismus der wenigen wirklichen Islamisten...Menschen brauchen eben doch Feindbilder, früher war es den sog. Kommunismus (In Süd-Amerika wurden Bauern die mehr Brot wollten als Kommi abgestempelt und massakriert), heute der Islamismus. Moralisch Besser??? Antworten


Peter Müller

08.05.2011, 12:58 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Der 11. September 2001 hat meine und die Einstellung vieler Menschen zum Islam grundlegend verändert. Vorher hatte ich kaum Probleme, ging in islamische Länder ohne Probleme. Diese Einstellung ist irreversibel, weil der Islam sich vom Islamismus nicht distanziert, ihn nicht bekämpft, und so kein Unterschied mehr möglich ist. Ganz genau: Schwarz - Weiss. Ich stehe dazu. Antworten



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