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Auf den Spuren des Amok-Soldaten

Aktualisiert am 29.03.2012

Robert Bales soll in Afghanistan 17 Menschen getötet haben. Erstmals konnten Medien aus der Basis in der Provinz Kandahar berichten. Überlebende erzählen von der schrecklichsten Nacht ihres Lebens.

1/17 War er der einzige Täter? Staff Sergeant Robert Bales (l.) soll in Afghanistan 16 Zivilisten massakriert haben. (23. August 2011)
Bild: AFP

   

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Die australische Journalistin Yalda Hakim berichtet als erste westliche Journalistin aus dem Stützpunkt Belambai in der afghanischen Provinz Kandahar.

Dort spricht sie mit afghanischen Soldaten, die in der Tatnacht patrouillierten...

und hört zu, wie überlebende Kinder erzählen, wie sie das Attentat erlebt haben.

Im Interview erzählt ihr General Karimi von seinen Zweifeln an der Einzeltäter-These. (Bilder: Screenshots CNN)

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Nach dem Attentat in der Provinz Kandahar am 11. März, bei dem sich Robert Bales vom Militärstützpunkt Belambai in die Dörfer Alokzai und Najiban geschlichen und dort 17 Menschen erschossen haben soll, bleiben viele Fragen offen. So ist immer noch ungeklärt: Wie konnte sich der US-Soldat unbemerkt aus der Kaserne schleichen?

In einem Bericht der «New York Times» kommen dazu weitere brisante Details ans Licht. Unter Berufung auf Ermittlungsakten schreibt die US-Zeitung, dass in der Tatnacht vor allem afghanische Soldaten mit der Sicherung des Camps betraut waren. Diese hätten Bales womöglich eher passieren lassen, als US-Kollegen, die den Soldaten gekannt hätten, mutmasst das Blatt.

Eine Stunde zurück im Camp

Die Reporterin Yalda Hakim, die für den australischen Fernsehsender Special Broadcast Service (SBS) arbeitet, ist die erste westliche Journalistin, die von vor Ort über die Hintergründe des Amoklaufs berichtet. In einer Reportage, die auch auf CNN ausgestrahlt wurde, spricht Hakim mit den afghanischen Streitkräften, die an diesem Abend für die Bewachung des Stützpunkts zuständig waren. Wie diese berichten, war Bales zwischen den Anschlägen in den beiden Dörfern für zirka eine Stunde in die Basis zurückgekehrt.

«Er trug einen M4-Karabiner, einen Helm und eine schusssichere Weste», sagt der afghanische Soldat, der Bales sah, als dieser den Stützpunkt zum zweiten Mal verliess, im Bericht. Er habe dies sofort bei dem zuständigen Offizier gemeldet.

Plötzlich traf mich eine Kugel am Ohr

Neben Soldaten spricht Hakim auch mit Überlebenden des Anschlags. «Ich hörte Schüsse, plötzlich traf eine Kugel mein Ohr», erzählt ein kleiner afghanischer Junge in der Reportage und zeigt auf die Narbe. Als sein Vater ins Zimmer gekommen sei, habe der Attentäter ihn erschossen.

Auch ein Mädchen musste in der Nacht des 11. März mitansehen, wie ihr Vater getötet wurde: «Der Mann packte meine Mutter an den Haaren und bedrohte sie mit einer Waffe. Als mein Vater schrie ‹Lass sie in Ruhe›, schoss er ihm in die Brust.» Das Mädchen selbst kam mit einer Verletzung am Knie davon.

Augenzeugen glauben an mehrere Täter

Die Berichte der Überlebenden bekräftigen die Gerüchte, dass Bales nicht alleine gehandelt habe.« Als ich nach draussen sah, waren da viele Männer mit Stirnlampen im Garten», erklärt das Mädchen gegenüber Hakim. Andere Augenzeugen erzählen ihr von Helikoptern, die während des Anschlags vom Himmel ins Dorf geleuchtet hätten.

Auch Chef-Ermittler General Karimi glaubt laut seinen Aussagen in der Reportage nicht an eine Einzeltat: «Wie kann es sein, dass ein US-Soldat die Kaserne verlässt, ohne dass seine Kameraden das bemerken?» Auch der afghanische Präsident Hamid Karzai zeigt sich überzeugt, dass mehrere US-Soldaten involviert waren: «Die Leichen wurden von vier Zimmer in ein Zimmer getragen und danach angezündet. Ein Mann alleine schafft das nicht.»

Anwalt setzt auf Stressbelastung

Der Anwalt von Robert Bales beharrt derweil auf eine Einzeltat. Auf CNN äusserte er sich gestern zu seinem Plädoyer. Darin will Henry Browne auf die posttraumatische Stressbelastung seines Mandanten verweisen. Psychiater würden zu dem Schluss kommen, dass er unter dem posttraumatischen Stresssyndrom leide, sagte er. Er kenne sich mit dem Phänomen gut aus und ist «überzeugt davon, dass dies festgestellt wird».

Der Anwalt durfte den Soldaten elf Stunden lang im Militärgefängnis Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas besuchen. Er sagte, dass in dem Verfahren konkrete Beweise gegen seinen Mandanten fehlten. «Das wird eine sehr komplizierte Geschichte für die Anklage werden», sagte der Anwalt.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur AFP. (wid)

Erstellt: 29.03.2012, 17:18 Uhr

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