Auch die Uno untersucht den blutigen Nato-Luftangriff
Strategische Ziele: Schon Ende August liessen Aufständische mehrere Tanklastwagen der ausländischen Truppen in Flammen aufgehen. (Bild: Reuters)
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«Wir müssen prüfen, was geschehen ist und warum der Angriff erfolgte, obwohl Opfer unter Zivilisten nicht mit Sicherheit auszuschliessen waren», sagte der stellvertretende Uno-Beauftragte für Afghanistan, Peter Galbraith, am Freitagabend. Zuvor hatte bereits Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eine Untersuchung angekündigt. Nach wie vor ist unklar, ob und wie viele Zivilisten bei dem Luftangriff starben.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung verteidigte den Einsatz. Nach Darstellung seines Ministeriums wurden mehr als 50 Aufständische in der Nacht zum Freitag beim Luftangriff in der Provinz Kundus getötet. «Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen», hiess es in Berlin. Laut Berichten der «Kölnischen Rundschau» und der «Stuttgarter Zeitung» ist diese Darstellung jedoch nicht aufrechtzuerhalten. Die Nato dränge die Bundeswehr dazu, ihre Informationspolitik diesbezüglich zu ändern.
Karzai spricht von 90 Opfern
Der afghanische Präsident Hamid Karzai liess in Kabul mitteilen, es seien «rund 90 Menschen getötet oder verletzt» worden. Er äusserte sein «tiefes Bedauern» und erklärte: «Unschuldige Zivilisten sollten bei Militäroperationen nicht getötet oder verwundet werden.»
Nach Angaben von Nato-Generalsekretär Rasmussen ist bereits ein Team von Ermittlern unter der Leitung eines Admirals der Schutztruppe Isaf an den Ort des Geschehens geschickt worden. «Das afghanische Volk muss wissen, dass uns alles daran liegt, es zu schützen, und dass wir diesen Vorfall umfassend und umgehend untersuchen werden», sagte Rasmussen in Brüssel. «Es ist möglich, dass es auch zivile Opfer gab, aber das ist noch nicht klar.»
Nach Angaben der Bundeswehr hatten Taliban-Kämpfer in der Nähe von Kundus zwei beladene Tanklastzüge in ihre Gewalt gebracht. Bei der Durchquerung eines Flusses sechs Kilometer vom deutschen Wiederaufbauteam entfernt seien sie mit den Fahrzeugen in einer Sandbank steckengeblieben. Von der Bundeswehr angeforderte NATO- Flugzeuge hätten sie dann bombardiert.
Angehörige: Mehr als 150 Opfer
Der Angehörige eines Opfers aus dem betroffenen Dorf Hadschi Amanullah sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: «In der Gegend waren auch Taliban, aber mehr Opfer gibt es unter Zivilisten.» Der Mann namens Nadschibullah berichtete, auch sein Cousin sei tot. Insgesamt seien «mehr als 150 Menschen getötet oder verletzt» worden.
Der Polizeichef von Kundus, Abdul Rasak Jakubi, sagte, eine «Anzahl Zivilisten» sei getötet worden. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid nannte die Zahl 150. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, sagte: «Das Problem ist, dass all diese Menschen rund um die Tanklastwagen schwer verbrannt wurden und es unmöglich ist, sie zu identifizieren.» Unter den Toten seien vier oder fünf Anführer der Taliban gewesen. Der Treibstoff sei für die Bundeswehr gewesen. (raa/sda)
Erstellt: 05.09.2009, 06:50 Uhr
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